05.08.2021 - 14:22 Uhr
PressathOberpfalz

Pressath steuert auf Titel „Fair-Trade-Stadt“ zu

Den Ball ins Rollen bringen will: Das will die Steuerungsgruppe, die die Stadt Pressath für die angestrebte Aufnahme in den Kreis der "Fair-Trade"-Kommunen fit machen und die Aktivitäten zum fairen Handel vor Ort koordinieren soll.

Der "Pressather Fair-Trade-Fußball" soll die Hoffnung auf ein erfolgreiches Bewerbungsverfahren für den Titel "Fair-Trade"-Stadt symbolisieren. Im Bild (von links) Heike Heindl, Bürgermeister Bernhard Stangl, Sprecherin Gabriele Löw, Stadtpfarrer Edmund Prechtl, Silke Tanner, Richard Waldmann und Maria Lober.
von Bernhard PiegsaProfil

Keine Frage: Ein „Fair-Trade-Town“-Logo neben dem Ortsschild oder der Rathaustür macht sich gut. Doch für Bürgermeister Bernhard Stangl ist die angestrebte Aufnahme in den Kreis der bundesweit rund 750 Städte und Gemeinden, die für umwelt- und ressourcenschonende Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit im Handels- und Wirtschaftsleben Flagge zeigen, eine „Herzenssache“ und alles andere als eine wohlfeile Imagekosmetik: „Wir sollen darin nicht nur eine ‚Werbegeschichte‘ für unsere Stadt sehen, sondern darauf hinwirken, dass sich recht viele Bürger aktiv für diese Ziele einsetzen.“

Etliche Geschäfte, Gruppen und Privatpersonen machten sich schon jetzt als Anbieter oder Käufer fair gehandelter Waren für eine Weltwirtschaftsordnung stark, in der Arbeits- und Produktionsbedingungen sowie Erzeugerlöhne und -preise die Kriterien fairen und umweltorientierten Handels und Handelns erfüllten, bilanzierte Stangl in der Gründungssitzung der „Fair-Trade-Town“-Steuerungsgruppe im Dostlerhaus. Dabei gehe es nicht nur um die solidarische Unterstützung von Produzenten landwirtschaftlicher und anderer Güter in afrikanischen, lateinamerikanischen oder asiatischen Ländern: „Ebenso wichtig wie die Weckung eines ‚Eine-Welt-Bewusstseins‘ ist die Wertschätzung von Waren und Gütern aus regionaler Erzeugung.“ Nicht ohne Grund würden in vielen Kampagnen der „Fair-Trade-Kommunen“ die Begriffe „fair“ und „regional“ in einem Atemzug genannt.

In der Nordoberpfalz, so Stangl, wäre eine künftige „Fair-Trade“-Stadt Pressath in bester Gesellschaft mit Städten und Gemeinden wie Kemnath, Weiden, Waldsassen, Windischeschenbach und Bad Neualbenreuth. Mit dabei seien ferner Amberg, Bayreuth, Regensburg und die Metropolregion Nürnberg.

Einige Kriterien für einen Beitritt erfülle die Stadt schon jetzt, stellte Gabriele Löw, die Sprecherin der Steuerungsgruppe und Mitarbeiterin der Verwaltungsgemeinschaft, fest: Der Stadtrat habe sich bereits vor einem Jahr für einen Bewerbungsantrag ausgesprochen, fair gehandelte Waren hätten ihren Platz im Sortiment örtlicher Geschäfte und der von Maria Lober geleiteten „Eine-Welt-Gruppe“, auch Kirchengemeinden und Vereine unterstützten die Idee aktiv.

Intensivieren wolle man nach Löws und Bernhard Stangls Worten die Zusammenarbeit mit der Grund- und Mittelschule: So könnte sie etwa in der Schulcafeteria oder bei Festen künftig fair gehandelte Speisen und Getränke anbieten, auch könne das Thema im Unterricht aufgegriffen werden. Außerdem wolle man die Gastronomiebetriebe ermutigen, Waren aus fairer Erzeugung zu verarbeiten. Beim Bürgerfest, beim Adventsmarkt und bei anderen Veranstaltungen sowie zu Sitzungen von Kommunal- und Organisationsgremien sollten ebenfalls Waren aus fairen Sortimenten zum Konsum oder Verkauf angeboten werden.

