04.05.2021 - 10:47 Uhr
PullenreuthOberpfalz

Vorsitzender der Gesellschaft "Steinwaldia" verrät: "Gerne würden wir wieder arbeiten"

Die Gesellschaft „Steinwaldia“ wäre längst bereit, die Arbeit fortzusetzen. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien bedauert aber deren Vorsitzender Norbert Reger: „Wann wir die Pläne angehen können, weiß niemand.“

Vorsitzender Norbert Reger hofft, dass die Restaurierungsarbeiten am „Heiligen Grab“ bald wieder aufgenommen werden können.
von Werner RoblProfil

Wäre nicht Corona, würde sich die Gesellschaft "Steinwaldia" auf den Saisonstart an der Glasschleif vorbereiten. Der Vorplatz würde sich ab Mai beziehungsweise an den Öffnungstagen in einen gemütlichen Bier- und Kaffeegarten verwandeln. Zudem betont Vorsitzender Norbert Reger: „In der Küche gäbe es reichlich zu tun." Viel Arbeit hätte auch das ehrenamtliche Servicepersonal, um die vielen Wünsche der zahlreich herbei strömenden Gäste zu erfüllen.

Aus einem bestimmten Grund spricht der Vereinsvorsitzende aber im Konjunktiv. Denn: Auf die beliebten Brotzeiten, erfrischenden Getränke, Gastlichkeit und Gemütlichkeit, auch auf die Veranstaltungen, muss man auf der Rodungsinsel auch weiterhin verzichten. "Der Saisonstart an der Glasschleif wird bis auf Weiteres verschoben", bedauert Vorsitzender Reger im Gespräch mit Oberpfalz-Medien.

(Un)Gewohnte Stille

Beim Besuch an der "Schleif" – zwischen Pullenreuth und Arnoldsreuth beziehungsweise Harlachberg - wird deutlich: Hier herrscht noch immer die bereits schon zur Gewohnheit gewordene Stille, die - in wenigen Tagen - vor allem zu den Öffnungszeiten - weiterhin zu spüren sein wird. „Zweifellos hat die Zwangspause schöne und weniger schöne Seiten.“ Zunächst tat sie dem ehrenamtlichen Servicepersonal aus den Reihen der Gesellschaft "Steinwaldia" gut, lässt Reger durchblicken. „Wir hatten viel mehr Zeit für zu Hause.“ Doch nach und nach vermisse man das zwar arbeitsreiche, aber auch verbindende Zusammensein in und an der Glasschleif. "'Man sieht sich ja nicht mehr' ist immer wieder zu hören.“

"Der Saisonstart an der Glasschleift wird bis auf Weiteres verschoben."

Norbert Reger

Der Stillstand, davon war auch die nachweihnachtliche Rauhnacht betroffen, schlägt sich auch in der Kasse nieder. Auch wenn Reger, was die Einnahmen an der Glasschleif betrifft, keine einzige Silbe verliert, so ist die finanzielle Lücke, die durch die vorübergehende Glasschleif-Schließung entsteht, leicht auszurechnen.

An manchen sonnigen Sonntagen – vor Corona – war der Glasschleif-Garten voller Gäste. Sofort an den Start gehen will die Vereinsschiene „Gastronomie“, sollte es wieder erlaubt sein, aber trotzdem nicht. „Aus Rücksicht auf unsere regionalen Gasthäuser werden wir beim Bewirtungsangebot noch eine Zeitlang Zurückhaltung üben, um den örtlichen Wirten den Vortritt zu lassen“, verspricht Reger.

Vorerst ist eh noch nicht absehbar, ab wann man sich in und an der Glasschleif wieder treffen kann, so wie dies noch vor der Pandemie möglich war. „Vielleicht“, so hofft der Vorsitzende aus Arnoldsreuth, „können wir wenigstens eine Maiandacht am Gelände der Glasschleif feiern.“ Auch hinter den beliebten Mäh- und Dengelkurs und die am 18. Juli geplante Insektensafari mit Jürgen Fischer setzt Reger dicke Fragezeichen. Im Verlauf der Unterhaltung kommt er auch auf die geplante Wanderung mit dem Geologen Dr. Andreas Peterek zu sprechen. „Das Thema ist inzwischen passé“, bedauert der "Steinwaldia"-Vorsitzende.

