15.10.2020 - 15:59 Uhr
PlößbergOberpfalz

Dauercamper vor vollendete Tatsachen gestellt

Die Absicht, den Campingplatz am Großen Weiher zu räumen, hat die Dauercamper aufgeschreckt. In einer Reaktion bedauert Wilhelm Üblacker, dass die Verantwortlichen nicht in die Entscheidungsfindung einbezogen wurden.

Die geplante Räumung des Campingplatzes am Großen Weiher sorgt bei den Betroffenen für Entsetzen.
von Externer BeitragProfil

Unser Bericht "Campingplatz wird geräumt" hat natürlich viele "Bewohner" der Anlage aufgeschreckt. In einem Schreiben an die Redaktion hat Wilhelm Üblacker den Eindruck der Camper zusammengefasst. Üblacker ist seit 2004 Dauercamper auf dem Platz am Großen Weiher.

"Nach 25 Jahren und einer Begehung mit einem etwa 30-köpfigem Gremium stellt man plötzlich fest, dass dort nicht mehr investiert und modernisiert wurde und wartet nicht einmal die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie ab, stellt die langjährigen Dauercamper vor vollendete Tatsachen, wie schon einmal in Plößberg vor einigen Jahrzehnten", beklagt Üblacker. Dies sei sicher auch "Corona" geschuldet, aber nicht den bemühten Dauercampern, die aus diesem Areal eine Oase mitten in der herrlichen Naturlandschaft mit geschaffen hätten. Der Camper, der in Neustadt/Waldnaab zu Hause ist, will den im Zeitungsbericht erschienenen Argumenten entschieden widersprechen: "Ich hätte mir gewünscht, das der Camping-Verein oder deren Vertreter in die Entscheidungsfindung mit einbezogen gewesen wären."

Bericht über die Beratung im Marktgemeinderat über den Campingplatz am Großen Weiher

Plößberg

Sechs Dinge nennt Üblacker. Erstens: Der Campingplatz entspricht der überwiegenden Mehrheit der Dauercamper und sie seien zufrieden mit dem Areal, was auch die größtenteils liebevollen Stellplatzgestaltungen zeigen. Zweitens: Er kenne viele andere schlechtere Campingplätze und der "Gebäudeverbrauch" sei wohl dem "Investitionsstau" geschuldet. Drittens: Die gelegentlichen "Engpässe/Überlastungen in der Stromversorgung" waren punktuell und wären bei regelmäßigem Warten wahrscheinlich vermeidbar gewesen. Viertens: Nicht ausreichend Toiletten? 10 Toiletten, 3 Pissoirs, 7 Duschen, mehrere Waschbecken etc. sollen nicht ausreichen? Keine Gastwirtschaft hätte bei ähnlichen Gästezahlen mehr zur Verfügung! Problem sei lediglich gewesen, dass die Reinigung nur dreimal wöchentlich stattfinden konnte. Fünftens: Es sei nicht richtig, das "einige" Stellplätze keinen Wasser- und Abwasseranschluss hatten oder haben, sondern im Gegenteil, nur wenige hatten diesen Luxus, aber dafür sei es ja ein Campingplatz und kein Fünf-Sterne-Ressort. Sechstens: Baurechtliche und brandschutztechnische gesetzliche Vorgaben gebe es schon immer und sie seien vertraglich geregelt. Stelle sich nur die Frage, warum trotz jährlicher Begehungen durch die Gemeindeverantwortlichen nie eingeschritten worden ist und die Camper munter weiter Tausende Euro in ihre Parzellen für einen sturm- und wintersicheren Platz investiert haben, weil ja letztendlich auf das ganze Jahr für den Platz bezahlt wurde.

Üblacker weiter: "Die Verantwortlichen hätten während der Corona-Krise genügend Zeit gehabt, um sich mit den Betroffenen auseinanderzusetzen, eventuell gemeinsam Lösungen zu finden oder Argumente auszutauschen, um verständlich zu machen, was wirklich hinter diesem Beschluss zu stecken scheint. Das Defizit alleine kann es nicht sein, dann hätte man schon sehr viel früher die Reißleine ziehen müssen, ohne die Betroffenen jetzt vor den Kopf zu stoßen."

