05.11.2020 - 17:03 Uhr
PfreimdOberpfalz

Auf dem Pfreimder Eixlberg Bäume dem Licht entgegen führen

Der Herbstwald am Pfreimder Eixlberg ist schön. Damit er Schädlingen und Klima weiterhin trotzt, muss der Forstbetrieb Schnaittenbach Hand anlegen. Das heißt Auslichten hier, eine Baumart da zurückdrängen, eine andere dort "aufpäppeln".

Der Rückeweg durchzieht wie eine Wunde den Eixlberg. Sie wird aber vernarben, sind sich Forstleute sicher. Rückewege werden nicht gepflegt. Egal, wie lange die Waldverjüngung auf dem Eixlberg noch dauert, er geht sanft vonstatten. Bagger werden nicht mehr anrollen.
von Irma Held Kontakt Profil

An diesem Morgen herrscht kein Wetter für einen Waldspaziergang am Eixlberg: Nebel, feuchte Frische, leichter Regen. "Wir freuen uns über den Regen, der einsickert und nicht wegfließt", sagt Philipp Bahnmüller, Leiter des Forstbetriebs Schnaittenbach. Ein Spaziergang im bunten, raschelnden Herbstlaub ist auch nicht der Grund des Treffens mit Oberpfalz-Medien. Philipp Bahnmüller und Revierförster Simon Schmidt erläutern am Eixlberg den Waldumbau oder genauer dessen Verjüngung. Denn im Grunde steht der Wald am Eixlberg nicht schlecht da: mehrere Baumarten statt Monokultur.

Dennoch müsse der Mensch regulierend eingreifen, sogenannte "Wunden schlagen", mal kleinere, mal größere. Eine der größeren sind für die Besucher des Heiligen Bergs der Pfreimder die Rückewege. "Das sieht nicht schön aus", sind sich Bahnmüller und Schmidt einig. Diese Schneisen sind vor allem in Hanglagen notwendig, um arbeiten zu können. Die Rückegassen werden nicht als Wege ausgebaut und sollen vergrasen. Am neuen Rückeweg wurden drei vom Borkenkäfer befallene Fichten entdeckt und sofort gefällt. Während der Wald Zeit braucht, darf man dem Borkenkäfer keine lassen.

Was bisher auf dem Eixlberg passiert ist

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Mindestens vier Baumarten, so die Vorgabe aus dem Ministerium, sollen in den Wäldern wachsen. Schmidt führt an eine Stelle, an der es deutlich mehr sind. Die beiden Forstfachleute zeigen auf Ahorn, Eiche, Douglasie, Tanne. Buchen wachsen hier sowieso. Der Eingriff ist je nach Waldstück unterschiedlich groß. Bahnmüller spricht von einer Mischwuchs-Regulierung.

"Nur weil hier eine Tanne anwächst, heißt es noch nicht, dass sie durchkommt." Bahnmüller zufolge sind die Nadeln weich und ein Leckerbissen für Rehe. Hier kommen bei der Waldverjüngung Jäger und Abschusspläne mit ins Spiel. "Wir wollen auch Birken erhalten", obwohl laut Schmidt die Birke ein Pionier auf Schadflächen ist. Wenn es gar nicht anders geht, wird am Eixlberg gepflanzt, zum Beispiel eine Kirsche. Versuche mit Exoten, wie Esskastanie oder Libanonzeder, laufen auf anderen Flächen.

Wandern am und zum Eixlberg

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Heimischen Arten geben die beiden Forstfachleute den Vorzug, denn Spätfröste zum Beispiel mögen südländische Bäume gar nicht. "Wir befinden uns in einer Übergangszeit", skizzieren sie den Status quo. Fichten oder Buchen ist es an manchen Standorten zu trocken, doch das reiche noch nicht für Pinie oder Palme. Die Douglasie - mehrere stehen schon seit Jahrzehnten am Eixlberg - ist eine dieser neuen Baumarten, die sich eignet. Der Kampf der nachwachsenden Bäume ist vor allem ein Kampf ums Licht. Bei der Waldverjüngung auf dem Eixlberg tragen die Forstleute dem Rechnung, indem sie auch große Bäume fallen. Rückt ein Bedränger dem Wunschbaum zu nahe, muss er weichen. Wachstum und Schönheit steuern die Forstleute hauptsächlich über Licht.

Wir setzen auf heimische Baumarten, nur wenn wir nicht weiter kommen auf Exoten.

Philipp Bahnmüller, Leiter des Forstbetriebs Schnaittenbach

Philipp Bahnmüller, Leiter des Forstbetriebs Schnaittenbach

Wenn ich in diesen Mischwald reinschaue bin ich als Förster beruhigt, denn es gibt genug schöne Bäume.

Simon Schmidt, Revierförster

Simon Schmidt, Revierförster

Hintergrund:

Waldumbau

Der Klimawandel fordert die Forstwirtschaft. Vor allem Fichtenreinbestände könnten Probleme bekommen. Fichten haben ein flaches Wurzelsystem, sind deshalb auf regelmäßige Niederschläge angewiesen und haben weniger Halt bei Stürmen, heißt es bei den Bayerischen Staatsforsten zum Stichwort Waldumbau. Aber nicht nur die durch den Klimawandel gefährdeten Wälder werden gezielt umgebaut, sondern auch alle übrigen Flächen werden als struktur- und artenreiche Wälder erhalten oder zu solchen entwickelt. Durchforstungen und Pflegemaßnahmen fördern die erwünschten Laubholz- und Tannenanteile.

  • Klimaempfindliche Nadelwälder werden in widerstandsfähige Mischwälder umgebaut, die zu mindestens 30 Prozenz aus Laubbäumen bzw. Tanne bestehen.
  • Naturverjüngung: Aus den Samen der Altbäume entwickelt sich die nächste Baumgeneration. Die gewünschten Baumarten werden durch waldbauliche Maßnahmen und eine waldfreundliche Jagd gezielt gefördert. Etwa zwei Drittel Verjüngungsfläche im Bayerischen Staatswald liefert die Natur von selbst.
  • Künstliche Verjüngung durch Pflanzung oder Saat, wenn keine geeigneten Samenbäume in ausreichender Nähe vorhanden sind oder übermäßige Konkurrenzvegetation, wie etwa Brombeere, eine Naturverjüngung verhindert oder bei größeren Schadflächen.

 

 

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