12.03.2021 - 18:07 Uhr
PfreimdOberpfalz

Wasserpreis verdoppelt sich nahezu

Es ist eine schwere Entscheidung, denn die Folgen für den Geldbeutel der Trinkwasserkunden sind enorm: Die Gebühren in der Glaubendorfer Gruppe steigen drastisch an. Zur Erhöhung gibt es keine Alternative.

Für das Trinkwasser muss in Zukunft deutlich mehr bezahlt werden. Die Gebühr steigt von 2,00 auf 3,95 Euro.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Die Gesichter waren ernst, als der Zweckverband zur Wasserversorgung der Glaubendorfer Gruppe in der Landgraf-Ulrich-Halle tagte. Eine gravierende Gebührenerhöhung musste beschlossen werden.

Die Räte waren sich in Redebeiträgen bewusst, was die neuen Wasserpreise für eine Familie, einen Rentner, einen Landwirt bedeuten. Ebenso ist es auch Fakt, dass die Wasserkunden jahrzehntelang "billiges" Wasser bezogen haben.

Doch Zweckverbandsvorsitzender Richard Tischler zeigte mit Zahlen untermauert auf, dass die Investitionen in ein marodes 27,3 Kilometer langes Leitungsnetz nicht anders als über eine Preiserhöhung zu finanzieren sind. "Das ist so, als ob ich ein 50 Jahre altes Auto reparieren muss", so Tischler.

Marodes Netz

Der Zweckverband betreibt die Wasserversorgungsanlage als öffentliche Einrichtung für Weihern (Stadt Pfreimd), Glaubendorf, Woppenhof, Rattenberg und Alletshof 1 (Wernberg-Köblitz), Söllitz und Köttlitz (Trausnitz) sowie Glaubenwies (Luhe-Wildenau).

Das Leitungsnetz des Zweckverbandes zur Wasserversorgung der Glaubendorfer Gruppe hat 50 Jahre auf dem Buckel. 969 Köpfe werden versorgt, hinzu kommen 1233 Wassergäste. Dann gab es vor gut einem Jahr ein Problem mit dem Brunnen bei Meisthof (Luhe-Wildenau). Er fiel aus: Verkeimung. Seit über einem Jahr musste das Wasser aus Wernberg-Köblitz gekauft werden. Das kostet. Richard Tischler hatte für die Verbandsräte zwar die positive Nachricht, dass der Brunnen seit Mittwoch wieder am Netz ist, doch seitdem sind Kosten entstanden und werden weitere entstehen. Eine UV-Anlage musste eingebaut werden. Seit einem Jahr heißt es spülen, Proben entnehmen, testen. Und bei einer UV-Anlage muss der Zweckverband zudem einen Wassermeister vorhalten. Das kann über die Stadt Pfreimd geregelt werden, das heißt aber hier personelle Aufstockung. Und dann kommen die Investitionen: Brunnen Meisthof, Hochbehälter Glaubenwies, Pumpwerk Glaubendorf, Leitungsnetz: "Sämtliche Anlagen sind nicht mehr auf dem Stand der Technik", fasste Tischler zusammen.

Zur Kostendeckung verpflichtet

Momentan ist die Wasserpreiserhöhung die einzige Möglichkeit. Wobei Tischler parallel ein in Auftrag gegebenes Gutachten ins Feld führte: Das Sanierungs- und Strukturkonzept soll im Herbst vorliegen. Darin sollen auch Varianten wie der Anschluss an einen anderen Zweckverband oder alternativer Wasserbezug geprüft werden. Doch derzeit sei eine Anhebung der Gebühren unvermeidbar, da der Zweckverband verpflichtet sei, kostendeckend zu arbeiten.

Die bisherige Gebührenkalkulation war auf den Zeitraum 2019 bis 2023 abgestellt. Kämmerer Christian Hechtl skizzierte dann die finanzielle Schieflage, in die der Zweckverband mit Blick auf das Keimproblem, den Fremdwasserbezug und eine Unterdeckung von 64 000 Euro zu kommen droht.

In die Kalkulation 2021 müssen nun die technische Betriebsübernahme, erhöhte Verwaltungskosten, das Sachverständigengutachten, die externe Kalkulation, das Aufmaß der Geschoßflächen und ein erneuter Fremdwasserbezug während einer künftigen Brunnensanierung und weitere nötige Investitionen eingeplant werden.

Von 2 auf 3,95 Euro

Die Fakten für den Kalkulationszeitraum von 1. Mai 2021 bis 30. April 2024: Die Verbrauchsgebühr steigt ab 1. Mai 2021 von 2 auf 3,95 Euro. Die Zählergrundgebühr je nach Größe pro Jahr von 30 auf 72, 36 auf 86,40, 48 auf 115,20 und 60 auf 144 Euro.

