22.11.2019 - 14:25 Uhr
PressathOberpfalz

Zu Gestein gewordene Geschichte

Der Keller von Armin Bauer ist eine Schleuse in die erdgeschichtliche Vergangenheit. Uralte Gesteine stapeln sich dort in den Regalen. Die einen funkeln, in anderen sind Tiere und Pflanzen zu Stein erstarrt. Jeder Fund ist ein Schatz.

von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Wie ein kleines Museum hat Armin Bauer seinen Keller eingerichtet. Der Pressather sammelt Fossilien und Mineralien - genau wie Martin Füßl aus Parkstein. Beide sind Mitglied in der Bezirksgruppe Weiden der Vereinigung der Freunde der Mineralogie und Geologie und begeistert von den steinernen Zeitzeugen aus der Vergangenheit. In den Regalen von Bauer, die durch die beleuchtete Glasfront wie Vitrinen wirken, glitzern Bergkristall, Flußspat und viele andere Mineralien, die er entweder selbst gefunden oder für seine Sammlung gekauft hat. In den Regalen rechts daneben liegen ebenso dicht gedrängt die Fossilien. Ammoniten - deren Gehäuse an Schnecken erinnern -, Pflanzenreste, Muscheln und Teile eines Ichthyosauriers wölben sich aus den alten Gesteinsbrocken. Viele dieser Versteinerungen hat Bauer in der Region gefunden. Ein Baumstamm-Fossil stammt beispielsweise aus einem Waldstück bei Pfaffenreuth in der Nähe von Pressath. Versteinerte Pflanzenreste hat er auch bei der Felsmühle in Grafenwöhr entdeckt.

Ein Mineral, nämlich Chalcedon, fand er außerdem in einem Sandstein bei Altendorf - in drei Meter Tiefe. "Ich bin vorbeigefahren und habe gesehen, dass dort eine Güllegrube ausgehoben wird", erzählt der 48-Jährige. In dem Erdloch habe er Sandstein erkannt und Chalcedon vermutet. "Wenn wir Sammler ein Loch sehen, dann müssen wir anhalten", sagt Bauer. Gedacht, getan. Für solche Fälle hat der Pressather auch immer Werkzeug im Kofferraum: Meißel, Fäustel, Schaufel, Pickel.

Zu Hause schnitt er den Stein aus dem Bauloch an und war begeistert: Darin befand sich tatsächlich Chalcedon - knapp 200 Millionen Jahre alt. "Ich kenne niemanden, der so etwas aus Pressath hat", sagt Bauer ein wenig stolz. "Das macht das Hobby auch so spannend. Denn jedes Stück, das man findet, hat noch nie jemand vorher gesehen." Sein Sammlerkollege Martin Füßl nickt. "Das hat etwas von kindlichem Entdecken", schwärmt der 56-jährige Parksteiner.

Die Sammler gehen immer gezielt auf die Suche. Sie haben ihre Plätze, und wissen auch, welche Gesteine von den Gegebenheiten her dort zu finden sein müssten. "Es ist wie beim Schwammerlsuchen", beschreibt Füßl. Birkenpilze seien schließlich auch in der Nähe von Birken zu finden. "Es gibt sensible Fundstellen, die verrät man nicht", erzählt er weiter. Denn die kostbaren Gesteine würden eben leider nicht wie die Schwammerl nachwachsen.

Haben die Sammler einen Stein gefunden, in dem sich ein Mineral oder eine Versteinerung verbirgt, geht die Arbeit erst richtig los.

Oft spitzen nur Teile der versteinerten Tiere aus dem Brocken hervor. Geduld und Fingerspitzengefühl sind da angesagt. Zunächst wird der Stein abgewaschen und gebürstet. Dann kommt ein Druckluftstichel zum Einsatz, oder Sandstrahl. "Man kann nicht jede Methode bei jedem Gestein anwenden."

