07.07.2020 - 15:20 Uhr
PressathOberpfalz

Trauer um einen kühlen Rechner mit herzlichem Humor

Der frühere Kreiskämmerer von Neustadt/WN, Anton Murr, starb am Montag mit 72 Jahren.

Anton Murr ist tot.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Selbst Luise Nomayo soll von ihm begeistert gewesen sein. Die wohl streitbarste Kreisrätin der Nachkriegszeit war bei vielen Beamten des Landratsamts als Antragstellerin und Gesetzesinterpretin gefürchtet. Doch Anton Murr konnte mit ihr. Und sie mit ihm. Wenn der frühere Kreiskämmerer seinen Haushaltsentwurf vorlegte, tat er das so fundiert und transparent, dass hinterher keine Fragen offen blieben. Selbst bei Nomayo nicht.

Der gebürtige Pressather, der seinem Heimatort zeitlebens treu blieb, verließ sich dabei keinesfalls auf Routine, wie ein langjähriger Weggefährte berichtet: "Er hat bei der Kalkulation immer eine Punktlandung angestrebt. Am besten so, dass hinterher noch ein bisschen was übrig blieb." Den Weg des Landkreises in Schuldenabbau bei gleichzeitig stetig steigenden Investitionen hat Murr in das passende Zahlenkorsett geschnürt.

Sein letzter Chef Simon Wittmann wollte ihn deswegen erst gehen lassen, als er selbst seinen Platz als Landrat freimachte. Murr hat verlängert, obwohl er schon hätte in Pension gehen können. Ein pflichtbewusster Beamter eben, der ein Jahr vor seinem Ausscheiden im Jahr 2014 sein 50-jähriges Jubiläum im öffentlichen Dienst feierte.

In diesen Jahrzehnten hatte er es vom mittleren über den gehobenen bis zum höheren Dienst gebracht, weil er die entsprechenden Prüfungen meisterte. Los ging alles im September 1963 als Anwärter im früheren Landratsamt Eschenbach. Über Amberg und Parsberg führte der Weg 1973 nach Neustadt.

Dem Hobby-Forstwirt war keine Aufgabe in der Verwaltung fremd, von Unterhaltsfestsetzung für nichteheliche Kinder über Wohnungsbauförderung bis zu Abfallwirtschaft und Kostenfreiheit des Schulwegs. Wer so viel Überblick hat, ist dafür geschaffen, den Landkreis als Finanzminister zu vertreten. Das tat er 37 Jahre lang zuverlässig unter den Landräten Anton Binner und Simon Wittmann. In dieser Zeit hat der Landkreis 251 Millionen Euro investiert sowie an rund 80 Kreisstraßen, 24 Schulen, Kreiskrankenhäusern und Hallenbädern gebaut.

Bei allen dafür notwendigen Etatkünsten war Murr aber einer, der im besten Sinne kollegial arbeitete, den gesunden Menschenverstand bei keiner Vorgabe ausblendete und zur rechten Zeit seinen verschmitzten Humor als wirksames Instrument einsetzte. Das schätzten auch die Kreisräte parteiübergreifend.

Erholung von Schreibtisch und Sitzungssaal suchte Murr in seinem Wald nahe Pressath. Dort war er auch gern mit Enkel Benedikt unterwegs. Ihm wird der am 31. Juli 1947 geborene Opa ebenso fehlen wie Ehefrau Lilli und den Söhnen Stefan und Thomas mit Familien. Anton Murr erlag am Montag einem schweren Krebsleiden.

Die Verabschiedung von Anton Murr aus dem Landratsamt

Anton Murrs letzte Haushaltssitzung im Kreistag

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