07.08.2020 - 15:28 Uhr
RegensburgOberpfalz

Missbrauchsstudie der Kirche: 148 Ermittlungen und eine Anklage in Bayern

Vor knapp zwei Jahren erschütterte die Missbrauchsstudie die katholische Kirche. Die Folgen sind in den Bistümern bis heute zu spüren. Jetzt gibt es Zahlen zur Arbeit der bayerischen Justiz.

Exemplare der Studie "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" werden auf einer Pressekonferenz der Deutschen Bischofskonferenz verteilt.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Knapp eineinhalb Jahre nach der Veröffentlichung der Missbrauchstudie durch die Katholische Kirche ist es in Bayern nur zu einer Anklage wegen sexuellem Missbrauch und schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern gekommen. Im April 2020. Das Strafverfahren läuft noch. Dies teilte das bayerische Justizministerium auf eine Anfrage der Landtagsabgeordneten Toni Schuberl und Gabriele Triebel (beide Grüne) mit.

Im Schreiben vom 28. Juli wird auch der Fall des Missbrauchs durch einen Priester in der nördlichen Oberpfalz von Anfang des Jahrtausends erwähnt. Weil im November 2019 Anzeigen des Missbrauchsbeauftragten des Bistums Regensburg eingegangen waren, ermittelten die Staatsanwaltschaften in Regensburg und Amberg. In beiden Fällen wurden die Verfahren eingestellt. Wegen Verjährung. Allerdings hatte der Täter wegen "anderer gleichartiger Taten im Mai 2003" in Weiden eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren erhalten.

Die Veröffentlichung der Studie "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" Ende September 2018 hatte auch die bayerische Justiz auf den Plan gerufen. Laut Ministerium forderten die Generalstaatsanwälte in München und Bamberg, sowie die Staatsanwaltschaft Regensburg die Bistümer auf, ihnen die entsprechenden Unterlagen zur Prüfung vorzulegen. Die Regensburger Staatsanwälte wurden im Auftrag des Generalstaatsanwaltes in Nürnberg aktiv.

Die Ausbeute: 204 "beschuldigte Kleriker" im Sinne der Missbrauchsstudie. Diese waren namentlich bekannt und nicht verstorben, darunter 33 im Bistum Regensburg, 14 in Bamberg und acht in Eichstätt. Ursprünglich hatten die Studienautoren bundesweit 1670 Beschuldigte in den Akten der Diözesen von 1946 bis 2014 gefunden. Im Bistum Regensburg waren es 81 gewesen. Die Studie bezeichnet Personen als Beschuldigte, gegen die ein Vorwurf mit Sexualbezug bekannt war. Die Staatsanwaltschaften prüften, welche Vorwürfe juristisch haltbar und verwertbar sind. Das führte nun zu lediglich einer Anklage. "In einem weiteren Verfahren verstarb der Beschuldigte, bevor die Prüfung der Staatsanwaltschaft, ob ein hinreichender Tatverdacht gegeben ist, abgeschlossen war", heißt es.

Vorstellung der Studie durch die Kirche

Regensburg

Insgesamt hatten die Staatsanwaltschaften 148 Vorermittlungs- oder Ermittlungsverfahren eingeleitet. In den übrigen Fällen wurde von einer Ermittlung abgesehen, unter anderem wenn in der Vergangenheit ermittelt worden war oder eine Straftat nicht gegeben war.

In 146 der 148 Fälle wurden die Ermittlungen eingestellt: 44 Fälle waren den Strafverfolgungsbehörden bekannt, geprüft oder gegebenenfalls abgeurteilt worden. 46 Fälle waren verjährt. In 49 Fällen habe es "keine zureichenden Anhaltspunkte für eine Straftat" bzw. keinen "hinreichenden Tatverdacht" gegeben. Das Ministerium nennt als Beispiel auch den Vorwurf der sexuellen Belästigung, der zur Tatzeit nicht strafbar war. Der §184i im Strafgesetzbuch ist erst seit 2016 in Kraft, schreibt das Ministerium. Sieben Verfahren wurden an Staatsanwaltschaften außerhalb Bayerns abgegeben. Wie diese ausgegangen sind ist in München nicht bekannt.

Kommentar zur Studie

Regensburg
Hintergrund:

Die Missbrauchsstudie der Katholischen Kirche

Betroffene: Bundesweit spricht die Studie von 3677 Betroffenen im Zeitraum von 1946 bis 2014. Im Bistum Regensburg waren es 199.

Beschuldigte: In den Akten der Kirche wurden bundesweit 1670 Beschuldigte gefunden. In Regensburg waren es 81, darunter 71 Priester und 10 Ordensleute.

Vorermittlungen: Die bayerischen Staatsanwaltschaften leiteten insgesamt 148 Ermittlungs- und Vorermittlungsverfahren ein.

Anklage: Im Freistaat wurde im April dieses Jahres eine Person angeklagt. Das Verfahren läuft laut Justizministerium noch.

MHG-Studie: Das Forschungsprojekt zu Thema Missbrauch in der katholischen Kirche wurde von Experten verschiedener Einrichtungen durchgeführt. Aus den Ortsnamen Mannheim, Heidelberg, Gießen ist die Abkürzung MHG zusammengesetzt.

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