02.11.2020 - 16:49 Uhr
PfreimdOberpfalz

Zurück aus den Tropen: Hotelmanager gestrandet im Paradies vor der Haustür

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Java: So klang für Stephan Winkler bis vor wenigen Monaten das Paradies. Jetzt geht der Hotelfachmann mit Pfreimder Wurzeln neue Wege, und daran ist auch Corona schuld.

Im Sommer hat Stephan Winkler Wärme, sonne und den Strand von Lombok gar nicht so sehr vermisst, jetzt ist er gespannt auf den Winter in seiner alten und neuen Heimat Pfreimd.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Vulkanberge, Korallenriffe und endlose Strände in tropischer Umgebung: Stephan Winkler hat diese Welt meist nicht als Urlauber in Indonesien kennen gelernt, sondern als Arbeitsplatz. Sie war Teil seines Jobs als Hoteldirektor in zahlreichen Fünf-Sterne-Unterkünften. Die Corona-Pandemie hat nun dafür gesorgt, dass sein Blick an den Schönheiten seiner alten Heimat in Pfreimd und Umgebung hängen bleibt.

"Meiner Mutter ging es sehr schlecht, das hat dazu geführt, dass ich kurz vor dem Lockdown im März mit einem der letzten regulären Flüge hierher gereist bin", berichtet der Hotelfachmann. Es blieb gerade noch Zeit, um von ihr Abschied zu nehmen. Dass es auch ein Abschied von der exotischen Inselwelt Indonesiens werden würde, ist dem 58-Jährigen erst später klar geworden.

Lockdown als Einschnitt

"Eigentlich wollte ich nur mein Arbeitsvisum erneuern lassen", erzählt Winkler, "dass dies zeitlich mit dem Beginn der Pandemie zusammentraf, war Zufall, ein gar nicht so unglücklicher". Denn nach dem ersten Schock auf den leeren Straßen seiner Heimat während des Lockdowns kam für den Pfreimder eine Rückkehr nach Indonesien nicht mehr in Frage. "Es war einfach klar, dass dort keine Zukunft ist", sagt der erfahrene Manager. "Es war absehbar, dass es mit dem Tourismus auf Bali oder ähnlichen Urlaubsregionen so schnell nicht weitergeht." Die Konsequenz: Der Hotelfachmann sucht nun nach einer Perspektive in der Heimat.

Stephan Winkler hat die Pause im Berufsleben genutzt. Gerade hat er einen dreimonatigen Online-Marketing-Kurs an einer amerikanischen Universität abgeschlossen, um sich weiterzubilden, jetzt sieht er sich nach Stellen um bei Kommunen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, Tourismus oder Regionalmarketing. Mit wachem Blick saugt er auf, was man hierzulande noch an Potenzial nutzen könnte: vom Hofladen bis zur Kaffeerösterei. "Ich kann gut mit Menschen umgehen. Alles, was mit Dienstleistung zu tun hat, habe ich von Grund auf gelernt", stellt er eigene Stärken heraus.

Und auch das Paradies hat ihn einiges gelehrt. Winkler macht sich da keine Illusionen: Es ist seine Arbeit, die ihm die Existenzberechtigung für ein Leben an diesen exotischen Orten geliefert hat. Und das, so schreibt er in einem Buch, sei manchmal auch ein "Ringen unter tropischer Sonne" gewesen. "38 Jahre im Hotel, das ist doch sehr anstrengend", so seine persönliche Bilanz. "Ich weiß, wie es ist, zwischen den verschiedensten Bedürfnissen aufgerieben zu werden, zwischen Tagesbetrieb, Umsatzerwartung und den Ansprüchen der Hotelbesitzer." Das auszubalancieren sei der Job eines Hoteldirektors: "Man müsste jeden Tag mindestens 16 Stunden präsent sein, um alles richtig gut zu machen."

Besonders dann, wenn man sich wie Winkler nicht ins gemachte Nest setzen, sondern etwas aufbauen will. "Ich helfe gern, das müsste sich jetzt nur noch in einer Beschäftigung niederschlagen", so der 58-Jährige mit einem Schmunzeln. Quasi nebenbei hat er einen Sommer lang die alte Heimat touristisch neu erkundet, ein E-Bike gekauft und Bogenschießen gelernt. Statt im Meer hat er in der Pfreimd gebadet und nie versandete Freundschaften aufgefrischt.

Vielleicht ist es besser, das vermeintliche Paradies nur auf bestimmte Zeit zu genießen, in kleinen Portionen, wie eine Kur oder wie eine Medizin oder wie einen schönen Urlaub halt.


Stephan Winkler in seinem Buch "P wie primitiv"

Weil die beiden Söhne Roman (21) und Marco (17) schon groß sind, ist der Trennungsschmerz von der Familie in Indonesien nicht so hart. "Marco kommt nächstes Jahr nach dem Schulabschluss wahrscheinlich nach Europa, um hier zu studieren", freut sich Winkler. Er will dem Jüngsten schon mal ein Nest bereiten. Sollte ihn das Heimweh packen, hat der Hotelfachmann noch immer einen Trumpf in der Hand: ein Haus auf Lombok, einer Nachbarinsel von Bali. Wie sehr zieht es ihn dorthin zurück? Die Antwort fällt eindeutig aus: "Lieber nur zum Urlaub oder wenn ich irgendwann in Rente gehe!" Bis dahin hält er es so, wie in einem seiner Bücher schon 2015 angedacht: "Wenn wir wollen, können wir das Paradies auch ganz nah bei uns finden, zum Beispiel unterm Kirschbaum."

So sah Stephan Winklers "Paradies" im Jahr 2005 aus

Zur Person:

Vom "Ritz" in Paris in die große Welt

  • Ausbildung: Stephan Winkler ist in Weiden geboren und verbrachte seine ersten Lebensjahre in Mantel, bevor die Familie nach Pfreimd zog. Nach dem Realschulabschluss lernte er zunächst an einer Sprachenschule in Regensburg Englisch, Französisch und Spanisch. Es folgte eine Ausbildung zum Hotelfachmann in München (Hotel "Vier Jahreszeiten") .
  • Stationen: Im berühmte Hotel "Ritz" in Paris hat der Pfreimder genauso Erfahrungen gesammelt wie in Hamburg, Berlin oder Hongkong. Erste Führungspositionen ab 2001, Ägypten ( Hoteldirektor im "Sheraton Heliopolis Tower" Kairo), ab 2013 General Manager in Ägypten, Indonesien, Indien, Thailand und Macau (China).
  • Einblicke: Unter dem Titel "Hotelfachmann oder Wie man wird, was man ist, im Hotelfach" hat Stephan Winkler 2012 im Eigenverlag ein Buch veröffentlicht. 2015 hat er seine "Gedanken über das vermeintliche Urlaubsparadies" Bali in einem Buch mit dem Titel "P wie primitiv" festgehalten.
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