12.02.2021 - 16:21 Uhr
PressathOberpfalz

Lange Gesichter statt lustiger Masken: Fasching 2021 im Altlandkreis Eschenbach

Helau! Es ist Faschingswochenende; der Rosenmontag steht unmittelbar bevor. Doch von den tollen Tagen ist heuer nahezu nichts zu spüren. Der Fasching als staade Zeit: geradezu ein Super-GAU für das närrische Volk im Altlandkreis. Oder?

Mitten im närrischen Trubel ist Claudia Meier sonst immer um diese Zeit. Dass das in dieser Session nicht möglich ist, drückt der Mitorganisatorin des Hüttener Faschingszugs aufs Gemüt.
von Anita Reichenberger Kontakt Profil

Auf welchen Faschingsball geht es? Welche Krawatte wird gestutzt? Und vor allem: Welches Kostüm ist angesagt? Über diese Fragen müssen sich die Faschingsfreunde heuer keine Gedanken machen: 2021 hat tatsächlich nur vier Jahreszeiten - die fünfte muss heuer der Coronapandemie weichen.

Die einen sind tieftraurig darüber, die anderen sehen den Ausfall der Session eher pragmatisch. Eines aber ist neben großem Bedauern den Faschingsfreunden und -vereinen im westlichen Landkreis gemeinsam: Sie alle hoffen auf den Fasching 2022.

Von 100 auf 0: Claudia Meier aus Hütten hat mit ihrer Familie närrische Aktionen heuer ganz gestrichen. "Wir sind so deprimiert, dass der Fasching ausfällt, dass wir ihn komplett ausfallen lassen", erklärt sie. Selbst beim Frankenfasching im Fernsehen habe sie gleich weitergeschaltet: "In Erinnerungen schwelgen, wie es war", bedrücke nur noch mehr.

Denn: "Ich bin eigentlich ein voller Faschingsfreund", betont Meier. Vor drei Jahren hat sie den Hüttener Faschingszug wieder ins Leben gerufen und seitdem in Zusammenarbeit mit der "Concordia" auch organisiert.

Und nicht nur da war sie dann mitten im närrischen Geschehen: Mit ihren "zwei Mädels" ist die 48-Jährige normalerweise außerdem auf Faschingsveranstaltungen für Kinder unterwegs und besucht Faschingsumzüge anderer Vereine, und zwar während der gesamten fünften Jahreszeit. "Überall, wo Fasching war, waren wir dabei", erzählt sie. "Und jetzt ist halt gar nichts."

Keine Faschingsstimmung

Ihre 13-jährige Tochter, die bereits zwei Mal als Kinderprinzessin fungierte, und ihre 8-jährige Pflegetochter, die bei der Kindertanzgruppe "Tanzinis" mitwirkt, seien ebenfalls nicht in Faschingsstimmung. "Das kann man Kindern ja nicht verordnen." Wegen der Coronakrise falle bei den Mädchen auch das Feiern mit Freundinnen flach - "leider".

Claudia Meier hofft, dass das alles nächstes Jahr wieder möglich sein wird: "So kann es ja nicht weitergehen." Durch die Beschränkungen infolge der Coronapandemie fühle sie sich "so abgeschottet". Und das zehre an den Nerven. "Alles, was Spaß macht, darf nicht sein."

Auch Barbara Krauthahn vermisst den Fasching. Sie ist Schriftführerin des Pressather Faschingsvereins, und der "ist ja eigentlich ein Saisonbetrieb": Er konzentriere sich genau auf diesen Zeitraum - nur nicht 2021.

Am Sonntag vor einer Woche hätte sich in einem normalen Jahr der Faschingszug durch die Pressather Straßen geschlängelt. Genau zu der Zeit sei sie zufällig mit ihrem Mann mit dem Auto durch die Stadt gefahren: "ein blödes Gefühl", merkt Krauthahn an.

Zumindest zu Hause hat sie sich etwas in Faschingsstimmung versetzt: "Ich habe die Wohnung dekoriert mit meinen zwei Mädels" und Musik abgespielt. Und sie hat Weste und Ehrenorden des Pressather Faschingsvereins hervorgeholt: "Zumindest einmal tu ich sie raus" in dieser Session.

Der Grund: Von Mittwoch bis Freitag durften die Mädchen und Buben der Notbetreuungsgruppe des Pressather Kindergartens St. Michael verkleidet kommen - und da konnte Krauthahn als Leiterin der Einrichtung natürlich nicht unmaskiert bleiben. Ihr Motto: "Das Beste draus machen und auf nächstes Jahr freuen."

"Wir wollen nicht trotz Corona feiern, sondern ohne Corona", sagt Martin Reis, der Präsident des Pressather Faschingsvereins.

Das ist ganz im Sinn von Martin Reis, dem Präsidenten des Pressather Faschingsvereins. In einer Krisensitzung sei überlegt worden, "was und wie wir machen könnten", informiert er. Am Ende habe man sich "aus sozialer Verantwortung" aber gegen jegliche Faschingsaktivität entschieden.

"In einer Krisensituation"

Denn "manchen Menschen geht es in Coronazeiten wirklich schlecht", betont Reis: Die einen seien selbst erkrankt und haben noch mit den Folgen der Infektion zu kämpfen, andere haben Verwandte verloren. Dem wolle der Verein gerecht werden: "Wir wollen nicht das falsche Bild vermitteln und gute Laune verbreiten, obwohl wir uns in einer Krisensituation befinden", erläutert der 27-Jährige. Außerdem wolle man Mitmenschen nicht durchs Feiern gefährden: "Aktuell ist halt alles etwas anders als sonst." Auch Reis setzt seine Hoffnung auf 2022: "Wir wollen nicht trotz Corona feiern, sondern ohne Corona feiern", macht er deutlich.