Der meist moderate Mehrpreis der Waren mit „Fair-Trade“-Zertifizierung oder aus regionaler Erzeugung verbessere die Lebenssituation der Erzeuger entscheidend, betonte der Bürgermeister: „Fair Trade/fairer Handel bedeutet ganz plastisch, dass beispielsweise ein Bauer von seiner Milch leben kann.“ Die Zertifizierungskriterien für das Siegel stellten bestmöglich sicher, dass aus dem Verkaufserlös der Waren tatsächlich mehr Geld bei den Erzeugern ankomme: „Auch wenn wir nur ein Tropfen im Meer sind, wird etwas zum Besseren bewegt.“

Nach Stangls Einschätzung geht es den Großhandelsketten, die „Fair-Trade“- und regionale Waren in ihre Sortimente aufgenommen haben, nicht nur um einen umsatzfördernden Werbeeffekt: „Auch ein Großkonzern hat ein Gewissen, und hinter solchen Angeboten steckt durchaus auch Idealismus.“

Als Sinnbild dafür, dass „der Ball nun rollt und hoffentlich mit einem sauberen ‚eins zu null für die Fair-Trade-Stadt Pressath‘ ins Tor treffen wird“, stellte der Stadtchef den „Pressather Fair-Trade-Fußball“ vor. Dieser sei mit dem Logo der „Fair-Trade“-Kampagne und dem Namen der Stadt bedruckt und werde nach fairen Kriterien hergestellt. Einige dieser hochwertigen Bälle wolle die Stadt an die Schule und die Sportvereine verschenken. Der Ball solle aber auch zum Kauf angeboten werden.

Als Beitrag zu einem „notwendigen Bewusstseinswandel“ begrüßte Stadtrat Richard Waldmann die Initiative: „Die Gesellschaft muss aus ihrer Fixiertheit auf sich selbst herausgeführt und noch mehr als bisher sensibilisiert werden, dass wir Teil einer globalen Ordnung sind und die Probleme anderer Weltregionen auch uns unmittelbar betreffen.“

Bürgermeister Bernhard Stangl regte noch an, als Ansporn ein Siegel „Fair-Trade-Partner unserer Stadt“ an kooperierende Betriebe und Organisationen zu vergeben. Sein besonderer Dank galt Heike Heindl: „Du hast im vergangenen Jahr die Idee einer Bewerbung ins Gespräch gebracht und damit bei mir eine offene Tür eingerannt.“

Hintergrund:

Die Mitglieder der Steuerungsgruppe

  • Bereich „Städtische Verwaltung/Politik“: Gabriele Löw (Sprecherin), Bürgermeister Bernhard Stangl, Richard Waldmann (Stadtrat)
  • Bereich „Wirtschaft" (Einzelhandel, Handel, Gastronomie): Eckhard Bodner (Einzelhandel, auch Stadtrat, Vereine)
  • Bereich „Zivilgesellschaft" (Schulen, Vereine oder kirchliche Einrichtungen, Eine-Welt-Initiativen): Heike Heindl, Maria Lober, Stadtpfarrer Edmund Prechtl, Silke Tanner
  • Bereich „Lokale Presse/Wirtschaftsförderung/Stadtmarketing“: Bernhard Piegsa
  • Weitere Mitarbeiter vor allem aus den Bereichen „Wirtschaft“ und „Zivilgesellschaft“ laut Bürgermeister Bernhard Stangl stets willkommen: „Dieses Gremium ist kein starrer und geschlossener Kreis. Wer Interesse hat, mitzuarbeiten, darf und soll das tun.“ (bjp)

"Fair-Trade-Städte": Die Kampagne im Internet

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.