27.03.2020 - 08:58 Uhr
PressathOberpfalz

Eine Heldin des Coronavirus-Alltags

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Ins Homeoffice kann sie in Zeiten des Coronavirus nicht einfach gehen, denn Bernadette Gmelch arbeitet in der ambulanten Pflege. Täglich fährt sie zu alten Menschen, um ihnen im Alltag behilflich zu sein. Ein Job, direkt an der Virus-Front.

Bernadette Gmelch arbeitet als Altenpflegefachkraft beim BRK-Kreisverband Weiden und Neustadt/WN. Sie macht sich um ihre Patienten, meist alte Menschen, große Sorgen.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Jeden Tag tritt Bernadette Gmelch vor ihre Haustür in Pressath, steigt ins Auto und fährt zu ihren Patienten. Den Job als Altenpflegefachkraft des BRK-Kreisverbands Weiden und Neustadt/WN kann sie nicht von daheim aus ausüben. Sie muss raus - trotz des Coronavirus. Dabei macht sich die 23-Jährige weniger um sich selbst Sorgen, dafür aber umso mehr um ihre bis zu 20 Patienten, die sie täglich betreut und dadurch sehr lieb gewonnen hat. Darunter sind viele alte Menschen, 97-Jährige, 80-Jährige. Menschen, die zur Risikogruppe zählen. "Ich habe Patienten auch schon angeboten, dass ich für sie einkaufe, damit sie nicht mehr raus müssen", erzählt Gmelch. Schrecklich ist für die 23-Jährige besonders, wenn sie hört, dass ihre Patienten manche Produkte, die sie brauchen, im Supermarkt nicht mehr bekommen, weil sich andere Käufer massenweise damit eingedeckt haben. "Es gibt viele Ich-Menschen", regt sie sich auf. Wie es anderen ergehe, sei vielen Menschen egal.

Um die Hilfsbedürftigen, zu denen sie täglich bis nach Vorbach, Schlammersdorf und Neustadt am Kulm fährt, vor einer Infektion mit dem Virus zu schützen, trägt die Pflegerin bei der Arbeit immer Handschuhe und Mundschutz. Außerdem sei es Pflicht, die Hände bei jedem Besuch zu desinfizieren oder mit Seife zu waschen. Manchmal dürfe sie kurz das Bad des Patienten nutzen, erzählt Gmelch. Doch das macht sie nur ungern, sie will so wenig wie möglich anfassen. In der BRK-Station in Neustadt am Kulm gebe es aber ein Waschbecken, das sie jederzeit nutzen könne.

"Ich bin froh, dass ich diesen Job gewählt habe, ich kann Leuten helfen", sagt die Pressatherin. "Wenn Patienten dich an der Hand nehmen und sich bedanken, das ist schön." Auch von den Angehörigen höre sie momentan häufiger: "Danke, dass ihr da seid." Die 23-Jährige freut sich darüber, dass der Pflegeberuf durch das Coronavirus nun eine große Wertschätzung erfahre, und hofft, dass sich diese nicht so schnell wieder verflüchtigt. "Es ist gut, dass man erkannt hat, dass ohne Pflegekräfte nichts geht."

Kein Verständnis hat Gmelch für die, die unbelehrbar bleiben: "Wenn jeder weiterhin stur bleibt und eine kleine Party schmeißen muss, finde ich das sehr egoistisch." Dass dann auch irgendwann einige Pflegekräfte mit dem Virus infiziert sein könnten und in Quarantäne bleiben müssten, davor fürchtet sich Gmelch. "Dann musst du noch mehr durchrödeln. Gerade wenn man mit Menschen zusammenarbeitet, muss man immer 100 Prozent geben", weiß sie. Damit es so aber erst gar nicht so weit kommt, appelliert sie an den Zusammenhalt und die Vernunft der Menschen und hofft, dass möglichst viele daheim bleiben und sich und andere schützen.

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