04.03.2021 - 14:59 Uhr
RegensburgOberpfalz

Zur neuen Coronastrategie: Mit Schnelltests zurück zur Normalität

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Vom einfachen Mittelständler zum nationalen Hoffnungsträger: Roland Meißner produziert mit seinem Unternehmen Nal von Minden Corona-Schnelltests. Im Interview verrät der Oberpfälzer, welche Erleichterungen die Tests für uns bedeuten können.

Nal-von-Minden-Geschäftsführer Roland Meißner
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

ONETZ: Neben Impfungen sollen künftig Schnelltests eine wichtige Rolle in der deutschen Coronastrategie spielen. Impfstoff ist knapp. Gibt es genug Tests?

Roland Meißner: Ja. Seit Oktober haben wir und andere Anbieter die Kapazitäten stark erhöht. Inzwischen sind alleine wir in der Lage, pro Woche bis zu 10 Millionen Tests herzustellen. Allerdings kann es in den ersten Wochen zu Engpässen kommen.

ONETZ: Was heißt das?

Noch arbeiten wir bei weitem nicht an der Kapazitätsgrenze. Und uns fehlt die verlässliche Zusage, dass unsere Tests wirklich abgenommen werden. Wenn die Zusage vorliegt, wird es eine oder zwei Wochen dauern, bis Produktion und Logistik komplett hochgefahren sind.

ONETZ: Für den Laien verständlich: Wie arbeiten die Tests?

Unsere Schnelltests sind nicht ganz so sensitiv wie der klassische PCR-Test. Dafür dauert die Auswertung nur 15 Minuten und nicht ein bis zwei Tage. Und wir wissen, dass die Tests sehr gut bei Menschen funktionieren, die tatsächlich infektiös sind, also andere Menschen anstecken können. Bei diesen Menschen ist die Viruskonzentration so hoch, dass Schnelltests zuverlässig anschlagen. Genau diese Menschen sollen aus Schulen und Unternehmen ferngehalten werden.

ONETZ: Wie oft sollte man einen Schnelltest machen?

Untersuchungen zeigen, dass ein Zeitfenster von zwei Tagen gut geeignet ist.

ONETZ: Schüler sollen die Tests mit ihren Eltern machen. Wird es nicht zu Fehlern kommen, die für falsche Ergebnisse sorgen?

Den Tests liegen genaue und gut bebilderte Beschreibungen bei. Dass diese Erklärungen funktionieren, wird in sogenannten Laienstudien überprüft. Dort führen Laien die Tests anhand der Erläuterungen durch. Nur wenn das funktioniert, werden die Selbsttests zugelassen.

ONETZ: Von den PCR-Tests weiß man, dass sie unangenehm bis schmerzhaft sind. Wie ist das bei den Schnelltests?

Viel unproblematischer. Statt im Rachenraum erfolgt der Abstrich in der Nase. Das Stäbchen muss nur etwa zwei Zentimeter eingeführt und dort fünfmal gedreht werden.

ONETZ: Die Politik stand wegen des Corona-Managements zuletzt in der Kritik. Wie ist ihre Erfahrung?

Ich finde, dass hier inzwischen sehr viel richtig gemacht wird. Wir haben einen guten Informationsaustausch. Man fragt bei uns nach, ob Vorschläge überhaupt umsetzbar sind. Manchmal würde ich mir aber etwas mehr Pragmatismus wünschen.

ONETZ: Können Sie ein Beispiel nennen?

Die angesprochenen Laienstudien für die Selbsttests. Diese Studie verzögert die Zulassung um drei bis vier Wochen bis Ende März. Dabei haben wir bereits ähnliche Test mit ähnlichen Beschreibungen zugelassen. Wir wissen, dass die Erläuterungen gut funktionieren. Österreich hat das Problem anders gelöst.

ONETZ: Wie?

In Österreich ist eine Selbst-Erklärung des Herstellers ausreichend. Es wäre auch denkbar, dass das Bundesinstitut für Arzneimittel die Einschätzung trifft, ob ein Test Laien-geeignet ist oder nicht. Die Kompetenz ist dort vorhanden. Dies würde viele Wochen sparen.

ONETZ: Ist es vorstellbar, dass mit den Tests auch Restaurants oder Museen bald wieder öffnen?

Aus meiner Sicht: Ja. Durch die Tests erhalten wir viel mehr Sicherheit, können die sogenannten Superspreader schnell und zuverlässig aus dem Verkehr ziehen.

ONETZ: Aber kann das mit Selbsttests funktionieren? Wie wird verhindert, dass getrickst wird?

Auch hier können wir vom österreichischen Pragmatismus lernen. Dort sind in kurzer Zeit viele Stellen geschaffen worden, an denen man sich testen lassen kann. Zum Beispiel beim Arbeitgeber. Nach einem negativen Test erhält man eine Bescheinigung, die zwei Tage gültig ist. Mit der kann man dann zum Friseur oder zum Shoppen.

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Weiden in der Oberpfalz
Info:

Roland Meißner und Nal von Minden

  • Roland Meißner ist in Rupprechtsreuth bei Mantel (Landkreis Neustadt/WN) aufgewachsen.
  • Er ist 44 Jahre alt.
  • BWL-Studium an der FH in Regensburg.
  • Im Anschluss 2005 die Gründung der Nal 24 GmbH mit dem Biologen Thomas Zander
  • 2008 Fusion mit der Von Minden GmbH aus Moers
  • Umsatz im Jahr 2019 20 Millionen Euro, 2020 ein Anstieg um 800 Prozent auf 180 Millionen Euro.
  • Aktuell 250 Mitarbeiter (2019 rund 180). Mit den externen Dienstleistern arbeiten aktuell 400 bis 500 Menschen bei Nal von Minden

 

 

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Jörg Kollex

Erleichterung der Geldbörse und steigende Positiv Testungen. Einfach super!

05.03.2021