09.07.2020 - 12:54 Uhr
PressathOberpfalz

Krise mit „Kunststücken“ bewältigt

Das Coronavirus hat dem "Musikschulvereins Vierstädtedreieck" viel abverlangt. Die Krise zeigt aber auch, das die Schule organisatorisch und finanziell gut aufgestellt ist.

Werner Walberer (rechts) gibt auch sein Amt als Musikschulvereinsvorsitzender an seinen Nachfolger im Pressather Bürgermeisteramt Bernhard Stangl (links) ab. Stellvertreter ist der Eschenbacher Stadtchef Marcus Gradl (Zweiter von rechts). Zweiter von links: Musikschulleiter Joachim Steppert.
von Bernhard PiegsaProfil

„Unsere Musikschule hat sich einen ausgezeichneten Ruf erworben, und deshalb ist jeder Euro gut angelegt, den die Mitgliedskommunen hier investieren.“ Als Erfolgsgeschichte wertete der scheidende Vorsitzende des "Musikschulvereins Vierstädtedreieck" Werner Walberer in der Mitgliederversammlung die Entwicklung der vor bald 50 Jahren gegründeten Einrichtung. Dass die Schule organisatorisch und finanziell auf gefestigtem Grund steht, zeigt sich in der momentanen Krisenzeit, in der sie trotz Unterrichtseinschränkungen und Veranstaltungsabsagen den langen Atem gehalten hat.

Dennoch habe man seit dem Shutdown vom 16. März manches „Kunststück“ vollbringen müssen, berichtete Schulleiter Joachim Steppert. Immerhin sei es um nicht weniger gegangen als darum, „diese Corona-Wochen ohne Gehaltseinbußen der Lehrkräfte und ohne nennenswert höhere Kosten für den Träger zu bestehen“ – ein Balanceakt, der „uns bisher gelungen“ sei. Komplett stillgelegt habe man den Unterrichtsbetrieb nur in den ersten beiden Wochen nach der Shutdown-Verfügung, um anschließend das „Experiment“ des Online-Unterrichts zu wagen: „Fast alle Lehrkräfte haben sich darauf eingelassen.“

Musikschule plant schon für Jubiläum

Pressath

Für die tschechischen Lehrkräfte sei das Internet zeitweilig sogar der einzig gangbare Unterrichtsweg gewesen: „Sie hätten vielleicht nach Deutschland einreisen, dann aber nicht in ihre Heimat zurückkehren können.“ Im Schulgebäude finde seit 11. Mai wieder Einzelunterricht unter besonderen Hygienevorkehrungen statt. Einschneidender seien die Restriktionen beim Gruppen- und Ensembleunterricht gewesen. Hierdurch entstandene Einkommensausfälle habe man durch Beantragung von Kurzarbeitergeld und Zuschüsse des Trägers ausgeglichen. Erst seit 22. Juni gälten zumindest für den Chorunterricht wieder Lockerungen. Die Schulentgelte für die zweiwöchige vollständige „Zwangspause“ im März müssten den Familien der Schüler zwar erstattet werden, jedoch hoffe man auf eine Kompensation aus Soforthilfemitteln.

Alles in allem hätten die coronabedingten Improvisationen zwar einen hohen Organisationsaufwand abverlangt, aber auch einen „Innovationsschub“ und eine Solidarisierung von Lehrkräften, Schülern und Eltern bewirkt, bilanzierte Steppert: „Der Fernunterricht per Internet könnte sich auch in ‚normalen‘ Zeiten als Option für außergewöhnliche Situationen anbieten, etwa bei winterlichen Blitzeis-Extremwetterlagen.“ In seinem Jahresbericht ging der Schulleiter außerdem auf die Charakteristika ein, die eine Musikschule von „anderen ähnlichen Angeboten“ unterscheide: „‚Musikschule‘ ist ein gesetzlich definierter und geschützter Begriff, den eine Einrichtung nur führen darf, wenn sie musikpädagogisches Fachpersonal, in der Regel mit Hochschulausbildung, beschäftigt und in allen Fachbereichen kontinuierlichen Unterricht von der Elementarstufe bis zur Studienvorbereitung anbietet.“

Die Musikschule diene der im Landesentwicklungsprogramm erhobenen Forderung nach einer „flächendeckenden und bedarfsgerechten“, zur „Schaffung und Erhaltung von Chancengleichheit und gleichwertigen Lebensbedingungen“ beitragenden Versorgung mit Musikunterricht, betonte Steppert: „Die beteiligten Gemeinden haben hierfür eine zukunftsweisende Lösung gefunden, die jetzt sogar durch Fördermittel aus dem Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzept gewürdigt wird.“ An der Finanzierung der Musikschule beteiligten sich die Schülerfamilien zurzeit mit knapp 60, die Kommunen mit knapp 30 und der Freistaat mit gut zehn Prozent.

Info:

Mehr Gewicht für Eschenbach

2013 schloss sich die „Pfarr-Sing-Musikschule Eschenbach“ mit der damals noch für den Raum Pressath/Grafenwöhr zuständigen „Musikschule VierStädtedreieck“ zusammen. Fortan stellte die einstige Kreisstadt kontinuierlich das größte Schülerquorum aller Gemeinden des westlichen Kreises Neustadt. Deshalb mischte die Mitgliederversammlung des Musikschulvereins die Karten neu: Zwar soll der Pressather Bürgermeister traditionsgemäß auch weiterhin den Vorsitz übernehmen, das Amt des „Vize“ soll allerdings nicht mehr an den Grafenwöhrer, sondern an den Eschenbacher Rathauschef gehen.

„Dieses Vorgehen haben wir mit dem Grafenwöhrer Bürgermeister Edgar Knobloch abgesprochen“, informierte der scheidende Vorsitzende Werner Walberer. Die Versammlung billigte die vorgeschlagene Ämterverteilung, bestätigte allerdings vorerst nur die kommissarische Übertragung der Leitungsaufgaben an Pressaths Stadtchef Bernhard Stangl und seinen Eschenbacher Kollegen Marcus Gradl. Die förmliche endgültige Wahl wird bei der nächsten Mitgliederversammlung im Herbst vollzogen, wenn die aufgrund „coronabedingter“ organisatorischer Verzögerungen noch nicht fertiggestellten Kassenberichte vorliegen und die alte Vorstandschaft entlastet werden kann. (bjp)

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