30.07.2021 - 13:07 Uhr
PlößbergOberpfalz

Ortsumgehung Plößberg: Archäologische Funde aus dem Mittelalter

Dort wo die Trasse der Ortsumgehung Plößberg verlaufen soll, tauchten bei Bodenproben archäologische Funde auf - Nachweise einer hochmittelalterlichen Siedlung. Die Funde verzögern die Bauarbeiten aber erst einmal nicht.

Bald gehen die Arbeiten an der Ortsumgehung in Plößberg weiter. Bis Ende Mai 2022 soll die Spange fertig sein.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Der Bau der Ortsumgehung Plößberg geriet im Frühjahr wetterbedingt in Verzug. Denn die Baufirma, die die Trasse in Plößberg baut, ist derzeit noch an der Baustelle am Hessenreuther Berg zu Gange. Wegen des starken Regens konnten dort die Erdarbeiten nicht fortgeführt werden, was sich wiederum auf die Baustelle in Plößberg auswirkte. Laut Baudirektor Gerhard Kederer ist die Fertigstellung des 12,5-Millionen-Euro-Projekts Ende Mai 2022 aber nicht gefährdet. "Der Termin ist vertraglich festgelegt."

Nun berichtete der Baudirektor von einem weiteren Problem. Bei Bodenproben nahe des Kreisverkehrs Richtung Schönkirch tauchten archäologische Verdachtsfälle auf. Archäologen sind auf einer Wiese, über die die Trasse laufen soll, fündig geworden, berichtet Kederer. Die Fachmänner hätten Nachweise einer hochmittelalterlichen Siedlung entdeckt. Dass die Archäologen diese Stelle aktuell näher untersuchen, behindere den Straßenbau allerdings wenig. "Dieses Stück hätten wir eh ganz zum Schluss gemacht. Bis dahin sind die Funde ausgegraben", betonte Kederer.

Ausbau der Floßer Straße

Über den aktuellen Baufortschritt der Ortsumgehung informierten sich bei einem Baustellenrundgang Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht, Landtagsabgeordneter Tobias Reiß und EU-Abgeordneter Christian Doleschal. Den Sachstand erläuterten Roman Beer, Leiter des Staatlichen Bauamts Amberg-Sulzbach, Baudirektor Gerhard Kederer sowie Tobias Bäumler, Bereichsleiter Straßenbau. Die Umgehungsstraße habe eine lange Vorgeschichte, wusste Reiß, ehe 2018 mit der Maßnahme begonnen werden konnte. Bürgermeister Lothar Müller erinnerte daran, dass für den Bau der Umgehung nicht die Verkehrslast ausschlaggebend gewesen sei, sondern die engen, kurvigen und bergigen Stellen im Ort.

Die Ortsumgehung spielte auch in ein weiteres Straßenprojekt in Plößberg hinein. Bürgermeister Lothar Müller sprach die Anbindung der Floßer Straße an die Ortsumgehung an. Der Verkehr aus Floß kommend geht derzeit über die Staatsstraße 2171 direkt in den Ort. Müller befürchtet, dass dann trotz Umgehung viele Schwerlastfahrzeuge, die aus dieser Richtung kommen, direkt durch den Markt fahren, statt nochmal ortsauswärts den Umweg über die Spange zu nehmen. Auch wenn die Ortsdurchfahrt für Lkws nach Fertigstellung der Umgehung gesperrt werden soll.

Er schlug deshalb vor, die ST 2171 auszubauen und direkt - etwa auf Höhe der Waldstraße - mit der ST 2172 zu verbinden. Die Situation wurde bereits im Marktrat besprochen, berichtete Müller. Doch die Gemeinde könne sich den Ausbau in nächster Zeit nicht leisten. Auch Reiß war der Meinung: "Ziel muss sein, dass der Freistaat das macht."

Grundstücksverhältnisse klären

Die Floßer Straße sei derzeit nicht im Ausbauplan für Staatsstraßen enthalten, erklärte Tobias Bäumler. Allerdings werde dieser aktuell neu strukturiert und die Maßnahmen neu bewertet. "Im Zuge dieser Neustrukturierung wäre die Türe für uns offen, die ST 2171 an die Spange anzubinden." Bis dieser neue Plan aktive werde, "sind wir weit im nächsten Jahr", sagte Bäumler. "Dann wäre es aber gut, wenn bis dahin schon alles eingetütet ist", sprach er die Grundstücksverhältnisse an.

Alle waren sich einig, dass es sinnvoll sei, die Anbindung der Floßer Straße/ST2171 direkt nach Fertigstellung der Spange anzugreifen. Bei der Neubewertung des Ausbauplans will man dieses Projekt gleich ins Spiel bringen. Bäumler sah keine unüberwindbaren Hürden dafür, abgesehen von den Grundstücksverhältnissen. "Da brauchen wir ihre Unterstützung", sagte er an Müller gewandt. Der Bürgermeister berichtete, dass die Gemeinde bereits eines von mehreren Grundstücken gekauft habe. Er war der Meinung, dass man sich wohl auch mit den weiteren Grundstücksbesitzern einig werden würde. Nach einem Verkauf der Teilgrundstücke könnte das Straßenbauamt dann direkt mit dem Ausbau beginnen - die Pläne seien bereits gemacht, man müsste sie nur aktualisieren. "Das wäre schon ein Signal", fand Bäumler. Müller versprach, in dieser Angelegenheit tätig zu werden.

Sanierung der ST2171 beginnt

Zuletzt sprach der Bürgermeister noch den weiteren Verlauf der ST 2171 bis nach Floß an. Die acht kilometerlange Straße sei in einem schlechten Zustand. Auch hier hatte Kederer gute Nachrichten. Man wolle die Sache demnächst zum Laufen bringen. Als erster Abschnitt sollen zweieinhalb Kilometer von Floß kommend ausgebaut werden. Diese Strecke sei topografisch am einfachsten umsetzbar. Die Pläne wurden auch schon im Gemeinderat vorgestellt, ebenso hätten die Grundstückseigentümer wohlwollend Fläche abgegeben, zudem habe die Gemeinde Floß im Vorfeld viele Straßennebenflächen erworben, informierte Kederer.

Mit dem Ausbau gewinne die Straße an Sicherheit und sei komfortabler befahrbar. Bis allerdings die komplette Trasse erneuert werde, wird es seine Zeit dauern. Besonders Richtung Plößberg werde der Ausbau aufgrund der Topographie schwerer. "Wir müssen aber einfach mal anfangen und eine Dynamik in die Sache bringen", sagte Kederer.

Reiß lobte, dass das Straßenbauamt pragmatisch nach Lösungen suche. "Ihr habt alle Baustellen im Blick", sagte er. Auch Albert Rupprecht fand die Besprechung lösungsorientiert und bedankte sich für den qualifizierten und offenen Austausch.

Warum die Maschinen auf der Baustelle der Ortsumgehung still standen, erklärte Baudirektor Gerhard Kederer

Plößberg
MdB Albert Rupprecht und MdL Tobias Reiß (Zweiter und Dritter von links) machten sich ein Bild vom Baufortschritt der Ortsumgehung in Plößberg.

 

 

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