09.08.2020 - 14:41 Uhr
PlößbergOberpfalz

Miriam Fasolato aus Venetien lebt in Plößberg und macht Schmuck aus Muranoglas

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Miriam Fasolato aus Plößberg fertigt Schmuck aus Muranoglas und Sterlingsilber. Die Italienerin gewährt Einblicke in ihr Atelier.

Mit der Mini-Glasbläserpfeife formt Miriam Fasolato eine kleine Glaskugel. Sie sagt: „Alles fängt mit so einer Perle an.“ Sie freut sich auch auf Besuch in ihrem Atelier.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Miriam Fasolato kommt gerade zurück aus Murano. Ihre Mutter hat sie besucht und bei Carlo Donà viel Geld für perfektes Werkzeug ausgegeben. Glasscheren, Pfeifen, Sechs-Finger-Halter und Graphit-Formen bringt sie diesmal mit aus Venedig, um ihre Ausrüstung zu komplettieren. Zubehör, ohne das es nicht geht. Die Herzstücke ihrer kleinen Glasschmuck-Werkstatt an der Alten Schulstraße in Plößberg sind der Brenner (Canna da Soffio) und der Brennofen. "A Lume" heißt die traditionelle venezianische Technik, mit der Miriam Fasolato aus Montegrotto Terme aus der Region Venetien in der Provinz Padua ihre Glasperlen fertigt.

"Alles beginnt immer mit einer Perle", sagt die Kunsthandwerkerin. Die 52-Jährige ist seit 1994 in Deutschland. Bevor sie in Plößberg ihr Atelier einrichtete, lebte sie in Sulzbach Rosenberg und in Nabburg. Das Atelier ist sowohl Werkstatt wie auch Ausstellungsraum. Ein großer Frauenkopf, angelehnt an das Meisterwerk "Geburt der Venus" von Sandro Botticelli, ziert eine Wand darin. Das Bild hat sie selbst dorthin gemalt, denn malen ist ein weiteres Hobby der Italienerin. "Ich habe immer Glas geliebt und ich liebe Venedig, das "italienische Disneyland", schwärmt sie.

Miriam Fasolato aus Plößberg fertigt Schmuck aus Muranoglas und Sterlingsilber

Mit Bus, Bahn und Vaporetto

Mit 15 Jahren sei sie schon immer mit Bus und Bahn und Vaporetto nach Venedig gefahren, um Glas auf Murano zu bestaunen. Sie sei von jeher von der dortigen Glasmacherkunst beeindruckt. Nach der Schule hat Miriam Fasolato die Modeschule in Padua absolviert, arbeitete anschließend in der Textilindustrie und hatte schließlich ein Lokal in Jesolo. "Dort wurde mir schnell klar, dass ich die deutsche Sprache lernen muss. Denn außer Deutsch hörte man dort noch Englisch aber kein Wort italienisch. Auch wenn Italien das schönste Land der Welt ist, fühle ich mich in Deutschland mittlerweile zu Hause. Nach Italien fahre ich heute als Touristin."

Geschenk zum Fünfzigsten

Seit 2016 fertigt sie Schmuck aus Muranoglas, 925-er Sterlingsilber und Gold. 2017 hob sie ihr Hobby auf die professionelle Schiene. Da meldete sie "Miriam Fasolato Jewellery" als Gewerbe an. "Das habe ich mir selbst zum 50. Geburtstag geschenkt." Ihre Deutschkenntnisse verbesserte sie in mehreren entsprechenden VHS-Kursen.

Das habe ich mir selbst zum 50. Geburtstag geschenkt.

Miriam Fasolato

Für ihre Schmuckstücke benutzt Fasolato ausschließlich Glas aus Murano, das sie über einen Online-Großhändler bezieht. "Effettre (Moretti) Glas", um genau zu sein. Der Gasbrenner schafft 1300 Grad Celsius. Genau die Temperatur, die Fasolato braucht, um die harten Glasstäbe in eine honigweiche Masse zu verwandeln, die sich dann per Mini-Glasbläserpfeife zu kleinen Kugeln blasen oder in einer Schamotte-Form zu eben solchen drehen lässt.

Zwölf Stunden Abkühlung

Zum langsamen Abkühlen kommen die heißen Perlen in den auf 500 Grad Celsius vorgeheizten Temperofen. Dort bleiben sie bei dieser Temperatur acht Stunden und kühlen dann innerhalb von weiteren vier Stunden gänzlich ab. Dadurch erhielten die Glaskugeln die größtmögliche Stabilität.

Ihre Produkte verkauft die Schmuckmacherin im Internet, auf Märkten in der Region und auf Messen. Sie arbeitet auch auf Bestellung und fertigt dabei ganz individuelle Produkte. Rund 60 Farben hat sie auf Lager. "Aber es gibt Hunderte", erklärt sie. Es sei zwar möglich, verschiedene Farben ineinander zu schmelzen, aber zu einer neuen Farbe vermischen ließen sie sich nicht.

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