08.07.2020 - 21:18 Uhr
PleysteinOberpfalz

Blick in plätschernde Schatzkammer

Das Stadtmuseum Pleystein war wegen der Coronakrise nach wie vor geschlossen. Der Museumsarbeitskreis hat sich daher vor einigen Wochen eine neue Art der Präsentation einfallen lassen.

Die neue Ausstellung "Schätze aus dem Bach - Gold, Karfunkel und seltene Erden" ist in einem der Fenster des Pleysteiner Stadtmuseums zu sehen.
von Autor TUProfil

So ist die Sonderausstellung "Schätze aus dem Bach - Gold, Karfunkel und seltene Erden" seit Mittwoch in einem ebenerdigen Fenster links des Eingangs zu sehen. Themen und Ausstellungen wechseln sich in der Reihe "Objekte des Monats" ab. Die aktuelle Präsentation ist der zweite Akt nach der Premiere "Brauhausgeschichte von Pleystein", die sehr gut ankam. Für die Ausstellung der "Schätze aus dem Bach" konnte der Museumsarbeitskreis Martin Füßl aus Parkstein, Vorsitzenden der Vereinigung der Freunde der Mineralogie und Geologie, Bezirksgruppe Weiden, gewinnen, der auch den geschichtlichen Hintergrund dieser Aktion beleuchtete.

Gemächlich und fast ein wenig unscheinbar fließen sie im Pleysteiner Umland dahin: der Pflaumbach und der Schwarzenbach. Dem landschaftsprägenden Zottbach können sie nicht das Wasser reichen. Und trotzdem haben es die beiden im wahrsten Sinne des Wortes "in sich"! Schon Mitte des 16. Jahrhunderts berichten historische Quellen, dass "es Spießglanz geben soll an der Straße nach Vohenstrauß" und "im Schwarzenbach an des Orth´s Wiese soll es Erz geben mit Gehalt von Eisen, Kupfer, Zinn und Gold".

Leichtfertig tun wir das heute als schöne Legenden oder Übertreibungen ab. Doch moderne Geowissenschaften belehren uns eines Besseren. Auch der Pleysteiner Mineraliensammler Ferdinand Lehner ging Anfang des 20. Jahrhunderts diesen Berichten nach und fand seltsame schwarze Körner in den Bachsedimenten, die Wissenschaftler als Nigrin identifizierten. Diese Schwerminerale erregten zwar immer wieder das Interesse von Mineralogen doch exakte wissenschaftliche Untersuchungen wurden erst Anfang des 21. Jahrhunderts unter Mitwirkung der Oberpfälzer Sammler Berthold Weber (Weiden) und Martin Füßl (Parkstein) durchgeführt. Die Nigrine von Pleystein sind schwarze Körner bis zu drei Zentimetern Größe, die sich mit einer Goldwaschschüssel in den beiden Bächen herauswaschen lassen. Sie enthalten vor allem das Element Titan, das erst 1795 vom deutschen Chemiker Heinrich Martin Klaproth entdeckt wurde. Die Nigrine (lateinischen "niger": schwarz) enthalten aber auch "Coltan", die Mineralgruppe Columbit-Tantalit mit den begehrten Hightech-Elementen Niob und Tantal, um die in Zentralafrika blutige Kriege geführt werden. Für einen wirtschaftlich rentablen Abbau sind die Vorkommen aber zu klein. Auch Eisen, Kupfer, Zinn und sogar Gold lassen sich eindeutig nachweisen. Die Bäche in Pleystein enthalten also unvermutete Schätze. Wer sich das anstrengende Waschen im kalten Wasser ersparen will, kann sich diese Schätze der Heimat in aller Ruhe im Pleysteiner Stadtmuseum ansehen.

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