18.10.2019 - 16:00 Uhr
Pleußen bei MitterteichOberpfalz

Schreiner geben Vollgas

Einen Millionenschaden verursachte am 18. August ein stundenlanger Brand in der Schreinerei Rögner. Zwei Monate später ist der Wiederaufbau in vollem Gange. Hocherfreut berichtet die Familie von einer großen Welle der Hilfsbereitschaft.

Peter und Dominik Rögner (von links) haben seit dem Brand am 18. August unermüdlich am Wiederaufbau ihrer Schreinerei gearbeitet. Voller Optimismus blicken sie nach vorne, Mitte Dezember wollen sie wieder den Betrieb aufnehmen.
von Udo Lanz Kontakt Profil

Es war eine Nacht, die der Familie Rögner und vielen anderen noch lange in lebhafter Erinnerung bleiben dürfte. Rund 250 Einsatzkräfte aus der ganzen Region eilten nach der Alarmierung um 3.27 Uhr zum Kirchsteig in Pleußen, wo auf dem Gelände der Schreinerei ein Feuer wütete. Die Flammen, ausgehend von einer Scheune, zerstörten den Dachstuhl und weitere Teile der Produktionshalle. Was vom Brand selbst verschont blieb, wurde durch Löschwasser zum Teil stark in Mitleidenschaft gezogen. Vor allem die Maschinen hat es dabei getroffen. „Mit dem Betriebsausfall ergab sich insgesamt ein Schaden von 1,1 Millionen Euro“, bilanziert Schreinermeister und Inhaber Peter Rögner. „Aber alles war zu 100 Prozent versichert.“

Gewaltig ist jedoch der Aufwand, der bislang nötig war, um das Geld auch zu bekommen. „Seit dem Brand bin ich jeden Tag im Schnitt drei Stunden lang mit Versicherungsangelegenheiten beschäftigt“, berichtet Rögner und zeigt auf einen prall gefüllten Ordner mit Briefen und Dokumenten. „Und da sind noch gar nicht mal die Ausdrucke von gut 200 E-Mails dabei.“ Ständig müsse er Angaben einreichen und Daten in Antwortschreiben abgleichen.

Als „Weltklasse“ bezeichnet Rögner ein Maklerbüro aus der Region, das er als Vermittler zwischen dem Betrieb und den Versicherungen beauftragt hat. Besonders hilfreich sei auch eine Ertragsausfall-Versicherung: Weil diese bis zur Wiederaufnahme des Betriebs greife, würden Auszahlungen für den Wiederaufbau und die Neubeschaffung von Maschinen recht zügig geleistet. „Wenn du keine aktuellen Versicherungsverträge hast, bist du verloren“, ist der 58-Jährige überzeugt.

Neustart im Dezember

Sofort nach dem Brand hatten sich die Rögners das Ziel gesetzt, alles so schnell wie möglich wieder aufzubauen. Unermüdlich hat die ganze Familie angepackt. „Wir geben seit acht Wochen jeden Tag Vollgas“, betont Sohn Dominik Rögner (29), ebenfalls Schreinermeister im Betrieb. „Es sind bis heute noch keine Tränen geflossen, weil wir laufend unter Strom stehen. Wir sind noch gar nicht richtig zum Nachdenken gekommen.“ Inzwischen sind 95 Prozent der auszuführenden Handwerksarbeiten vergeben – und zwar vollständig an Firmen aus dem Landkreis. Anfang dieser Woche wurde der Boden der Produktionshalle betoniert, die nächsten Schritte sollen Schlag auf Schlag folgen. Bestellt zur baldigen Lieferung sind Maschinen auf dem allerneuesten Stand der Technik. Bis Mitte Dezember soll der Schreinereibetrieb wieder anlaufen. „Das ist ein sportliches Programm“, bekennt Dominik Rögner. „Aber wir liegen voll im Zeitplan.“ Sein Vater stellt heraus, dass beim Wiederaufbau besonders auf den Umweltschutz geachtet werde und die Anwohner künftig weniger als bisher von den täglichen Arbeiten mitbekommen würden. So seien unter anderem Schallschutzfenster und eine Absauganlage mit Energiesparmotoren vorgesehen. „Wir machen da mehr als wir müssten.“

