10.06.2021 - 15:36 Uhr
PleysteinOberpfalz

Kanalnetzsanierung: Mängelpotenzial Hausanschlüsse

2015 schafft die Stadt Pleystein mit der Beauftragung zur Befliegung des Stadtgebietes die erste Grundlage für die Sanierung des Kanalnetzes. Vor dem neuen Stadtrat geht es nun an die Analyse des Ist-Stands.

Je weniger Fremdwasser in der Pleysteiner Kläranlage ankommt, um so besser ist die Reinigungsleistung. Außerdem richtet sich nach Ableitung des vorbehandelten Abwassers in den Zottbach auch die Höhe der Gebühr nach dem Abwasserabgabengesetz.
von Walter BeyerleinProfil

Durch die Befliegung Pleysteins war es möglich die versiegelten Flächen zu erkennen und daraus die Schlüsse zu ziehen, welche Mengen Niederschlagswasser über die Mischwasserkanalisation abgeleitet werden. Seither hat die Stadt fast schon „im geheimen“, weil sich alle abwassertechnischen Bauwerke im Untergrund befinden, Zug um Zug die Problematik das überlasteten Kanäle in Angriff genommen. Höchst erfolgreich, wie Jürgen Wolfrum, als ausgewiesener Abwasserexperte in der Stadtratssitzung am Dienstagabend ausdrücklich betonte.

Aussagekräftige Bilder

Vor diesem Fazit beschrieb Jürgen Wolfrum mit vielem Bildmaterial die Abwassersituation in Pleystein und Vöslesrieth. Bereits vor vier Jahren stand Wolfrum vor dem Gremium, damals noch in anderer Besetzung, um die Abwassersituation darzustellen. Das Kanalnetz umfasst derzeit rund 19 Kilometer Mischwasserkanal, 1.065 Meter Regenwasser- und 547 Meter Schmutzwasserkanal. Unter Berücksichtigung fast unendlicher Kriterien ergeben sich die Ergebnisse für Dichtheit, Stand- und Betriebssicherheit der Kanäle, die wiederum entscheidend für Gesamtbeurteilung und die Erstellung einer Bedarfsliste sind. Die Bilder, die Wolfrum dem Gremium zeigt, sind dann klarer Beweis für die Notwendigkeit von Sanierungsmaßnahmen bei Regenüberlaufbauwerken.

Der Abwasserfachmann spricht in seinem Referat die Thematik an, von der die Haus- und Grundstückseigentümer direkt betroffen sind. Es geht um die Ableitung von Niederschlags- und auch Grundwasser. So wurden in Pleystein in den siebziger und achtziger Jahren Häuser in regelrechte „Sumpfgebiete“ gebaut, so dass die Verlegung von Drainageleitungen rund ums Haus zwangsläufig war. Dieses Grundwasser wird häufig ins Kanalnetz eingeleitet und führt in der Kläranlage zu einem hohen Fremdwasseranteil.

Als Mängelpotential erkennt Jürgen Wolfrum auch die Hausanschlüsse, auch wenn die Stadt bis zur jeweiligen Grundstücksgrenze für ordnungsgemäßen Betrieb der Kanäle zuständig ist. Die Hausanschlüsse wurden oft von den seinerzeitigen Bauwerbern verlegt und auf einfachste Art an den städtischen Kanal angeschlossen. All diese Missstände werden bei Kanalfilmungen sichtbar, die aber nur in den Monaten April-Mai durchgeführt werden sollten. Dann nämlich ist der Grundwasserstand hoch, Eindringen von Fremdwasser in den Kanal entsprechend leicht nachzuweisen. „Die Dichtheit von Kanälen lässt sich über deren Baujahr definieren“, erklärte Wolfrum und macht damit deutlich, wie es um die Kanäle aus den sechziger und siebziger Jahren aussieht.

Kanalnetz überlastet

In seinen grundsätzlichen Erkenntnissen kommt der Experte zum Schluss, dass das Kanalnetz der Stadt teilweise überlastet ist. Deshalb müssen die Regenüberlaufbecken hydraulisch neu berechnet werden. Um bei einem möglich werdenden Neubau von Regenrückhaltebecken oder Regenüberlaufbauwerken Geld einzusparen, ist es nach den Worten Wolfrum notwendig, soweit wie möglich Fremdwasser aus den Kanälen zu bringen. „Die Bürger müssen sensibilisiert werden, dies zu verstehen“.

„Alles geht aber nur in kleinen Schritten“. Darunter versteht Wolfrum auch die Einbindung der Architekten der Bauleitplanung bei der Planung von Abwasserbauwerken. Vor allem müsste bei privaten Bauvorhaben die Errichtung von Retentionszisternen als Auflage in der Baugenehmigung gefordert werden. Deren Funktionsweise stellte Jürgen Wolfrum mit Bild vor, genau wie die Möglichkeit bei einem eventuellen Umbau des Marktplatzes große Sickertunnels zu verlegen, deren Inhalt bei Trockenheit zum Besprengen von Rasenflächen genommen werden könnte.

Zusammenfassend unter Beschreibung aller von ihm gewonnenen Erkenntnisse in Sachen Kanalnetz kommt Wolfrum zur erfreulichen Feststellung, dass die Stadt ihre Hausaufgaben gemacht hat. Notwendig aber werden weiterhin ausgiebige Befahrungen und Filmungen des Kanalnetzes sein, verbunden mit zukunftsorientiertem Planen. Die Anmerkung Stefan Voits „wir werden nie fertig“ während des Referates hätte auch das passende Schlusswort sein können. Bürgermeister Rainer Rewitzer wies auf die moderaten Abwassergebühren bei der Stadt hin. „Trotz der Baumaßnahmen ist es uns gelungen, die Gebühren verträglich zu halten“.

Jürgen Wolfrum analysiert Kanalnetz

Störnstein
JÜrgen Wolfrum klärt den Pleysteiner Stadt bis ins Detail über den derzeitigen Zustand der Ortskanalisation auf, macht aber auch darauf aufmerksam, dass zur vollständigen Erfassung der Kanäle noch weitere Kamerabefahrungen und Filmungen notwendig sind.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.