„Aus Rücksicht auf unsere regionalen Gasthäuser werden wir beim Bewirtungsangebot noch eine Zeitlang Zurückhaltung üben, um den örtlichen Wirten den Vortritt zu lassen.“

Norbert Reger

Anklingen lässt Reger an anderer Stelle das Vereins-Dauerthema „Wir am Steinwald“. Die Vorbereitungen für Band 29 laufen. Am geplanten Erscheinungstermin könne auch Corona nichts ändern, verweist Reger auf den kommenden Herbst. „Hoffentlich“, so fährt er fort, „kann die Buchvorstellung gemeinsam mit Autoren und Gästen wieder in einem größeren Rahmen stattfinden.“ Vergeblich hoffte man auf den Weihnachtsmarkt in Pullenreuth. „Gerne hätten wir den 28. Band der Reihe „Wir am Steinwald“ wenigstens dort vorgestellt.“

Dennoch zieht Reger eine mehr als positive Bilanz was den Absatz der Schriftenreihe anbelangt. „Vorsorglich hatten wir die Auflagenhöhe diesmal eingedampft." Wenig später musste man aber feststellen, dass die gedruckten Ausgaben bei weitem nicht ausreichten. "Der Absatz verlief unerwartet gut“, fährt Reger fort. „Ein Nachdruck wurde fällig.“ Dankbar zeigt sich der Vorsitzende für die „große Unterstützung“ der Stadt Erbendorf, die laut Reger eine stattliche Anzahl Bücher orderte, um die kommunalen Mitarbeiter zu beschenken. Noch eines freut den Vorsitzenden der "Steinwaldia": Die Nachfrage nach bereits vorhandenen Erscheinungen der "Steinwaldia" ist ungebrochen.

Kein "Classic Open Air"

Im Verlauf des Gespräches kommt der Vorsitzende auch auf das Weißenstein-Open-Air zu sprechen. Dazu meint Reger: „Aus der eigentlich geplanten Ruhepause wurde 2020 eine von niemandem gewollte Zwangspause.“ Alternativ war dafür „Rock am Steinwald" geplant. „Aber auch daraus wurde nichts.“ Noch bis vor einigen Tagen war das für 25. Juli 2021 ausgearbeitete „Classic Open Air“ mit der Prager Kammerphilharmonie unter der Leitung des Erbendorfers Klaus Linkel (fast) beschlossene Sache. Nach reiflicher Überlegung und Abwägung vieler Punkte habe man sich „schweren Herzens", dazu entschlossen, auch diese Veranstaltung aus dem Terminkalender zu streichen.

Zum Stichwort Pavillon an der Burgruine Weißenstein sagt Reger: Die Renovierungsarbeiten am Info-Stand – unweit – des Steinwald-Wahrzeichens - seien abgeschlossen. „Texte und Fotos wurden erneuert beziehungsweise ergänzt.“ Zudem krempelte die "Steinwaldia" die Ärmel hoch, um den Turm-Aufstieg noch sicherer zu machen. Die Antwort auf die Frage, ob sich die "Steinwaldia" am gemeindlichen Ferienprogramm beteiligen wird, beantwortet Reger nur mit einem zögernden „vielleicht“. Reger unterstreicht: „Falls ja, dann aber schon in den Pfingstferien, um mit den Kindern den Geisterwald nahe Harlachberg bzw. Arnoldsreuth aufzufrischen.“

Biber zu Besuch

Einsam und verlassen, wie es derzeit den Anschein hat, ist das Gelände an der Glasschleif aber nicht. Ab und zu gehen Spaziergänger vorbei. Radfahrer passieren die Glasschleifwiese, ohne aber anzuhalten, geschweige denn einzukehren, weil das ja nicht möglich ist. Ein ganz besonderer Gast – aber auf vier Beinen - fand oberhalb des Schützweihers ein Zuhause, um dort zu arbeiten. Seit einiger Zeit fühlt sich dort ein Biber wohl. Meister Bockert - so dessen Fabelname – verändert zusehends die Landschaft. „Auch wenn es ihm viel Mühe kostet, setzt er alles daran, dass sie seinen Ansprüchen genügt“, ergänzt Reger und verweist auf den neugeschaffenen Weiher südöstlich der Glasschleif und die deutlichen Spuren seines Tuns.

Band 28 der Schriftenreihe „Wir am Steinwald“ ist fertig

Pullenreuth

Seine Entstehung verdankt der neugeschaffene kleine See den vom Biber angestauten Abläufen am Glasschleifweiher. Das Wasser floss über die Dammkrone. Zunächst – noch in der Nacht – wurden die notdürftigsten Reparaturarbeiten durch Helfer aus Vereinskreisen erledigt. Laut Reger wurde der davon betroffene Weiher später ganz abgelassen, um die Schäden zu beheben. „Wir können über den Biber nur staunen, wie er das alles schafft“, betont der Arnoldsreuther voller Respekt. Das Tier versuchte sein Glück auch im Glasschleif-Garten. „Die Baustelle wurde von ihm aber wieder aufgegeben und das Vorhaben zurückgestellt“, verrät der "Steinwaldia"-Vorstand. „Wir müssen ständig auf der Hut sein. Wer weiß, was der Vierbeiner noch alles anstellt.“ Selbstverständlich – so der Vorsitzende – „darf der Gast bei uns bleiben und arbeiten.“ Trotz der Mühe, die er der "Steinwaldia" bereitet, habe man ihn gern, unterstreicht Norbert Reger.

