Nach Corona Ferienwohnungen im Kreis Tirschenreuth gefragt wie selten zuvor

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Viele hatten Sorgen, dass die vielen Corona-Infektionen der Region touristisch schaden könnten. Weit gefehlt. Die Urlauber kommen in Scharen.

Franziska und ChristianSchedl mit ihrem Sohn Sebastian (rechts) bieten familiären Urlaub auf dem "Gowerlhof". Hier sind sie mit der Familie Thonig aus Goslar bei ihren Ziegen.
von Konrad RosnerProfil

"Die Gäste wählen verstärkt Unterkünfte aus, in denen sie sich selbst versorgen können und nicht auf Gemeinschaftsräume angewiesen sind", berichtet Tourismusreferentin Stephanie Wenisch vom Landratsamt. Hier gebe es derzeit viele volle Häuser. Trotzdem wird für die meisten Anbieter das Jahr schwierig bleiben. Zu groß sind die Verluste, die der Lockdown mit sich gebracht hat. Von Mitte März bis Ende Mai waren die Beherbergungsbetriebe geschlossen. Das lässt sich nicht mehr aufholen.

Kein Ostergeschäft

Vor allem der Wegfall des Ostergeschäfts hat viele Betriebe schwer getroffen. "In den Plus-Bereich werden wir dieses Jahr wegen Corona definitiv nicht mehr kommen", bedauert Wenisch. Besonders ärgerlich sei dies, weil das Jahr 2020 hervorragend angelaufen sei. Im Januar gab es bei den Übernachtungen ein Plus von 13,3 Prozent, im Februar gar ein Plus von 18,4 Prozent. Wenisch: "Das war der absolute Wahnsinn." Nach der Verleihung des Bädertitels hätte 2020 vor allem das Jahr von Bad Neualbenreuth werden können.

Doch dann kam der Virus. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres sanken die Übernachtungszahlen im Landkreis im Vergleich zum Vorjahr um 40,2 Prozent. Die Zahl der Ankünfte gingen im Landkreis um 49,2 Prozent zurück, im gesamten Oberpfälzer Wald sanken diese um 50,0 Prozent.

Hier ist eine wunderschöne Region, wir wollen im nächsten Jahr wiederkommen. Wir genießen hier die Ruhe.

Kerstin und Peter Brockhoff aus Bochum

Hotels tun sich schwer

Seit der Wiedereröffnung der Betriebe am 30. Mai haben viele Vermieter alle Hände voll zu tun. Vor allem autarke Wohneinheiten wie Ferienwohnungen und Camping laufen sehr gut. "Die Hotels tun sich hier deutlich schwerer", weiß Wenisch, wohl auch weil die Geschäftsreisen eingebrochen seien. In Hotels und Gasthöfen ist es zudem oft schwierig, die Hygienevorschriften umzusetzen und einzuhalten. So wird das Appartement-Hotel Sibyllenbad in diesem Jahr gar nicht öffnen. Auch das Steinwaldhaus in Pfaben ist nach wie vor geschlossen.

Doch auch für die Anbieter von Ferienwohnungen und von Urlaub auf dem Bauernhof bleibt es trotz der vollen Betten ein schwieriges Jahr. Wenisch: "Mehr als voll geht halt nicht, man kann ein Bett ja nicht doppelt belegen." Wie viel vom Minus am Ende bleibt, werde sich im Herbst entscheiden. Eine starke Nachsaison würden den Betrieben sehr helfen. Deshalb arbeite man mit intensiven Marketingmaßnahmen auf allen Kanälen. Die noch nie dagewesene Anzahl an Prospektanfragen sowie das Presseinteresse an der Region zeige, dass der Oberpfälzer Wald, zu dem der Landkreis Tirschenreuth mit gehört, das Zeug dazu habe, vom Trend des Deutschland-Tourismus' zu profitieren. "Ganz besonders groß ist das Interesse am neuen Projekt Oberpfälzer Radl-Welt", urteilt Wenisch.

"Wenn nicht noch ein zweiter Lockdown kommt, könnten wir mit einem blauen Auge davonkommen", sagt Claudia Fuhrmann, die mit ihrem Ehemann Günter den Heindlhof in Poxdorf leitet. Die Fuhrmanns bieten sieben Ferienwohnungen und fünf Doppelzimmer an. Bis Ende August sind alle ausgebucht. In diesem Jahr haben sich sogar Familien aus Dänemark eingemietet, die besonders vom Salzwasserpool begeistert sind. Claudia Fuhrmann: "Wir hätten im August unsere Zimmer dreifach belegen können, aber das geht leider nicht."

