28.07.2021 - 16:29 Uhr
PfreimdOberpfalz

Seit 40 Jahren Alleskönnerin in der Gastronomie: Wirtin "Kathi" ist in Pfreimd "Kult"

"Mann muss schon ein bisserl verrückt sein", sagt Katharina Arnold, wenn sie auf ihre 40-jährige Karriere als Wirtin angesprochen wird. Für viele Pfreimder ist sie "Kult", unvergessen ihre "Tankstelle".

Katharina Arnold, bei den meisten Pfreimdern bekannt als Kathi, hält seit 40 Jahren in der Gastronomie die Stellung. Ihr Weg als Pächterin führte sie von der "Tankstelle" in die Vereinsräume der Landgraf-Ulrich-Halle.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Tankstelle": So hieß die inzwischen legendäre Kneipe in Pfreimd, wo Katharina Arnold - bei vielen Gästen nur die Kathi - mit 20 Jahren zum ersten Mal hinter dem Tresen stand. "Ich hätte nie gedacht, dass ich hier hängen bleibe", sagt die 60-Jährige, die heute ein paar hundert Meter weiter die Vereinsräume der Landgraf-Ulrich-Halle gepachtet hat. Die Gäste, die sie damals als Jugendliche so manches Mal über die Stränge schlagen sah, sind heute erfolgreiche Geschäftsleute und verantwortungsvolle Väter. Statt des Aufback-Sandwichs vom Typ "La Flute" bestellen sie Riesengarnele und Roastbeef.

"Mit Kochen hatte ich früher eigentlich gar nichts am Hut", gesteht die Wirtin schmunzelnd. Im Nachbarort Unterköblitz hat sie Bäckereifachverkäuferin gelernt, weil das der Vater so wollte. Mit 17 ging es hinaus in die Welt, nach Garmisch, wo sie Sportartikel verkaufte und Handball spielte, mit 20 wieder zurück in die Heimat, nach Pfreimd, wo sie mit einer Bekannten den Zuschlag für die Pacht der Kneipe an der Ecke Nabburger Straße/Bahnhofstraße erhielt. Ein Jahr lang hielt das Team, dann stand die junge Frau aus Unterköblitz alleine da. "Allein schaffst du das sowieso nicht", bekam sie zu hören. Da habe sie erst recht der Ehrgeiz gepackt. Aus dem Ein-Jahres-Vertrag wurde zunächst mehr als ein Jahrzehnt, das reich ist an Erinnerungen.

Zeit der Ohrwürmer

Doch wenn es um Namen geht und Einzelheiten, dann zählt für die Pfreimder Wirtin noch immer Diskretion. Nur so viel: Alles was heute "Rang und Namen hat" in der Stadt, war zu Gast bei ihr, damals, als statt Eckbank und Tisch die lange Theke geradezu revolutionär war, die Gäste viel bechern konnten und mit den immer gleichen Sandwichs zufrieden waren. Die "Tankstelle", ja das war damals ein Muss, schildert sie bei einer Tasse Kaffee die Anfangsjahre in den 80ern und 90ern. "Das war die Zeit dieser wahnsinnigen Ohrwürmer", erinnert sich die Kathi und zählt auf: Police, Foreigner, Neue Deutsche Welle, die Spider Murphy Gang. "Gott, wie oft standen die Leute damals auf den Stühlen, wenn ,Skandal im Sperrbezirk' kam."

Dienstag war der einzige Ruhetag in dem Gastronomiebetrieb, wo die Inhaberin oft von fünf Uhr nachmittags bis fünf Uhr morgens die Stellung hielt. "Was die Verstöße gegen die Sperrzeit betrifft, hab' ich bestimmt eine ganze Akte gefüllt", räumt Kathi Arnold ein und grinst verschmitzt. "Wir waren jung, da haben wir doch nicht um ein Uhr zugemacht". Die Kehrseite: In Summe kamen da schon 10 000 bis 15 000 Mark an Strafen zusammen. In einem Fall warf sich sogar die Stadt in die Bresche, um "ihre" Wirtin in Schutz zu nehmen. "Im Fasching, da standen die Gäste in dritter oder vierter Reihe am Tresen, für manche ging's in den Morgenstunden direkt vom Barhocker in die Frühschicht", schildert sie diese wilden Jahre, in denen sie viel gelacht hat. Vergessen sind dann die Tage, an dem man es einfach keinem recht machen konnte.

Wie sich die junge Frau in dem harten Job zwischen Alkohol und Aggression damals behauptet konnte? Die Kathi lässt da keine Zweifel aufkommen: "Ich war einfach resolut, knallhart - und manchmal auch ungerecht." Manchen Rausschmiss habe sie am nächsten Tag bereut, schildert sie die Schattenseite ihrer Durchsetzungskraft, die dazu führte, das Väter später wohlweislich ihre Söhne ermahnten, sich gut zu benehmen. "Ich war vielleicht Kult, aber nicht Everybody's Darling", urteilt die 60-Jährige heute. Und dann war da noch Ehemann Rainer, den sie in der "Tankstelle" kennengelernt hat. "Ohne familiären Background hältst du das nicht durch", so das Resümee nach 40 Jahren.

