10.09.2019 - 16:44 Uhr
Oberpfalz

Raus aus der Herde

Freiheit bedeutet auch, Selbstverantwortung zu übernehmen. Lassen wir uns nicht mehr davon abhalten, unser Leben so zu gestalten, wie es uns glücklich macht, rät die OWZ-Glücksexpertin.

Erlauben Sie sich ruhig mal, das schwarze Schaf in der Herde zu sein.
von Autor EWAProfil

"Das machen doch alle so." "Wenn es alle anderen haben, brauche ich das auch." "Sieht voll aus, also muss das Restaurant gut sein." "Das trägt doch jetzt jeder so." "Wenn das alle glauben, glaube ich das eben auch." Sicher ist Ihnen das auch schon passiert: Beim Schlendern durch die Stadt treffen Sie an der Ecke eine Gruppe von Menschen, alle schauen nach oben. Was tun Sie? Natürlich auch nach oben schauen. Oder Sie sitzen im Theater oder Kabarett, alle klatschen. Was tun Sie? Natürlich klatschen Sie mit. Später holen Sie an der Garderobe Ihre Jacke, dort sehen Sie, dass alle anderen eine Münze als Trinkgeld in die Schale legen. Was tun Sie? Natürlich ebenfalls Trinkgeld geben. Wenn das alle anderen tun, wird es schon richtig sein.

"Social Proof" heißt dieses psychologische Prinzip - oder deutsch ganz einfach: Herdentrieb. Wir orientieren uns am Verhalten der anderen, statt selbst nachzudenken. Wir gehen davon aus, dass die anderen schon richtig liegen, machen uns Entscheidungen leicht. Wir tun einfach das, was alle tun. Und lassen uns so wunderbar manipulieren. Lassen uns einreden, dass wir ohne großes Auto oder bestimmte High-Tech-Küchengeräte gar nicht glücklich sein können. "Das haben doch nun alle." Lassen uns erzählen, dass wir neue Klamotten brauchen, weil unsere alten nicht mehr tragbar sind. "Solche Hosen hat doch nun wirklich niemand mehr an." Und lassen uns sogar davon abhalten, unser Leben so gestalten, wie es uns glücklich machen würde. "Das macht doch nun wirklich keiner."

Wir können es uns also weiterhin einfach machen - zumindest auf den ersten Blick - und das tun, was alle tun. Oder wir haben den Mut, uns immer wieder aufs Neue von diesem Herdentrieb zu befreien und unsere ganz eigenen Entscheidungen zu treffen, die uns auch wirklich glücklich machen. Schließlich bedeutet Freiheit eben auch, Selbstverantwortung zu übernehmen. "Wenn 50 Millionen Menschen eine Dummheit behaupten, wird sie deswegen nicht zur Wahrheit", schreibt Robert Dobelli in seinem Buch "Die Kunst des klaren Denkens". "Es kommt mir nur ein einziger Fall in den Sinn, wo Social Proof von Nutzen ist: Angenommen, Sie haben Karten für ein Fußballspiel in einer fremden Stadt und wissen nicht, wo das Stadion ist. Dann macht es Sinn, den Leuten hinterherzulaufen, die wie Fußballfans aussehen."

Erlauben Sie sich ansonsten also ruhig, das schwarze Schaf in der Herde der weißen Schafe zu sein, selbst zu denken - und so Ihr ganz persönliches Glück zu finden.

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