Nur eine Familie darf in den Pool

Claudia und Günter Fuhrmann versichern, dass peinlich genau auf die Einhaltung des Hygienekonzepts geachtet werde. Ohne Abstand und Nase-Mund-Schutz geht nach Auskunft der Betreiber im Heindlhofnichts. So darf beispielsweise immer nur eine Familie in den Pool. Kerstin und Peter Brockhoff aus Bochum sind trotzdem begeistert. Sie sind zum ersten Male auf dem Hof, den sie im Internet entdeckt haben: "Hier ist eine wunderschöne Region, wir wollen im nächsten Jahr wiederkommen. Wir genießen hier die Ruhe."

Auch der Gowerlhof in Rothenbürg, den Franziska und Christian Schedl vor drei Jahren von ihren Eltern Elisabeth und Josef Zeitler übernommen haben, ist ausgebucht. Alle fünf Ferienhäuser und die vier Wohnungen sind belegt. Franziska Schedl freut sich, dass bei den Stornierungen zu Ostern viele gleich für nächstes Jahr gebucht hätten. Sie hat vor allem Gäste aus Baden-Württemberg, Bayern und den neuen Bundesländern. Der Betrieb laufe aktuell wieder einigermaßen normal. Allerdings habe man einige Einschränkungen machen müssen. So gebe es derzeit kein Frühstücksbüfett, das Essen werde an den Tisch gebracht. Den Lockdown haben die Schedls gut verkraftet, auch weil tschechische Arbeitnehmer, die während der Coronakrise in Deutschland geblieben waren, bei ihnen mehrere Wochen übernachtet hatten.

Zum ersten Male sind die Thonigs aus Goslar in Rothenbürg. Jessica und Stefan Thonig erzählen: "Normalerweise fahren wir jedes Jahr an die Ostsee." Wegen der drei kleinen Kinder Bjarne, Nele und Nils suchten sie diesmal was anderes. Sie wurden über das Internet auf den Hof aufmerksam. Und sind trotz der Auflagen begeistert von ihrem Urlaub: "Weil hier alles so familiär abläuft." Dies sagen auch Lisa und Peter Deutschmann aus München, die mit ihrer 21-jährigen Tochter Marie nicht zum ersten Male hier sind. Lisa: "Ich bin in Tirschenreuth aufgewachsen, deshalb zieht es mich und meine Familie jedes Jahr für mindestens eine Woche hierher."Vor Corona haben sie keine Angst. "Hier gibt es ja überall Desinfektionsmittel."

Gemeinsam mit ihrem Ehemann Johannes betreibt Christine Kraus den Schedlhof in Griesbach, den sie von ihren Eltern Angela und Josef Schmidkonz 2017 übernommen haben. Auch bei ihnen sind alle drei Ferienwohnungen ausgebucht. In der Nebensaison sei allerdings schon noch etwas Luft. Sie stöhnt zudem über die vielen Auflagen, die erfüllt werden müssten. Die seien schon sehr belastend, sagt Christine Kraus. Sie hat aber ebenso wie ihre Gäste Verständnis dafür. "2020 ist halt ein besonderes Jahr", sagt sie.

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Tirschenreuth
Im Blickpunkt:

Tourismus im Landkreis Tirschenreuth

  • Übernachtungszahlen: Rückgang der Übernachtungen von Januar bis Juni 2020 im Vergleich zum Vorjahr: Oberpfälzer Wald -40,7 Prozent, Landkreis Tirschenreuth - 40,2 Prozent
  • Betriebe: Anzahl der derzeit geöffnete Betriebe im Landkreis Tirschenreuth: 95 (im Juni 2019 waren es 99)
  • Ankünfte:Ankünfte von Januar bis Juni 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum: Oberpfälzer Wald: -50 Prozent, Landkreis Tirschenreuth -49,2 Prozent
  • Aufenthaltsdauer: Durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Oberpfälzer Wald: 3,0 Tage, im Landkreis Tirschenreuth 3,8 Tage
  • Zahl der Betten: Anzahl der gemeldeten Betten im Landkreis Tirschenreuth (ohne Campingplätze) 2609 (im Juni 2019 waren es 3157)
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