22.10.2021 - 14:23 Uhr
PressathOberpfalz

700 Seiten Chronik der Familie Dippel in Pressath

Geschichtsforschung in einer weit verzweigten Familie kann stattliche Ausmaße annehmen. Harald Dippel hat diese Erfahrung gemacht. Über den nunmehr zweiten Band der Familienchronik freuen sich nicht nur die Dippels.

Barbara Zankl, Leiterin des Pressather Heimatmuseums (links), und Elisabeth Murr vom Heimatpflegebund Pressath blättern in den neuen Kapiteln der Dippel-Chronik.
von Autor ISProfil

Der Name Dippel sowie die Schicksale der damit verbundenen Familien Dippel, Dippl, von Dippel oder auch Düppel finden sich in der Historie Pressaths seit über etwa 350 Jahren. Mit der langen Geschichte des Namens in der Haidenaabstadt hat sich der im Jahr 1944 geborene Pressather Harald Georg Dippel ausgiebig befasst. In jahrelangen Recherchen erstellte er eine Chronik der Familie und legte bereits 2012 einen ersten Band vor.

In den Jahren seither hat sich Harald Dippel weiter in die Familiengeschichte vertieft und nun einen zweiten Band vorgestellt. Dies geschah im Rahmen eines Familientreffens, zu dem rund 50 Teilnehmer nach Altendorf gekommen waren. Jüngster war der sechs Wochen alte Paul Stretz, der von Mama Lena und den Urgroßeltern Hans und Antonia Dippel begleitet und behütet wurde. Als ältesten Gast hieß Ferdinand Dippel den 84-jährigen Egon von Dippel, der seit geraumer Zeit in Pressath wohnt, willkommen.

Zweieinhalb Kilo schwer

Harald Dippel erinnerte an Menschen, die einst am ersten Band mitgewirkt hatten und nun nicht mehr dabei sein konnten. Namentlich erwähnte er unter anderem Richard Dilling, Ingrid Wittmann und Stadtpfarrer Ludwig Bock. Mit dem Hinweis, dass das Gesamtwerk der Familienchronik auf mittlerweile gut 700 Seiten angewachsen ist und ein Gewicht von 2400 Gramm aufweist, ging der Redner auf sein Motiv für die Erstellung des Werkes ein. Die Grundlage habe sein Großvater Schneidermeister Gottfried Dippel gelegt, der in den 1950er Jahren in der Schneiderstube gerne von der Familiengeschichte erzählt und dabei betonte habe, dass ein „Oberscht“ aus der Familie stamme und ein anderer ein „ganz hohes Vieh“ gewesen und erblich geadelt worden sei.

„Dies war ein starker Tobak für mich und das hat in der schwierigen Zeit nach dem zweiten Weltkrieg mein Selbstbewusstsein gestärkt“, erzählte der Autor. Zu seinem Opa habe er damals gesagt: „Ich werde selbst ein Oberscht.“

Schätze aus Schubladen

Die Schubladen des Zuschneidetisches in der Werkstatt erwiesen sich als Goldgrube. Notarverträge, Wehrpässe vom Großvater und Urgroßvater und verschiedene Formulare für den „Ariernachweis“ kamen zum Vorschein und weckten Neugier, erinnerte sich der Redner.

Die Unterlagen gingen zurück bis ins Jahr 1734, in dem ein Johannes Dippel eine Katharina Wiedenhöfer geheiratet hatte. „Da wurde dem kleinen Harald klar, wo der Hausname „Wiederer“ für einen Teil der Dippel herkommt“ erläuterte der Vortragende. „Die emotionale Bindung an Pressath und die Menschen meiner Kindheit haben mich bewogen, Familienforschung zu betreiben. Damit habe ich ein Stück Heimat ins Rheinland geholt, wo ich jetzt lebe“, unterstrich Harald Dippel. Für ihn selbst habe auch der Aspekt eine große Rolle gespielt, durch das Schreiben der Familienchronik in allen Linien und Zweigen der Familie das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu stärken.

Familienleben nach dem Krieg

Im nun vorliegenden Band II der Chronik liegt das Hauptaugenmerk auf der Schilderung der Zustände nach dem Zweiten Weltkrieg anhand konkreter Personen. „Manches wurde damals anders erlebt als es heute in Geschichtsbüchern dargestellt oder verschwiegen wird,“ sagte Dippel. Der Band beschreibe unter anderem den Kampf um das tägliche Brot in einer schwierigen Zeit, resümierte der Redner.

Dippel kam zu dem Fazit, dass die jüngere Generation sich die Zeit vor dem Wirtschaftswunder kaum vorstellen könne. Der Wohlstand sei nicht von selbst gekommen, vielmehr von den älteren Generationen erarbeitet worden. „Wenn die Botschaft, dass auch die nachwachsenden Generationen ihre Pflichten für neue Generationen erfüllen müssen, auf fruchtbaren Boden fällt, haben sich die Mühen bei der Entstehung der Familienchronik gelohnt“, zeigte sich Harald Dippel überzeugt.

Beitrag für das Museum

Einer der Höhepunkte des Treffens des „Familienclans“ in Altendorf war die feierliche Übergabe der Familienchronik an das Heimatmuseum Pressath. Harald Dippel betonte bei der Überreichung an Barbara Zankl vom Heimatpflegebund, dass er zwar der Verfasser des Werkes sei, aber viele am Werk mitgearbeitet hätten. Für den Band II hätten 20 Zweige der Familie Beiträge geschrieben, wofür er sich bedankte.

Barbara Zankl, die Dippel als „historisches Gedächtnis der Stadt Pressath“ bezeichnete, freute sich über das Geschenk an den Heimatpflegebund. Sie unterstrich, dass die Familienchronik der Dippel ein wertvoller Beitrag für das Heimatmuseum darstelle.

Das Geheimnis eines Apothekerfläschchens

Pressath
Viele Angehörige tauschen beim Familientreffen der Dippel in Altendorf Geschichten aus.
Barbara Zankl vom Heimatmuseum freut sich über die Familienchronik, die sie von Harald Dippel überreicht bekommt.
Die Chronik trägt auf der Titelseite die verschiedenen Namensvarianten.

 

 

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