23.09.2021 - 14:27 Uhr
PlößbergOberpfalz

Pferde und Schwalben im Gestüt Greim in vertrauter Symbiose

Edle Sportpferde und Schwalben unter einem Dach sind keine Selbstverständlichkeit. Im Gestüt Greim profitieren die gefiederten Koloniebrüter und die Zuchtpferde in vieler Hinsicht voneinander.

Gut 30 Brutpaare der Rauchschwalben, schätzte Ornithologe Erwin Möhrlein, leben im Stall des Sportpferdegestüts Greim. Gestütinhaber Ludwig Fischer duldet die nützlichen Vögel. Sie fangen Unmengen für die Pferde lästige Fliegen weg.
von Ulla Britta BaumerProfil

Das Sportpferde-Gestüt Greim als Heimat edler "Hannoveraner", "Bayer" oder "Württemberger" ist weithin bekannt. Doch in den Anlagen dürfen auch Rauchschwalben ihre Bahnen ziehen. Im Sommer herrschte deshalb auch emsiges Treiben über den Ställen.

Die feingliedrigen Vögel sind als Freunde der Pferde in die Ställe mit eingezogen. Diese Gastfreundschaft des Gestüts freut besonders die Vogelschützer. Schwalben seien seltener geworden in den Dörfern und Städten des Landkreises, sagten die Ornithologen Erwin Möhrlein und Norbert Hagen bei einem Besuch.

Ludwig Fischer, Besitzer des Gestüts, duldet die geschickten Segler in und über seinen Stallungen. Was dazu geführt hat, dass im Sommer etwa 100 Exemplare gezählt wurden, ungefähr die gleiche Zahl wie Zucht- und Verkaufspferde vor Ort sind. Gut 30 Brutpaare bei den Rauchschwalben hat Erwin Möhrlein bei seinem Besuch erkannt.

Streit mit Spatzen

Ludwig Fischer, der bei seinem ehemaligen Lehrer und heutigen Träger der Bundesverdienstmedaille am Bande, Norbert Hagen, in Plößberg zur Schule gegangen ist, ließ die Ornithologen zum Vogelzählen in seine großen Ställe. Pferdewirtin Ilse Berkenbusch erzählte bei der Runde vom Nutzen der Rauch- oder Stallschwalben. Deren Aufgabe ist es, fleißig die für die Pferde lästigen Fliegen zu dezimieren. Berkenbusch berichtete lachend vom Streit um die Schwalbennester, denn auch die Spatzen nisten sich im Dachstuhl über den Pferden in großer Anzahl gern ein. Scheinbar gebe es sogar feste Nistregeln zwischen den Vogelarten. "Die Schwalben leben auf der rechten Seite, die Spatzen auf der linken." Mit dem Aufbruch der Schwalben in den Süden besetzen die Spatzen ihre Nester, aber nur vorübergehend. Denn im kommenden März hofft die Pferdewirtin auf eine Rückkehr der Segler.

Keine Mehlschwalben

Möhrlein und Hagen freut es, dass Ludwig Fischer die Rauchschwalben in den Stallungen duldet. Weil die Vögel viel Dreck machen, sei das längst nicht mehr selbstverständlich. Auch seien die modernen Offen-Ställe nicht geeignet für Nistplätze wegen der Zugluft. Nicht entdecken konnten die Ornithologen die seltenere Mehlschwalbe. Dafür gab es während der Stallbesichtigung mehrfach Demonstrationen, dass sich die Vögel wohl und sicher fühlen bei den Pferden. Eine Schwalbenmutter fütterte sorglos ihre Küken im Nest, das sie in der "Pferdewaschanlage" an die Wand gebaut hat. "Zum Auspolstern nehmen die Schwalben gern die weichen Pferde- und Pferdschweifhaare", schilderte Ilse Berkenbusch.

Schuld an der rapiden Abnahme der Schwalbenbestände sei auch der Nahrungsmangel, erklärten Hagen und Möhrlein. Da die Ställe im Sportpferdegestüt Greim sowieso nahezu das ganze Jahr offen stehen, können die Schwalben bequem aus- und einfliegen. Dies sei ein großer Vorteil für den Bestand.

Die Vogelschützer sorgen sich um den Storch

Tirschenreuth
Hintergrund:

Flyer zum Erhalt der Schwalben

Der Landesbund für Vogelschutz hat zum Erhalt der Schwalben einen Flyer herausgegeben, wie mit Nistmöglichkeiten geholfen werden kann.

  • Möglich ist dies mit rauen Holzbrettern, Kunstnestern und Schwalbenpfützen. Da Schwalben Koloniebrüter sind, sollten sie mehrere Nisthilfen gleichzeitig bekommen. Ein „Kot-Brett“ hilft gegen Verschmutzung der Haus-, Stall- oder Schuppenwände.
  • Rauchschwalben bevorzugen andere Nestbauweisen wie Mehlschwalben, das sollte beachtet werden.
  • Rauch- und Mehlschwalben sind als Kulturfolger eng mit menschlichen Siedlungen verbunden. Mehlschwalben brüten außen an Gebäuden, Rauchschwalben bevorzugen Innenräume.
  • Der Volksmund sagte, wer Schwalben bei sich nisten lässt, ist vor Unwettern und Gewittern geschützt.

Infos zur praktischen Ausführung gibt es im LBV-Flyer oder auf der LBV-Homepage www.lbv.de/schwalben.

 

 

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