02.12.2020 - 14:07 Uhr
PlößbergOberpfalz

Keine Zukunft für den Campingplatz Plößberg

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Die Räumung des Areals am Großen Weiher bewegt noch immer die Gemüter. Bei einer Aussprache zwischen Marktratsmitgliedern und Campern bewegte sich allerdings nicht viel. Die Mieter müssen sich geschlagen geben.

Die ersten Dauercamper haben ihren Stellplatz am Campingplatz in Plößberg schon geräumt. "Es nahm ein trauriges Ende für uns", sagt Willi Üblacker nach der Übergabe der Petition an die Marktgemeinde.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Zu einer Aussprache in Sachen Campingplatz Plößberg trafen sich sechs Vertreter der Marktgemeinde und sechs Vertreter der Camper Ende November. Für die Stellplatzmieter, die sich mit der Bürgerinitiative „Zum Schutz der Umwelt und Mensch und Natur“ und den Großen-Weiher-Freunden zusammengeschlossen haben, ging es bei dem Gespräch vorrangig darum, Lösungen für eine Sanierung des Areals zu finden. Campervertreter Thomas Raab aus Regensburg spricht von einer sachlich-nüchternen Atmosphäre im Kultursaal.

Markt zieht Beschluss nicht zurück

Auf Alternativen zur Schließung will sich die Gemeinde aber nicht einlassen. „Der Markt ist nicht bereit, die Schließung zurückzuziehen“, teilte Bürgermeister Lothar Müller auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien mit. Die Camper schlugen etwa vor, eine Genossenschaft zu gründen, um als Pächter den Betrieb des Platzes weiterzuführen. 10 bis 15 Leute hätten sich bereiterklärt mitzumachen. Die Stellplatzmieter recherchierten Statistiken und Studien – hilft nichts. Argumente, dass die Camper eine Kaufkraft von geschätzt rund 150 000 Euro in der Region bedeuten - helfen nicht. Dass die Campingplätze vor allem in der Corona-Zeit einen Boom erlebten - nützt nichts. „Das lässt man alles nicht gelten“, bedauert Raab. Er selbst ist seit fünf Jahren am Campingplatz in Plößberg, seine Frau bereits 35 Jahre. „Auf die Frage, woher das Defizit kommt und warum der Campingplatz nicht läuft, erhielten wir nur schwammige Antworten“, findet der Regensburger.

Kein Investor, kein Käufer

Die Runde der Markträte sei sich laut Raab einig, dass das Areal einen hohen Freizeitwert ermöglichen soll. Ob und in welchem Umfang ein Campingplatz Teil des Freizeitangebots sein kann oder soll, sei vom Ergebnis der Machbarkeitsstudie abhängig. „Man schafft Tatsachen, bevor man weiß, wie das Areal weiter genutzt werden soll“, ärgern sich die Interessensvertreter. „Der Campingplatz wird im Sommer ohne Nachfolgekonzept geschlossen und liegt dann brach“, sagt Raab. Die Studie wurde im Sommer beschlossen und soll zeitnah in Auftrag gegeben werden.

"Man schafft Tatsachen, bevor man weiß, wie das Areal weiter genutzt werden soll."

Thomas Raab

Die Gemeinde schätzt den zeitlichen Horizont für die Erstellung der Machbarkeitsstudie auf zwei bis fünf Jahre. Im Fokus liegt das Waldstrandbad Großer Weiher. Einen Investor oder Kaufinteressenten gebe es bis dato nicht, so der Bürgermeister. „Die Markträte wollen das Thema beenden und nicht darüber diskutieren,“ bilanziert Raab. „Fakt ist, dass der Campingplatz so nicht bestehen bleibt.“ Ihm ist wichtig zu betonen, dass die Mieter nicht gegen eine Aufwertung des Areals rund um den Großen Weiher und eine Erneuerung sind. Die Vorgehensweise der Gemeinde verärgerte sie.

Strategien für die Räumung

Weiteres Gesprächsthema war die Räumung des Geländes bis 31. Juli 2021. „Die Verlängerung der Frist hilft uns in jedem Fall“, sagt Raab. Weiterhin bitten die Stellplatzmieter um eine Notinfrastruktur für Strom und Wasser. Den Betrieb will die Gemeinde wie geplant zum 31. März 2021 einstellen und damit auch Strom und Wasser abstellen. „Für den Abbau brauchen wir aber Infrastruktur“, erklärt Raab. Außerdem bitten die Camper darum, in der Zeit des Abbaus auf dem Areal übernachten zu dürfen. „Mit dem Abbau sind wir sicher über zwei Wochen beschäftigt. Jeden Tag hin und her fahren geht nicht, wenn die Leute aus Berlin oder Stuttgart sind.“ Auch das Aufstellen von Containern für die Entsorgung von Holz- oder Metallabfällen sei hilfreich für die Stellplatzmieter. Darüber will das Gremium in der kommenden Sitzung abstimmen.

Petition übergeben

„So ein Runder Tisch wäre vorher nötig gewesen“, berichtet Willi Üblacker enttäuscht, der bei dem Treffen seine Petition an Bürgermeister Lothar Müller übergab. Die Petition gegen die Räumung des Campingplatzes erreichte nach nur wenigen Wochen das Quorum, insgesamt unterschrieben mehr als 910 Personen. Mit Ablauf der Frist am 12. Dezember wird sie dem Landtag übergeben. „Bis irgendetwas Weiteres in die Gänge kommt, sind wir alle schon abgezogen“, schätzt der Neustädter. Der Markt rücke keinen Zentimeter von seinem Beschluss ab, beim Gespräch habe sich nicht viel bewegt, zieht der Petitionsführer ein Fazit. Er bereitet die Räumung seiner Parzelle vor. „Ich habe alles in meiner Macht Stehende versucht.“

Das Kapitel Campingplatz und Großer Weiher sei aber noch nicht abgeschlossen, verweisen die Interessensvertreter der Camper auf die Bürgerinitiative Plößberg und die Großen-Weiher-Freunde. Beide Vereinigungen wollen ihre Belange bei der Machbarkeitsstudie mit einbringen.

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Beim Treffen der Camper mit Bürgermeister Lothar Müller (links), seinen Stellvertretern und den Fraktionssprechern übergab Willi Üblacker die von ihm gestartete Petition gegen die Räumung des Campingplatzes.
Beim Gespräch hat sich nicht viel bewegt, bilanzieren die Interessenvertreter der Camper.
Gesprächsthema waren unter anderem Strom und Wasser, sodass auch nach der Stilllegung des Betriebs zum 31. März 2021 noch eine Notinfrastruktur für die abziehenden Dauercamper gesichert ist.

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