19.07.2021 - 10:28 Uhr
PfreimdOberpfalz

Ohne Druck gegen Lese-Defizite: Pfreimder Bücherei lockt mit Stempel und Glückslos

Überall klagen Lehrer gegen Lese-Defizite, Corona hat das noch verschärft. Ein Rezept gegen solche Schwächen hat als eine von rund 180 Bibliotheken in Bayern die Pfreimder Stadtbücherei. Die Devise: "Alles kann, nichts muss".

Korbinian und Klara haben in der Pfreimder Stadtbücherei schon mal kurz hinein geschmökert, um herauszufinden, welcher Band in dem Sortiment an nagelneuer Ware ihnen gefallen könnte.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Der Stapel an neuen Büchern ist fast so hoch wie die kleinen Leseratten groß sind. Verlockend daran sind nicht nur bunte Buchdeckel und spannende Titel, es geht auch um die Mitgliedschaft in einem exklusiven Club und einen Hauptgewinn. "Lesen was geht!" lautet die Aufforderung für Kinder und Jugendliche bei der Aktion, an der sich die Stadtbücherei Pfreimd heuer zum siebten Mal beteiligt. Jetzt geht es los mit der Anmeldung, die Club-Ausweise für hungrige Leseratten liegen längst schon bereit.

Etwa 50 bis 60 Sechs- bis 16-Jährige haben sich in den vergangenen Jahren in Pfreimd an dem Leseclub beteiligt, während der Ferien fleißig schmökert und das auch per Bewertungskarte dokumentiert. "Für jedes gelesene Buch bekommt man einen Stempel in die dafür vorgesehene Club-Karte", animiert Bücherei-Leiterin Irmi Sittl zum Mitmachen: "Mit etwas Glück kann man so einen der vielen tollen Preise gewinnen." Als Hauptpreis der Stadtbücherei hat Bürgermeister Richard Tischler heuer eine Saisonkarte für das Freibad Perschen gestiftet. Der Bibliotheksverband lockt bayernweit mit einem zweitägigen Familienausflug ins "Legoland" nach Günzburg.

"Klar schreien jetzt nicht alle Kinder hurra, wenn sie in den Ferien lesen sollen", weiß die Bibliotheksleiterin, aber die Gelegenheit sei gerade jetzt günstig. "Viele Lehrer berichten mir von Defiziten, die durch das Home-Schooling in der Corona-Pandemie entstanden sind", so Sittl: "Jetzt könnte man beim Lesen aufholen, ganz entspannt und ohne Druck."

Serien wie das "Magische Baumhaus" sind da populärer als manche Schullektüre, dazu kommt der Stolz auf eine Liste, die der Club-Ausweis dokumentiert, "vor allem dann, wenn der Platz für die vielen Stempel gar nicht mehr ausreicht". Die Bücherei hat für diesen Fall vorgesorgt und ergänzt mit einem Beilageblatt.

Besonders fleißige Leser schaffen schon mal 20 bis 40 Titel in den Sommerferien. "Einmal hatten wir den Fall, dass ein Mädchen sogar hundert Bücher gelesen hat, die Mutter konnte das bestätigen", staunt Sittl. Damit möglichst wenig getrickst wird, sollen die Teilnehmer quasi als Beweis eine Bewertungskarte pro Buch ausfüllen. Die Kleineren vergeben dann Kommentare per Smiley, die Größeren müssen schon etwas ausführlicher darlegen, wie sie ein Buch fanden. Jede Karte fungiert als Los und kommt in die Box, die noch bis 19. September in der Bücherei steht. Wer viel liest, erhöht somit auch seine Chancen auf einen Gewinn. "Also nix wie ran an die Bücher", gibt die Leiterin der Pfreimder Stadtbücherei den Startschuss. Im vergangenen Jahr haben in Bayern immerhin 14 200 Kinder in den Sommerferien diese Chance genutzt, ganz nach dem Motto "alles kann, nichts muss". "Damit ist der Sommerferien-Leseclub das erfolgreichste Ferienprogramm Bayerns."

Bücherei als Schnittpunkt von Ehrenamt und Leidenschaft

Pfreimd
Hintergrund:

Initiative "Lesen was geht!" mit Verlosung

  • Konzept: „Lesen was geht!“ ist eine Initiative des Bayerischen Bibliotheksverbandes e.V. und wird von der Bayerischen Staatsbibliothek/Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen konzipiert.
  • Zeitraum: ab 21. Juli Anmeldungen möglich; letzte Chance zur Teilnahme an der Verlosung am 19. September
  • Alter: für Kinder von 6 bis 16 Jahren
  • Gewinn: Urkunde für alle; Hauptpreis in Pfreimd eine Saisonkarte fürs Freibad in Perschen, bayernweit ein zweitägiger Familienausflug ins "Legoland" Günzburg inklusive Anfahrt mit der Bahn und Übernachtung im "Pirateninsel-Hotel".
  • Teilnehmer: mehr als 180 Bibliotheken in Bayern; über 14.200 Kinder haben sich bayernweit 2020 beteiligt
  • Öffnungszeiten: auch während der Ferien Mittwoch und Freitag von 16 bis 18 Uhr, Sonntag von 10 bis 12 Uhr.

"Viele Lehrer berichten von Defiziten, die durch Home-Schooling in der Corona-Pandemie entstanden sind. Jetzt könnte man beim Lesen aufholen, ganz entspannt und ohne Druck."

Irmi Sittl, Leiterin der Stadtbücherei

Irmi Sittl, Leiterin der Stadtbücherei

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