Arbeiten am "Heiligen Grab" ruhen

Zurückgekehrt nach Arnoldsreuth, wechselt der Vorsitzende das Thema, um sich – aber nur gedanklich – dem „Heiligen Grab“ zuzuwenden. Derzeit ruhen die Arbeiten. Dazu sagt Reger: „Wir hoffen sehr, dass wir das schöne Stück im kommenden Jahr fertig restauriert aufstellen können.“ Zwischenzeitlich wurden Schäden an der mit Wachs überzogenen Leinwand bekannt. Zudem beschloss man auch, Maßnahmen zu treffen, um die Einzelteile besser schützen zu können. „Wir arbeiten eng mit dem Landratsamt und dem Landesamt für Denkmalpflege zusammen.“ Die zusätzlichen Maßnahmen müssen jedoch – laut Reger – aus dem vorhandenen Budget finanziert werden. Die erforderlichen Gelder hat die „Steinwaldia“ aber bereits eingebunden. Weiter informiert Reger, dass fehlende Seitenteile angefertigt werden müssen, um das „Heilige Grab“ – nach den historischen Vorlagen – im vollen Umfang aufstellen zu können. Nach Regers Informationen wurde auch ein Modell gefertigt: „Damit wir uns vorstellen können, wie das ’Heilige Grab’ nach der Restaurierung bzw. Revitalisierung in der Sankt Martinskirche einmal ausschauen wird.“

„Wir hoffen sehr, dass wir das schöne Stück im kommenden Jahr fertig restauriert aufstellen können."

Norbert Reger zum "Heiligen Grab"

Laufend ergänzt wird das Fotoarchiv der Gesellschaft „Steinwaldia“, berichtet Norbert Reger auch darüber. Bilder würden eingescannt und auf einer Computer-Festplatte gespeichert. „Ich war beschäftigt“, blickt Reger auf die Wintermonate zurück. Das Pläne schmieden, ohne zu wissen, wann sie umgesetzt werden können, will dem rührigen Vorstand und „seiner“ Gesellschaft „Steinwaldia“ aber gar nicht gefallen. Das merkt man Norbert Reger auch an, dessen großer Wunsch es ist „bald wieder einmal bei einer gemütlichen Glasschleif-Brotzeit z’samm sitzen zu können“.

Hier geht's zur Internetseite der "Steinwaldia"

Hintergrund:

Zweck und Aufgaben des Vereins

Zweck des Vereins ist die Förderung der Heimatpflege und Heimatkunde, die Förderung des Naturschutzes und der Landschaftspflege, die Förderung der Jugendpflege und der Erziehung sowie die Förderung kultureller Zwecke. Diese Zwecke werden verwirklicht

  • durch die Unterhaltung und den weiteren Ausbau eines vereinseigenen Archivs mit der Sammlung von regional und überregional bedeutsamen heimatkundlichen Schriften, Fotos, historisch bedeutsamen Fundgegenständen, Unterlagen über die Ortsgeschichte etc.;
  • durch die Erforschung und Dokumentation der Heimatgeschichte;
  • durch archäologische Grabungen und Untersuchungen;
  • durch die Herausgabe von Vereins eigenen heimatkundlichen, natur- und volkskundlichen Schriften;
  • durch die Durchführung heimatkundlicher Führungen und Wanderungen sowie Lichtbildervorträgen und anderen Vorträgen;
  • durch die Erschließung und die Pflege von Wanderwegen sowie Schaffung und den Unterhalt von Ruhebänken und Unterstellmöglichkeiten;
  • durch die Neuerschließung, das Anlegen und die Pflege von Biotopflächen;
  • durch die Durchführung von naturpädagogischen Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche, insbesondere mit dem Ziel der Umwelterziehung und dem Nahebringen der heimatkundlichen Geschichte durch die Durchführung von kulturellen Veranstaltungen wie Konzertveranstaltungen, Ausstellungen und Theatervorführungen;
  • durch die Pflege und Erhaltung von Kulturwelten, Bau- und Bodendenkmälern.
Service:

Glasschleif in Arnoldsreuth

Am Nordrand des Steinwaldes steht in einer Waldlichtung südlich von Arnoldsreuth (Gemeinde Pullenreuth) das Haus Glasschleife 1. Vom gleichnamigen Wandrandparkplatz aus ist es in circa 200 Meter Entfernung zu finden. Der Qualitätsweg “Fränkischer Gebirgsweg”, der von der Kellermühle beziehungsweise vom Parkplatz Harlachberg herkommt, umrundet das Anwesen im Westen und Osten. Die "Gesellschaft Steinwaldia" hat die ehemalige Glasschleife 2010 gekauft.

 

 

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