13.07.2021 - 14:37 Uhr
PirkOberpfalz

Wolf läuft bei Pirkerziegelhütte vor die Kamera

"Wenn die Alpakas in der Überzahl sind, ist der Wolf kein Problem." Das sagt Leila Smekal. Ihre kleine Herde lebt in Pirk. In der Umgebung gibt es auch einen Wolf. Bilder der Wildkameras der Jagdpächter zeigen das Tier.

Die Wildkamera fotografierte diesen Wolf in der Nähe von Pirk.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Vor gut zwei Jahren haben die Pächter des Jagdbogens Pirkerziegelhütte erstmals Wolfsspuren in ihrem Revier gefunden. "Die Fährte stammte nicht eindeutig von einem Wolf", erinnert sich Alfons Ermer. Mit seinem Jagdkollegen Markus Fichtner habe der Jagdberater für den Landkreis Neustadt die Trittsiegel mit denen von Hunden verglichen, die aber deutlich kleiner waren als die großer Hunde. Das Bild, das eine Wildkamera nun am 4. Juli aufgenommen hat, zeigt ein Tier, dass sich nahezu wie für den Fotografen in Positur gestellt hatte. Es ist für Ermer der Beweis, dass der Wolf da ist.

Genauer gesagt, geht Ermer davon aus, dass es sich bei diesem Tier um eine Fähe, einen weiblichen Wolf handelt. "Dass die hier zu dieser Jahreszeit alleine herumstreift, ist unwahrscheinlich", meint Ermer, der die Jagd seit 30 Jahren gepachtet hat und das Fach Naturschutz bei der Jägerprüfung abnimmt. Das Haarkleid könnte darauf hindeuten, dass sie Nachwuchs säuge. Gesehen habe er aber noch keine Jungen. Der Pirker geht davon aus, dass die Wölfin hier sesshaft ist.

Gefahr für Hund und Katz

Gefahren sieht Ermer am meisten für Haustiere wie Hunde und streunende Katzen. Die erkennt der Wolf als Nahrungskonkurrenten. Menschen bräuchten nach seiner Einschätzung keine Angst vor dem großen Beutegreifer zu haben. "Bevor man einen Wolf sieht, sind mit Sicherheit mehr als zehn da gewesen. Das hat mein Großvater schon gesagt." Ermer ist in der Familie in fünfter Generation Jäger. Die Tiere seien eher neugierig und beobachteten den Mensch aus der Ferne, ohne dass der etwas bemerkt. Oder in Abwandlung des Spruchs vom Großvater: "Bevor man den Wolf sieht, ist er mindestens 100 Meter nebenher gelaufen."

Wenig Sorge um die 8 Alpakas und 2 Lamas hat Leila Smekal. Zusammen mit Marco Wabra kümmert sie sich in Pirkerziegelhütte um die in Offenstallhaltung lebenden Tiere. Die Tiere sind auch nachts nicht eingesperrt und können sich innerhalb ihres Areals frei bewegen. "Das ganze Gelände ist videoüberwacht", berichtet Smekal. "Wenn man in der Nacht aufwacht, geht der Blick immer aufs Handy." Dennoch sei sie auch angesichts des Raubtieres in der Umgebung ruhig und ohne Sorge um ihre Lieblinge.

"Wir haben zum Thema Alpaka und Wolf recherchiert, gehen beruhigt in den Wald und nehmen auch die Tiere mit." Die sind als Herdentiere wehrhaft, steigen mit den Vorderbeinen hoch, rudern wie Pferde. "Wenn ein Wolf vorbeischauen würde, würden sie spucken", ist sich Smekal sicher. Nach einem "Warnschuss in die Luft" mit normaler Spucke zielen sie ganz genau auf den Feind mit dem Inhalt aus einem ihrer drei Mägen, in dem Gras teils seit 72 Stunden gärt.

Kinder in der Nähe halten

"Alpakas sind wehrhaft", bestätigt auch Ermer. Schwieriger sei die Lage für Schafe oder Ziegen, die aber gebe es in Gegend kaum, in der sich der Wolf vermutlich bewegt. "Wir haben den Wolf erwartet", sagt der Jagdpächter. "Für die Natur bringt er nicht nur Nachteile." Den Leuten müsse man die Angst vor dem Beutegreifer nehmen und ihnen sagen, wie sie sich verhalten, statt durch die dichtesten Büsche zu laufen. "Ich glaube nicht, dass er auf einen Schwammerlsucher oder Schwarzbeerenpflücker losgeht." Dennoch gilt: Hunde an die Leine, Kinder in die Nähe von Erwachsenen. Wenn man einen Wolf sieht, normal weitergehen, nicht mit einem Stock herumfuchteln, rät der Jäger. "Wir stehen nicht auf dem Nahrungszettel der Wölfe."

Für ihn als Jäger sei es in seinem Bereich keine größere Sache, wenn der Wolf ein paar Rehe reiße. "Im gesamten Pirker Revier kamen im Vorjahr 10 Rehe im Verkehr um", vergleicht Ermer, dem bewusst ist, dass das Rehwild durch den Wolf reduziert wird. Die Gegend mit rund 800 Hektar Wald von Schirmitz bis zur Luhe sei für Wölfe ideal. Zwar gibt es im Revier kein Rotwild als Beute, aber beispielsweise ausreichend Schwarzwild. Ermer: "Der Tisch dürfte gedeckt sein mit Jungsäuen und anderem Wild." Gesunde Tiere jage der Wolf in der Regel nicht, wenn er genügend andere Beute finde, weiß der Jagdberater für den Landkreis Neustadt. "Wenn es nicht zu viele Wölfe werden, dann muss es für die Natur tragbar sein."

Mensch und Wolf müssen miteinander auskommen

Michelfeld bei Auerbach
Hintergrund:

So verhalten Sie sich richtig bei der Begegnung mit einem Wolf

  • Haben Sie Respekt vor dem Tier.
  • Laufen Sie nicht weg. Wenn Sie mehr Abstand möchten, ziehen Sie sich langsam zurück.
  • Falls Sie einen Hund dabeihaben, sollten Sie diesen in jedem Fall anleinen und nahe bei sich behalten.
  • Füttern Sie niemals Wölfe; die Tiere lernen sonst sehr schnell, Menschen mit Futter in Verbindung zu bringen und suchen vielleicht aktiv die Nähe von Menschen.
  • Wolfssichtungen können beim LfU unter fachstelle-gb[at]lfu.bayern[dot]de gemeldet werden. Unter www.lfu.bayern.de gibt es ein Formular dazu. Meldungen nehmen auch das zuständige Landratsamt oder Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (in dringenden Fällen auch die Polizei) entgegen.

Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt

 

 

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