Einen großen Dank richtet die Familie mit Peter Rögner, seiner Frau Petra und den Söhnen Dominik und Johannes an die vielen Leute, die Hilfe angeboten haben und in irgendeiner Form tätig geworden sind. Allen voran geht ein Lob an die zahlreichen Einsatz- und Rettungskräfte in der Brandnacht. „Jeder hat sein Menschenmöglichstes gegeben“, erinnert sich Dominik Rögner. Er und sein Vater sind sich einig, dass die enorme Welle der Anteilnahme nach dem Brand auch damit zusammenhängt, dass sie selbst schon immer anderen geholfen und vieles auch mal unentgeltlich erledigt hätten. Ein Grund für dieses Engagement ist, dass Peter Rögner schon als junger Mann schwere Zeiten durchlebt hat und dabei auf viel Unterstützung bauen konnte. Wegen der Hilfsbereitschaft der Rögners ist im Kunden- und Bekanntenkreis bereits vor Jahren der Beiname „Schreiner mit Herz“ aufgekommen. „Und jetzt sind wir die Schreiner mit Doppelherz“, bemerkt Peter Rögner dazu lachend.

Provisorische Werkstatt

Einige Helfer aus dem Dorf wollen die Rögners besonders hervorheben. Josef Eckert etwa, der umgehend seine Halle zur Zwischenlagerung des ausgeräumten Inventars zur Verfügung gestellt hat. „Dort konnten wir auch eine provisorische Schreinerei einrichten“, freut sich Peter Rögner. So habe man wichtige termingebundene Aufträge fertigstellen können. Dafür, dass andere Werkstücke nun deutlich später geliefert werden als geplant, hätten die Kunden generell viel Verständnis gezeigt.

Ebenfalls würdigt Peter Rögner Konrad Heindl, der mit Maschinen und Gerät anrückte, um Schutt zu beseitigen. Noch während des Brandes, also mitten in der Nacht, haben Alfred Schaumberger und dessen Familie Essen und Getränke für die Helfer bereitgestellt. Lob gibt es auch für das zügige Eingreifen der benachbarten Dachdeckerei Haberkorn: „In nur drei Tagen haben die das komplette Dach abgerissen und weggefahren.“ Und selbst ein Konkurrent zeigte sich solidarisch mit den Brandleidern: „Schreinermeister Helmut Weiß aus Mitterteich hat angeboten, dass wir jederzeit bei ihm vorbeikommen können, um zu produzieren“, berichtet Rögner. „Das ist nicht selbstverständlich.“

Kein Eigenverschulden

Allerdings habe es im Dorf einige wenige gegeben, die trotz der Ausnahmesituation und den damit verbundenen Arbeiten mit Beschwerden reagiert hätten. „Die allermeisten Leute hatten aber Verständnis für Lärm, Schmutz und Dreck, dafür bedanken wir uns!“, betont Peter Rögner. Ärgerlich gewesen seien auch Gerüchte und Spekulationen zur möglichen Brandursache. Rögner gibt zu bedenken, dass die Kriminalpolizei Amberg und ein Diplom-Chemiker des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung vor Ort waren und Untersuchungen vorgenommen haben. Die Ursache für die Entstehung des Feuers sei zwar nach wie vor ungeklärt. Aber der Betriebsinhaber stellt mit Verweis auf die Ergebnisse der Experten klar: „Fahrlässigkeit und Eigenverschulden wurden ausgeschlossen.“

Johannes Rögner, der in der Unglücksnacht den Brand entdeckt und sofort die Feuerwehr alarmiert hatte, fand bei Aufräumarbeiten in der Werkstatt auch das kurzzeitig verschollene Firmen-Maskottchen wieder: Der kleine Stoff-Pumuckl kam nahezu unversehrt unter einem Ofenrohr zum Vorschein.
Hintergrund:

Pumuckl unter dem Ofenrohr

Ein kleiner Stoff-Pumuckl ist seit vielen Jahren das Maskottchen der Schreinerei Rögner. Dominik Rögner war als Kind ein großer Fan von Meister Eder und dessen Klabautermann. Später bekam seine Stoffpuppe irgendwann einen festen Platz in der Werkstatt. Wenn etwa Kunden mit ihren Kindern in die Schreinerei kamen, hat Dominik die Kleinen gerne gefragt, ob sie denn nach dem Pumuckl suchen wollen. Und so war es nicht verwunderlich, dass gleich nach dem Brand aus dem Bekanntenkreis Fragen nach dem „Wohlergehen“ des beliebten Maskottchens auftauchten. Sehr zum Bedauern der Rögners blieb Pumuckl kurzzeitig verschollen – doch dann entdeckte ihn Dominiks jüngerer Bruder Johannes (14) bei den Aufräumarbeiten unter einem Ofenrohr – und zwar komplett ohne Brandflecken. Gelöst hatte sich nur der gelbe Pulli, den eine Verwandte der Familie inzwischen durch ein neu gestricktes Exemplar ersetzt hat.

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