Die Pacht und das Feierabend-Seidl

Für die "Tankstelle" kam schließlich das Aus, als die Pacht mehr als verdoppelt wurde. Katharina Arnold suchte nach einer neuen Herausforderung, übernahm in manchen Jahren sogar zwei Betriebe parallel, obwohl sie bis zum 30. Lebensjahr eigentlich "so gut wie nichts gekocht" hatte. Das änderte sich mit dem "Filou" in Wernberg. Auch das "Beinhart", das "Steigerhäusl" in Stulln, das "Scavi" in Pfreimd am Marktplatz und das Schützenheim waren Stationen im Leben der Wirtin, die nach eigenem Bekunden so etwa alle zehn Jahre neue Wege gehen wollte. Ihr Credo: "Man darf nie stehen bleiben."

Der erzwungene Stillstand in der Corona-Pandemie hat auch die erfahrene Wirtin hart getroffen. Angesichts hoher Pachtbeträge hat sie schon vorher gewarnt, dass bald Schluss sein wird mit dem "Feierabend-Seidl". Im Moment in der Gastronomie Fuß zu fassen, das sei ein Ding der Unmöglichkeit. "Jetzt, wo die Leute Licht im Tunnel sehen, darf auf keinen Fall wieder zugemacht werden", meint sie. Eine ganze Gäste-Generation sei da verloren gegangen in der Pandemie: "Alles privat, jeder hat sich ein Nest gesucht in der Pandemie, in einem Keller, einer Hütte oder einer Garage", gibt die Gastronomin zu bedenken: "Da ist dann kein Wirt mehr da, der Grenzen aufzeigen könnte." Erst recht keiner, der 40 Jahre durchhält in einem Job, in dem die Zeitspanne für einen Pächterwechsel durchschnittlich unter einem Jahr liegt. "Ein hartes Stück Brot" sei das, aber in ihrem Fall auch eine Berufung. "Ich kann mir nichts anderes vorstellen als Wirtin", sagt die 60-Jährige. "Außer vielleicht Politiker: Da kann man auch so viel schmadern, ohne dass das am anderen Tag Folgen hat."

Corona und die Folgen für die Gastronomie: Zweites Standbein, aber keine Hilfen

Pfreimd
Wirtin Katharina Arnold will noch mindestens so lange wie Bürgermeister Richard Tischler (links) im Job durchhalten. Bei der Feier des Dienstjubiläums schlug ihr Michel Weiler von der Brauerei Naabeck aber auch vor, die 50 noch voll zu machen.
Hintergrund:

Umbrüche, Neuanfänge und die ideale Kombination

  • Von der "Tankstelle" zum Speiselokal: Bei Katharina Arnolds erstem Gastronomiebetrieb lag der Schwerpunkt auf Getränken. In den folgenden Jahren wurde Kochen aber immer wichtiger. Bei "Surf'n'Turf" am 31. Juli stehen beispielsweise Rumpsteak mit Käsehaube oder Riesengarnele und Roastbeef auf der Speisekarte in den Vereinsräumen der Landgraf-Ulrich-Halle.
  • Prägende Erfahrung: Aktuell ist kein Familienmitglied in Sicht, das in die Fußstapfen von Katharina Arnold steigen will. Tochter Lisa hilft zwar hin und wieder mit, hat sich aber ebenso wie ihr Bruder Sebastian eher Richtung Betriebswirtschaft orientiert und dabei "sicher auch etwas aus den Jahren ihrer Mutter in der Gastronomie mitgenommen".
  • Miteinander: Gastronomie ist nichts für Einzelkämpfer, so die Erfahrung von Katharina Arnold: Rückendeckung von der Familie aber auch der Rückhalt seitens der Behörden und letztlich auch von den Gästen sind ihrer Ansicht nach entscheidend für ein Überleben.
  • Zukunft: Im Jonglieren zwischen Großevents und kleinen Veranstaltungen liegen für die Pfreimder Wirtin die künftigen Chancen der Gastronomie.
  • Voraussetzungen: "Wer nicht bereit ist, täglich mindestens zehn Stunden zu arbeiten, hat in der Gastronomie nichts zu suchen", so die Pfreimder Wirtin, die alle Elemente ihres Berufs schätzt: vom Einkauf, über die Küche bis hin zu Service, Organisation und Buchhaltung.

"Was die Verstöße gegen die Sperrzeit betrifft, hab' ich bestimmt eine ganze Akte gefüllt."

Wirtin Katharina Arnold

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