Um dann beispielsweise das versteinerte Gehäuse eines Ammoniten freilegen zu können, muss Bauer über die Anatomie der Tiere genau Bescheid wissen. Mit seinen Werkzeugen kann er so die Versteinerung vorsichtig aus dem Stein herausarbeiten. Stück für Stück. "Man muss wissen, wann der nächste Knubbel kommt und aufpassen, dass nichts kaputt geht", sagt er und zeigt auf ein Exemplar, das er noch nicht präpariert hat. Auf dem Stein sind leichte Wellen zu erkennen. Ein Laie hätte darin kein Fossil erkannt, Bauer schon. "Das ist ein Ammonit", erklärt er. Der größte Teil des Gehäuses muss aber erst noch aus dem Stein "geholt" werden. Das ist zeitaufwendig. Bei dem Ichthyosaurier, den der 48-Jährige aus Dotternhausen in Schwaben hat, dauerte die Präparation 130 Stunden, erzählt er.

Damit der Pressather später noch weiß, wo er seine präparierten Sammlerstücke gefunden hat, werden sie beschriftet. Name des Minerals oder Fossils, Fundort, Gesteinsschicht und Zeitalter sind auf einem kleinen weißen Aufkleber auf der Unterseite vermerkt. "Ich hab einfach so viele. Tausende", sagt er und sieht sich in seinem Keller um. Das Ergebnis, das er in 40 Jahren erreicht hat, ist beachtlich. "Ein Banknachbar in der Schule hat mich zum Sammeln gebracht", erinnert sich der 48-Jährige. Bei Füßl war das ähnlich. Mit circa zehn Jahren habe er sich das erste Mal für Gesteine wie Quarz interessiert. "Ein Schulkamerad kannte dann glatt drei Gesteine mehr als ich", beschreibt der 56-Jährige seinen damaligen Ansporn. "Es war ein großes Abenteuer, mit dem Rad die Steinbrüche abzuklappern." Später wollte Füßl auch mehr über die wissenschaftliche Seite der Gesteine wissen. "Man bekommt Einblicke in die Erdgeschichte", ist er nach wie vor fasziniert. Der Parksteiner hat sich in seiner Sammlung vor allem auf Mineralien spezialisiert. Zu seinem Fundus zählen Flußspate, aber auch Gold, das er an der Pressather Haidenaab gefunden hat - 1,5 Millimeter groß. "Also reich wird man hier als Goldwäscher nicht", scherzt er. Sein Sammlerherz freut sich trotzdem darüber.

Info:

Wie entstehen Fossilien und Minerale?

Armin Bauer freut sich, wenn er neue Versteinerungen entdeckt. Damit diese überhaupt entstehen konnten, waren bestimmte Voraussetzungen nötig: Tote Wassertiere, oder auch Landtiere, die irrtümlich ins Wasser gelangten, sanken auf den Meeresboden ab, und nach und nach lagerten sich noch Sand und Schlick auf den Tieren ab, erklärt er. Während die Weichteile der Tiere verrotteten, blieben Panzer, Schuppen, Knochen und Zähne erhalten. "Durch den Druck verfestigte sich alles und wurde zum Gestein. Umso sauerstoffärmer das Bodenniveau, umso besser blieb es erhalten."

Mineralien entstehen anders. Der Flußspat beispielsweise bildet sich durch heiße Lösungen, die aus dem Erdinneren aufsteigen, weiß Sammlerkollege Martin Füßl. Die Lösungen enthalten Calciumfluorid. "Kühlt die Lösung ab, kristallisiert sie in einem Spalt. Man muss sich das vorstellen wie bei einem Wasserrohr, das verkalkt." Flußspat bildet Kristalle in Form von Würfeln oder Oktaedern, Bergkristall Spitzen, hebt er den Unterschied hervor. Es gebe aber auch Gesteine, die zuerst von einer Flußspat-Lösung überzogen wurden, danach von einer Bergkristall-Lösung, oder einer Quarz-Lösung. Möglich sei in der Natur einiges.

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.