27.06.2021 - 20:52 Uhr
PüchersreuthOberpfalz

Thermik lässt Segler im Stich: Außenlandung endet im Totalschaden

Zwei Segler müssen am Sonntagnachmittag unfreiwillig auf die Oberpfälzer Erde herunter. Während bei einem Piloten die Außenlandung im Landkreis Tirschenreuth klappt, erleidet der andere Motorsegler im Landkreis Neustadt/WN Totalschaden.

Bei Eppenreuth (Landkreis Tirschenreuth) ging dieser Segler zu Boden.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Gerade zehn Tage liegt es zurück, dass am Egerer Waldhäusl bei Neualbenreuth ein Motorsegler verunglückte. Der Pilot rettete sich per Fallschirm und blieb in einer Baumkrone hängen. Umso alarmierter reagierten die Rettungskräfte am Sonntagnachmittag, als ein Notruf von der Bundesstraße 15 zwischen Eppenreuth und dem Hotel Igel (Landkreis Neustadt/WN) einging.

Spaziergänger hatten beobachtet, wie ein Segler auf einem Feld landete und dabei verunfallte. Die Ersthelfer halfen dem leicht verletzten Piloten aus der Kanzel. Er wurde mit Verdacht auf Thoraxprellung ins Klinikum Weiden gebracht. Der 48-jährige Mittelfranke war in Amberg gestartet und wollte auch dorthin wieder zurückkehren, ehe bei Püchersreuth Schluss war. Aufgrund von „Aufwindabriss“, so ein Polizeisprecher, habe sich der Mann zur Außenlandung entschieden. Das Segelflugzeug, das vor einigen Jahren einen Zeitwert von 20 000 Euro hatte, ist ein Totalschaden.

Fehlende Thermik waren auch der Grund, warum etwa zehn Kilometer Luftlinie bei Wildenreuth (Landkreis Tirschenreuth) ein weiterer Segler am Sonntagnachmittag den Boden suchte. Wie ein Sprecher der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums in Regensburg mitteilte, gelang diesem Piloten die Außenlandung auf einer Wiese einwandfrei. Der Segler parkte noch eine Weile an der Bundesstraße 22, dann wurde er von einem Spezialtransporter für Segelflugzeuge abgeholt. Der Pilot erfreut sich bester Gesundheit. „Alle zwei haben es sehr gut gemacht“, meint der Polizeibeamte: „Wir sind froh, dass nicht mehr passiert ist.“

Außenlandungen gehören zur Segelfliegerei dazu, bestätigt Gerald Bock, Flugleiter des Flugplatzes Latsch. Sie seien ein ganz normaler Vorgang, „durchaus üblich“, immer dann, wenn die Thermik fehlt: also der Aufwind, wenn warme Luft nach oben steigt. In der Regel meistern Segelflieger solche Landungen auf Feld und Wiese routiniert. Die Fluggeräte werden dann – Flügel eingeklappt – ohne viel Federlesens abgeholt.

Auf einem anderen Papier steht der Absturz eines einmotorigen Motorseglers am 17. Juni beim Egerer Waldhäusl bei Neualbenreuth. Dieser Pilot hätte einen Motor gehabt und war trotzdem nicht durchgestartet. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung hat die Ermittlungen übernommen. Eine Befragung des 59-jährigen Piloten ist laut Polizei noch nicht möglich gewesen. Er war mit dem Fallschirm aus der Maschine gesprungen und in einem Baum gelandet. Sein Flugzeug flog noch einige hundert Meter weiter. Die Bergwacht Fuchsmühl barg den Schwerverletzten mit zahlreichen Frakturen, inneren Verletzungen und einem Hängetrauma. Der 59-Jährige war um kurz nach 9 Uhr am Flugplatz Arnstadt in Thüringen gestartet, sein Ziel war der Bayerische Wald.

Diese Route – vom Thüringer Wald über das Fichtelgebirge und den Oberpfälzer Wald hinunter in den Bayerischen Wald – nennt man in Seglerkreisen auch „Rennstrecke“, sagte René Mühlmeier gegenüber Oberpfalz-Medien: „Da ist immer Thermik.“

Die warmen Winde – sie ließen innerhalb von zehn Tagen möglicherweise drei Piloten im Stich. Jürgen Meyer, Leiter der Integrierten Leitstelle in Weiden, kann sich an eine Häufung gescheiterter Außenlandungen nicht erinnern: „Das haben wir sonst übers Jahr verteilt.“

Ursache des Flugzeugabsturzes bei Neualbenreuth noch immer unklar

Tirschenreuth

Außenlandungen kommen häufiger vor

 

 

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