26.09.2019 - 16:04 Uhr
PfreimdOberpfalz

Pfreimd: Attacke auf den Kirwabaum

Der größte Schatz des Pfreimder Kirwavereins ist 27 Meter lang und streng bewacht. Wer ihn klaut, hat die Schadenfreude auf seiner Seite. So manchem Überfall-Kommando reicht schon ein Vordringen bis zum Lagerplatz des Baums.

Bis Jahreszahlen und Ornamente in die Rinde beschnitzt sind, braucht es viel Zeit. Nicht weniger anspruchsvoll ist die Bewachung des Kirwabaums.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Gut platziert und gerade gewachsen muss er sein, der Baum, der zum Symbol des Kirchweihfestes wird. Im Stadtwald von Pfreimd ist der Kirwaverein fündig geworden und hat ein Prachtexemplar gefällt. Jetzt lagert das Kultobjekt seit Montag in der großen Halle, die das Busunternehmen Vogl den Vereinsmitgliedern unentgeltlich für diesen Zweck zur Verfügung gestellt hat. Hier ist der Baum zumindest einigermaßen sicher. Denn groß ist die Schmach, sollte er tatsächlich gestohlen werden.

Der Aufwand für einen zünftigen Kirwabaum ist enorm, immer feiner ist seit Gründung des Kirwavereins vor 15 Jahren das Schnitzwerk ausgefallen. Ein fünfköpfiges Baumteam kümmert sich darum, die Umrisse von Schablonen und Buchstaben auf die Rinde zu übertragen. Ohne die bayerische Raute geht da nichts, aber auch ein jährlich wechselnder Spruch gehört inzwischen dazu. "Was wir heuer draufschreiben, ist aber noch nicht ausdiskutiert", erklärt Kirwavereins-Vorsitzender Jörg Irlbacher. Drei Tage lang schnitzen und schälen jeweils drei fähige Kirwa-Burschen etwa acht Stunden lang am Baum. Ganz zum Schluss wird noch das Stadtwappen aus Metall angebracht, und parallel dazu müssen die fürs Aufstellen benötigten Schwalben auf Vordermann gebracht werden. Klar geregelt ist dabei auch die Chef-Frage: Heuer löst Kevin Lösch Matthias Blödt in dieser Funktion ab. Für die Deko mit Kränzen und Bändern sind die Kirwa-Moidln zuständig.

Inzwischen wissen die Baum-Verantwortlichen, dass nicht nur beim Aufstellen so einiges schief gehen kann. "Für mich ist das Umsägen der spannendste Moment", berichtet Matthias Blödt. Doch auch die Baumspitze kann Probleme machen. Vor zwei Jahren hat sie den Kräften in luftiger Höhe nicht standgehalten und ist herunter gekracht. "Glücklicherweise wurde niemand verletzt", berichten Irlbacher und sein Vereinskollege Sebastian Reger, die von Jahr zu Jahr dazugelernt haben. Inzwischen wird die Spitze über eine metallene Hülse mit dem Stamm verbunden, das sorgt für Stabilität.

Die größte Gefahr aber ist damit noch nicht gebannt. Tief sitzt das Trauma, nachdem es vor etlichen Jahren Pfreimder Jungunternehmern tatsächlich gelungen ist, in einer spektakulären Aktion den Baum zu stehlen. Da half es auch nichts, dass die Halle abgesperrt war. Die Kirwaburschen mussten Lösegeld zahlen in Form von Bier und Brotzeit. Eine Baumwache ist deshalb Pflicht. "24 Stunden rund um die Uhr, das verlangt die Tradition", erklärt Irlbacher, schließlich gehe es hier um die Ehre.

Dass es da trotzdem keine hundertprozentige Sicherheit gibt, mussten die Bewacher am Mittwochabend feststellen. Während eines möglicherweise eigens zu diesem Zweck arrangierten und fingierten Pressetermins schlichen sich acht schwarz gekleidete und vermummte Angreifer bewaffnet mit einer Motorsäge über eine Hintertür in die Lagerhalle. Zur Konfrontation mit den Bewachern, die gerade Marco Linke fürs Regionalfernsehen OTV ihren Schlachtruf demonstrierten, kam es dann aber nicht. Denn das Überfall-Kommando lüpfte die schwarzen Mützen und Kapuzen und entpuppte sich als eine Gruppe von Müttern, deren Kinder zu den Aktiven im Kirwaverein gehören. An einer Entführung des Kirwa-Baums hatten die freilich kein Interesse, eher schon am Überraschungseffekt. Wie sich herausstellte, hatte ein Vogl-Bus die Gruppe direkt aufs Gelände gebracht. "Das Schwierigste war das lange Warten auf den perfekten Moment", berichtete Anführerin Kerstin Birner, "und dass wir in unserem Versteck fast eine Dreiviertelstunde nicht reden konnten".

Die zahlenmäßig deutlich überlegenen Kirwa-Burschen nahmen den Vorstoß nicht krumm. Es dauerte allerdings doch ein paar Minuten, bis sie die wagemutigen Damen mit Bier versorgten. Waren sie nun überrumpelt oder einfach nur cool? "Ich hab gleich gesehen, dass das eine Motorsäge ohne Kette ist", gibt sich Kirwavereins-Vorsitzender Irlbacher gelassen. Über den letzten Baum-Diebstahl ist schon etwas Gras gewachsen, der Kirwaverein selbst hat ihn in einem Theaterstück thematisiert. Und die Diebe von einst? Die Kirwa-Burschen haben den Spieß umgedreht: "Die Täter haben wir zum Bewachen verpflichtet, die treten jetzt vor jeder Kirwa auch ihre Schicht hier an."

Angeführt von Kerstin Birner (links) mit Motorsäge hat sich das "Überfall-Kommando" am Mittwochabend in die Halle geschlichen und den Baum zumindest besetzt.
Zur Entspannung steht nach dem Schnitzen am Kirwabaum das Nagelspiel auf dem Programm. Gewinner ist, wer zuerst den Nagel mit der schmalen Seite des Maurerhammers ins Holz schlägt. Hier versucht Vereinsvorsitzender Jörg Irlbacher sein Glück.
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