16.07.2021 - 16:02 Uhr
PressathOberpfalz

Stadtrat Pressath: Bürger erzürnt über Rückstau in Kanälen

Zahlreiche Bürger machen der Stadt Pressath Vorwürfe: In der Stadtratssitzung beschweren sie sich über Rückstau in den Kanälen bei Starkregen und in ihre Häuser eindringendes Wasser. Jahrzehntelang sei am Kanalnetz nichts gemacht worden.

Auf einem Grundstück in der Schillerstraße sammelt sich bei Niederschlag Regenwasser von öffentlichem Grund.
von Stefan NeidlProfil

Ungewohnt viele Zuhörer waren im Pfarrsaal zur Stadtratssitzung erschienen. Grund waren einige Starkregen-Ereignisse, die jüngst zu mehreren Überschwemmungen im Stadtgebiet geführt hatten. Ein Anwohner der Schillerstraße hatte dem Rathaus ein Bild geschickt, das zeigte, wie das Regenwasser bergabwärts von öffentlichem Grund auf sein Privatgrundstück floss. "Das darf nicht passieren", sagte Bürgermeister Bernhard Stangl (SPD) ganz klar.

Auch in der Kolpingstraße, bei der Raiffeisenbank und im Bereich des "Kiesibeach" gab es Überschwemmungen. Ursache seien Rückstauungen in den Kanälen, führte Stangl aus: "Wir haben 70 Kilometer Straße und 120 Kilometer Kanäle. So ein Kanal hält 30 bis 40 Jahre. Irgendwann muss er einmal saniert werden." Rückstauungen könnten aber jederzeit auftreten, auch bei größeren oder neueren Kanälen.

Kamera wird Abwassernetz abfahren

In der nächsten Woche soll eine Firma mit einer Kamera die prekären Stellen im Abwassernetz abfahren und den Zustand der Kanäle prüfen. Die Ergebnisse will der Bürgermeister veröffentlichen. Mit der Datenerhebung soll eine Art Katasterverzeichnis erstellt werden, um eine Priorität bei den zu sanierenden Kanälen festzulegen: "Manche sind dringend, andere haben noch Jahre Zeit." Danach könne eine Ausschreibung für die Sanierungen starten. Der Bürgermeister rechnete mit einem Start in etwa zwei Jahren.

Ihm war bekannt, dass Regenwasser selbst in Häuser kam, weshalb auch die etwa 25 Zuhörer da waren. Stangl stellte vorsorglich aber die rechtliche Lage klar: "Wir als Stadt sind verantwortlich für das öffentliche Kanalnetz. Ab der Grundstücksgrenze ist der Eigentümer selbst verantwortlich."

Die Zuhörer hatten geduldig zugehört, aber ihr Unmut hatte sich wie das Wasser aufgestaut. Immer wieder gab es Wortmeldungen, weswegen der Stadtrat ihnen zunächst vereinzelt, dann aber allgemein das Rederecht verlieh. Für sie war klar, dass das Problem an den Kanälen liegen müsse. In der Tannenhofstraße soll es bereits seit Jahren bestehen, nun aber werde die Lage durch den vielen Regen extremer. Ein Anwohner der Böttgerstraße berichtete, dass Fäkalien und Klopapier bereits wieder durch die Kanäle hochkämen.

"Die Stadt hat geschlafen"

Ein Bürger aus der Kolpingstraße hat Rückstauklappen und Drainagen an seinem Haus. Trotzdem dringe Wasser teilweise selbst bei leichtem Regen durch die Wände nach innen. "Irgendwann kann ich da nichts mehr machen", sagte er und kritisierte: "Es ist hier 20 Jahre von der Stadt geschlafen worden." Ein weiterer Betroffener dachte sarkastisch über das Aufstapeln von Sandsäcken nach.

Eine andere Pressatherin war ebenfalls schwer enttäuscht von der Stadt: "Vor 15 oder 20 Jahren ist schon versprochen worden, die Kanäle zu richten." Stattdessen sei dann noch zusätzlich die Tannenhofsiedlung an das Kanalsystem angeschlossen worden. Eine Firma habe die Leitungen auf ihrem Grund überprüft und für in Ordnung befunden, daran könne es also nicht liegen. "Die Stadt kennt das Problem seit Jahren. Warum dauert das so lange?", fragte sie.

Wasserproblem trotz Sanierung

Viele hätten ihre Häuser saniert, trotzdem komme regelmäßig Wasser hinein, wurde zudem ausgeführt. Versicherungen würden irgendwann die Verträge kündigen, wenn ständig Wasserschäden gemeldet werden, lautete ein weiterer Hinweis. Dazu komme die Sorge wegen Schimmelbildung. "Wo können Bürger denn melden, dass sie betroffen sind, damit der Kanal dort auch untersucht wird?", lautete schließlich die Frage. Der Bürgermeister bat einen der Anwohner, die Daten der anwesenden Zuhörer zu sammeln. Andere betroffene Bürger sollen sich im Rathaus melden.

Stangl konnte schließlich nur an die Bürger appellieren, auszuhalten und mit der Stadt zusammenzuarbeiten. Es gebe kein Allheilmittel für das Problem, sondern müsse individuell betrachtet werden. Die Kanäle könnten nur nach und nach gerichtet werden, für das ganze Kanalnetz der Stadt seien Jahre erforderlich.

Mehr aus dem Stadtrat Pressath

Pressath
Auch die öffentlichen Toiletten im Wasserwachtgebäude am "Kiesibeach" sind vom Rückstau in den Kanälen betroffen.
Die Kolpingstraße ist eine der Straßen in Pressath, in denen es bei Starkregen zum Rückstau aus dem Kanal kommt.

"Es ist hier 20 Jahre von der Stadt geschlafen worden."

Ein betroffener Anlieger der Kolpingstraße

"Das darf nicht passieren."

Bürgermeister Bernhard Stangl dazu, dass Regenwasser von öffentlichem Grund auf Privatgrundstücke fließt

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.