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lena Üblacker

Üblacker Wilhelm
Siebenbürgerstraße 8
92660 Neustadt/WN
Tel.: 09602-1403 Neustadt,den 15.10.2020

Offener Brief an den Marktrat der Gemeinde Plößberg und deren Bürgermeister

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, lieber Lothar Müller,
verehrte Marktratsmitglieder,

mit Bedauern habe ich leider dein heutiges Statement unter den Seiten der Marktgemeinde zur Kenntnis nehmen müssen, in dem du unmissverständlich mit teilst, das der Beschluss vom Dienstag unumstößlich ist und wir als betroffene Camper keinen Aufschub oder andere Alternativen in Erwägung ziehen können. Das stimmt nicht nur mich persönlich sehr traurig, sondern mehrere hunderte von Menschen, die seit Jahren oder gar Jahrzehnten ihr Herzblut und auch viel Geld in ihre gemieteten Parzellen investiert haben.

Nicht nur ich habe mit Entsetzen via Pressebericht von der Räumung erfahren und der Unmut ist angesichts des Vorgehens seitens des Marktrates natürlich immens. Die Argumentation seitens des Gremiums ist leider nur teilweise nachvollziehbar und der Zeitraum , der uns gewährt wird, viel zu kurzfristig, denn die meisten Camper haben dort seit dem Sturm Kyrill im Jahr 2007 vieles fest verbaut, um für weitere Unwetter und Schäden gerüstet zu sein. Ein vollständiger Rückbau mancher Anlagen und Parzellen wird gar nicht möglich sein oder nur unter erheblichen finanziellem Aufwand , weil niemand mit so einem radikalem Einschnitt zu Lebzeiten gerechnet hat.

Teilweise wurden Jahrzehnte und zehntausende von Euros investiert, um in diesem Idyll eine zweite Heimat zu finden oder den Ruhestand zu genießen. Dies wurde leider bei dem getroffenen Beschluss alles nicht berücksichtigt und wenn solche eklatanten Defizite aufgelaufen sind wie beschrieben, hätte man uns schon vor Jahren darauf hinweisen können oder die Pacht erhöhen müssen. Damit hätte sich wahrscheinlich eine "Zwangsräumung" über die Jahre von selbst erledigt. Jetzt rächen sich jedoch die Versäumnisse seitens der Gemeinde zu unseren Ungunsten und das wollen wir einfach nicht so stehen lassen, auch wenn wir keine Gemeindemitglieder oder Wähler sind. Für den Tourismus vor Ort waren wir ja auch gut genug.

Ich bitte Sie, sehr geehrte Mitglieder des Marktgemeinderates Plössberg und auch dich, lieber Lothar, den Beschluss trotz aller Umstände und Widrigkeiten nochmals zu überdenken und nicht nur die nackten Zahlen und Fakten zu sehen. Das soziale Miteinander und Aufeinander zu gehen sollte Gebot der Stunde sein, und nicht ein ungleicher Machtkampf der gegenseitigen Vorwürfe.

Auch wenn wir uns als Campinggemeinschaft am Wochenende treffen und die Medienvertreter dazu eingeladen haben, hoffe ich nicht, das dies die Fronten verhärtet und die Situation eskaliert. Dies ist nicht in meinem Sinn und sicherlich nicht in dem der anständigen und zumeist älteren Mieter, die sich schlicht nicht gegen solche Beschlüsse wehren können, obwohl ich aus vielen persönlichen Gesprächen weiß, was Ihnen und Ihren Angehörigen dieser Platz bedeutet.

In diesem Sinne bitte ich Sie und dich noch einmal höflichst und inständig, den Beschluss zu überdenken, Alternativen abzuwägen und Kompromissbereitschaft zu signalisieren. Für unsere zweite Heimat - für Plößberg !

Dankeschön schon im voraus für das menschliche Entgegenkommen.

Hochachtungsvoll

Wilhelm Üblacker

15.10.2020