Andere rechtliche Grundlagen gelten für die Wassergäste, da Anlagenteile des Zweckverbandes nicht in dem Umfang benötigt werden, wie für einen direkt versorgten Einwohner. Der Wasserpreis für die Belieferung der Gemeindeteile Meisthof sowie Seibertshof (Markt Luhe-Wildenau), der Gemeindeteile Deindorf, Schwarzberg und Kötschdorf (Gemeinde Wernberg-Köblitz), der Gemeinde Trausnitz (ohne Söllitz und Köttlitz) sowie der Ortsteile Stein und Gnötzendorf (Stadt Pfreimd) beträgt bisher 1.05 Euro. Künftig sehen die Wasserlieferverträge mit Pfreimd, Trausnitz, Wernberg-Köblitz und Luhe-Wildenau eine Anhebung von 1,05 auf 2,28 Euro vor.

Der Markt Leuchtenberg hat einen Sonderstatus für Preppach und Döllnitz. Hier kostet der Kubikmeter bisher 1,46 Euro. Grund dafür ist ein Konstrukt aus dem Bezug von Wernberger Wasser, kombiniert mit der Mitbenutzung der Anlage des Zweckverbandes Glaubendorfer Gruppe.

Neukalkulation und Gebührenerhöhung kein Schnellschuss

Pfreimd

Die erste Rechnung mit den neuen Gebühren erhalten die Zweckverbandsmitglieder laut Christian Hechtl im Mai 2022, die Wassergäste zahlen vierteljährlich und erstmals im Oktober 2021 die neuen Gebühren.

Härte für Landwirte

Die Räte standen unisono hinter der Zweckverbandsentscheidung, ohne die Härten für die Wasserbezieher klein zu reden. Zweckverbandsvorsitzender Richard Tischler nannte ein Beispiel: Bei 240 Kubikmeter Jahreswasserverbrauch für einer durchschnittliche Familie steigt die Gebühr von 500 auf gut 1000 Euro. Die gravierenden Einschnitte seien unvermeidlich: "Wir müssen ein 50 Jahre altes Auto durch ein neues ersetzen." Der Etat sei "das Ergebnis der letzten Jahre", so der Wernberg-Köblitzer Bürgermeister Konrad Kiener. Angesichts der jetzigen Situation und der Investitionen gebe es keine Alternative. Verbandsrat Georg Schlögl hatte die Landwirte und ihre Tiereinheiten im Blick. Für diese Großabnehmer sei die Erhöhung eine besondere Härte. "Für viele wird es sehr teuer", pflichtete ihm Tischler bei. "Doch ich weiß nicht, wie man diese Härten abfedern könnte. Wir verdienen hier kein Geld", sondern versuche sparsam zu wirtschaften.

Informationsangebote

Nach Jahrzehnten mit günstigem Wasser seien die Anlagen abgewirtschaftet. Nun müsse der Zweckverband "Geld in die Hand nehmen", konstatierte der Trausnitzer Bürgermeister Martin Schwandner. Er könne allerdings bei den Erhöhungen die Leuchtenberger Sondersituation nicht für gut heißen. Die anderen Wassergäste würden den Preis für Döllnitz und Preppach subventionieren. Hier solle eine vertragliche Gleichbehandlung angestrebt werden.

Da coronabedingt keine Teilbürgerversammlungen abgehalten werden können, bietet der Zweckverband allen Mitgliedsgemeinden an, in Sitzungen die Situation darzustellen. Auch Bürgersprechstunden können angeboten werden.

Hintergrund:

Der Haushalt des Zweckverbandes

  • Der Gesamthaushalt des Zweckverbandes Glaubendorfer Gruppe steigt von 458 450 Euro im Vorjahr auf 1 054 750 Euro im Jahr 2021. Der Verwaltungsetat beläuft sich auf 560 600 (316.300 Euro), der Vermögenhaushalt auf 494 150 (142 150 Euro). Die darin enthaltenen Investitionen erhöhen sich von 104 400 auf 345 250 Euro. Die Kreditaufnahme beträgt nach 30 Jahren Schuldenfreiheit 260 000 Euro. Die Rücklage schmilzt von 146 000 um 142 400 Euro und beträgt nur noch 3600 Euro.
  • Den Wasserverlust von 25,90 Prozent, "das sind 30 000 Kubikmeter im Jahr", sprach Verbandsrat Georg Schlögl an. "Man müsste doch das Loch finden, wo es in die Erde läuft". Auf der 27 Kilometer langen Netzstrecke ein Leck zu finden, ist laut Zweckverbandsvorsitzendem Richard Tischler nahezu unmöglich. 90 Prozent der Anlagenteile seien 50 Jahre alt. Auf der Strecke gebe es keine Messpunkte. Da es sich zum Großteil um Asbest-Zement-Leitungen handle, scheide auch eine Ortung wie bei Gußleitungen aus.

"Das ist so, als ob ich ein 50 Jahre altes Auto reparieren muss".

Zweckverbandsvorsitzender Richard Tischler

Zweckverbandsvorsitzender Richard Tischler

"Wir müssen eine finanzielle Schieflage vermeiden"

Kämmerer Christian Hechtl

Kämmerer Christian Hechtl

 

 

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