Stressigste Zeit im Jahr

Diese Session nutzt er deshalb zum Durchschnaufen: Denn für ihn als Präsidenten sei der Fasching normalerweise die stressigste Zeit im Jahr. Was ihm derzeit allerdings fehle, sei, "dass man sich trifft und dass man zu Veranstaltungen geht". Und die gibt es im Fasching ja eigentlich in Hülle und Fülle.

Der Frankenfasching im Fernsehen, den der junge Mann angeschaut hat, kann dafür bei Weitem kein Ersatz sein. Das gilt erst recht für seine Partnerin, die Trainerin der Jugendgarde ist: "Sie lebt den Fasching durch und durch."

„Fastenacht gehört zu mir wie mein Name an der Tür“, hat Elisabeth Eißner in ihrer Büttenrede zum Weiberfasching 2021 gereimt. Aber auch die Eschenbacher Faschingsgesellschaft ist heuer in närrischer Zwangspause.

Das tut auch Elisabeth Eißner. Der bisherige Höhepunkt der Karnevalskarriere der Eschenbacherin war es, als sie vor drei Jahren - ihr Sohn Paul fungierte als Standartenträger der 1. Mainzer Frauengarde "Die Gardinen" - beim Rosenmontagszug in Mainz mitgehen durfte und "das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht" bekam. Deshalb ist es für die Akteurin der Eschenbacher Faschingsgesellschaft (EFG) heuer "schon ein großes Kontrastprogramm", macht sie deutlich. Aber die Ärztliche Direktorin der Region Nord/West bei der Kliniken Nordoberpfalz AG ist auch "fest davon überzeugt, dass es nur diesen Weg gibt".

Der Verein habe deshalb schon vor Monaten "ganz früh und schnell entschieden, die großen Veranstaltungen abzusagen". Damit sei unter anderem den Garden Rechnung getragen worden, erklärt Eißner. Denn für die Tänzerinnen "ist es frustrierend, wenn sie etwas einstudieren und dann nicht aufführen können".

Ein Fasching "mit angezogener Handbremse" sei dabei keine Option: "Für mich ist klar: Etwas Fastnacht, das ist es dann auch nicht", sagt sie beispielsweise mit Blick auf Abstandsregeln. "Auf Teufel komm raus" müsse man nicht feiern.

"Rheinisches Mädchen"

Das hält sie auch privat so - wobei Donnerstag und Freitag eine kleine Ausnahme gebildet haben: "Für so ein rheinisches Mädchen geht es nicht ganz ohne." Mit den "Ladykrachern" der EFG tritt Eißner sonst immer beim Weiberfasching in Kirchenthumbach auf, weshalb sie für die dortige Interessengemeinschaft Faschingszug (deren Präsident war für ein Gespräch leider nicht zu erreichen, Anm. der Red.) und Radio Dumba eine Büttenrede geschrieben hat.

Karnevalslieder im Auto

Und am Freitagabend saß die ganze Familie - wie schon bei "Fastnacht in Franken" - bei "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" vor dem Fernseher. Um "stilvoll feiern zu können" hatte sich Eißner - "Ich bin eindeutig der größte Jeck in der Familie" - dafür ein "Sitzungspaket" bestellt, bestehend aus "Weck', Worscht und Woi" sowie CD und Luftschlangen. Ansonsten findet Fasching für sie nur im Auto statt: Auf dem Weg in die Arbeit und zurück hört sie Karnevalslieder - und singt dabei natürlich mit.

"Weck, Worscht und Woi" sowie Luftschlangen und eine CD enthält die Sitzungskiste, die sich Elisabeth Eißner zur TV-Sendung "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" bestellt hat.

Das war's für heuer mit dem närrischen Geschehen: "Die nächsten Tage ist dann wieder der Ernst des Lebens angesagt." Fasching könne man auch "in der Fantasie feiern", betont die Eschenbacherin, wenn auch "mit Tränen in den Augen": "Es gibt so viele wunderbare Erinnerungen." Und schließlich habe sie "Hoffnung für den Fasching 2022", erklärt Eißner: "Ich bin durchaus optimistisch, dass wir das mit den Impfungen und der Einhaltung der Regeln schaffen."

Mehr zum Fasching 2021 im Vierstädtedreieck

Kirchenthumbach
Hintergrund:

Der neue Faschingsverein Hütten-Grafenwöhr

  • Im Sommer hat Claudia Meier mit Mitstreitern die Weichen für den nächsten Hüttener Faschingszug gestellt: Am 7. Juli 2020 gründeten sie den Faschingsverein Hütten-Grafenwöhr. Dieser wurde kürzlich ins Vereinsregister eingetragen.
  • Meier fungiert als Kassiererin, Vorsitzender ist Josef Wald aus Amberg, Vizechef Christian Biersack aus Grafenwöhr.
  • Wenn die Corona-Beschränkungen vorbei sind, wollen sie den neuen Verein vorstellen. Aktuell seien ja keine Treffen möglich, merkt Meier an.
  • Für den Sommer sei ein Oldtimer-Bulldogtreffen geplant. Auch dies hänge wegen Corona in der Luft. „Dass es so schlimm kommt, dass es so lange geht, habe ich nicht gedacht." (rca)

 

 

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