26.07.2021 - 16:47 Uhr
PfreimdOberpfalz

Mit Mordlust und Mathematik zum Oberpfalz-Krimi

Mit "Herzstich" war ihr Weg als Autorin vorgezeichnet. So heißt der erste Regionalkrimi von Sonja Silberhorn. Inzwischen hat sie kräftig nachgelegt. Oberpfalz Medien verrät sie, wie man in der Oberpfalz "erfolgreich mordet".

Die Regensburger Autorin Sonja Silberhorn schickt ihre Ermittler seit zehn Jahren durch die Oberpfalz. Jetzt wagt sie sich in einem zweiten Handlungsstrang in "Höllbachtal" weit zurück in die Vergangenheit.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Höllbachtal" heißt der jüngste und achte Oberpfalzkrimi der Regensburger Autorin Sonja Silberhorn. Die 41-Jährige hat es nach einem Umweg über die Hotellerie geschafft, sich einen Platz auf dem Markt mit Lokalkolorit zu erobern. Inzwischen schreckt sie mit ihren Figuren auch vor Ausflügen in die NS-Zeit nicht zurück, streift dabei reale Ereignisse in Flossenbürg, Schwarzenfeld und Neunburg. Im Interview erklärt sie, wie ihre Romane entstehen, und warum sie als Autorin gerne einen Abstecher Richtung "Reiseführer" unternimmt.

ONETZ: Sonja Silberhorn, ist das eigentlich ihr richtiger Name?

Sonja Silberhorn: Das ist tatsächlich mein Geburtsname, inzwischen bin ich verheiratet und habe eigentlich einen Doppelnamen. Als Autorin bin ich aber beim alten geblieben.

ONETZ: Wie wird man Krimi-Autorin?

Sonja Silberhorn: Ich habe schon immer wahnsinnig viel gelesen. In meiner Jugend habe ich angefangen zu schreiben. Als ich dann im Hotelfach arbeitete, war die Idee für den ersten Roman geboren, das war dann eben keine philosophische Abhandlung, sondern ein Krimi.

ONETZ: Welche Eigenschaften muss man da neben der Idee mitbringen?

Sonja Silberhorn: Ohne ein grundlegendes Sprachgefühl wird es schwierig. Mann muss bereit sein, sich intensiv mit etwas zu beschäftigen und darf nicht aufhören dazuzulernen. Man sollte ein Menschenfreund sein, einer der beobachtet und genau hinschaut. Und man braucht ein dickes Fell bei Kritik, wenn man Romane schreibt. Aber das lernt man.

ONETZ: Was ist ihre Stärke?

Sonja Silberhorn: Ich denke mal, ein ausgewogenes Verhältnis zu mir selbst. Ich stelle mein Licht nicht unter den Scheffel, kann aber auch selbstkritisch sein, ohne gleich an mir zu verzweifeln. Also irgendwo zwischen Murks und Schulterklopfen.

ONETZ: Wie finden Sie ihren Stoff?

Sonja Silberhorn: Das ist von Geschichte zu Geschichte unterschiedlich. Beim "Naabtalblues" war es die Kunstszene in Kallmünz. Es geht immer um Themen, die mich bewegen, beispielsweise die Me-too-Debatte. Manchmal ist es aber auch ein Charakter oder ein Zeitungsausschnitt, wo dann der Kopf die Geschichte weiterspinnt.

ONETZ: Acht Krimis sind schon veröffentlicht, haben sie die Morde inzwischen satt?

Sonja Silberhorn: Die Ideen gehen mit nicht aus, da bin ich optimistisch, und das Segment Krimi funktioniert ziemlich gut. Aber im Moment, da mir der Lockdown noch in den Knochen steckt und ich eine kleine Tochter habe, bin ich froh über die Möglichkeit, mit einem Reiseführer rauszukommen. Mich in eine neue Geschichte zu verlieren, das das würde mir im Augenblick schwerfallen.

ONETZ: Machen Reiseführer mehr Spaß?

Sonja Silberhorn: Momentan tut mir der Wechsel jedenfalls gut. Ein Krimi ist doch eher was fürs stille Kämmerlein. Beides ist die perfekte Kombination.

ONETZ: Kennen Sie so etwas wie eine Schreib-Blockade?

Sonja Silberhorn: Klar ist er an manchen Tagen schwieriger, aber ich fange einfach an. Auch wenn die ersten Sätze holpern – nach fünf Sätzen ist man drin.

ONETZ: Haben Sie einen Bauplan oder schreiben Sie einfach drauflos?

Sonja Silberhorn: Bei Krimis braucht es unbedingt einen Bauplan. Die haben etwas von einer mathematischen Gleichung. Alles muss logisch sein. Der Leser darf sich nicht veräppelt fühlen. Es funktioniert aber auch nicht, den Mörder wie ein Kaninchen aus dem Hut zu zaubern – und trotzdem sollte das Ende überraschen. Ich mache mir immer einen Excel-Tabelle mit Szenenplan, die ist aber nicht in Stein gemeißelt.

ONETZ: Wie haben Sie einen Verlag gefunden?

Sonja Silberhorn: Ich hatte viel Glück zu einer Zeit, als noch nicht alles über Literaturagenten lief, habe vier Verlage für Regionales angeschrieben und eine Zusage bekommen.

ONETZ: Wie war es, das erste Buch in Händen zu halten?

Sonja Silberhorn: Oh, das ist lange her. Einerseits war ich voller Stolz, andererseits extrem nervös. Mit so einer Debüt macht man sich ja angreifbar, weil viele Anteile von einem selber drinstecken, es ist eine Herzensangelegenheit.

ONETZ: Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf ihr Leben als Autorin?

Sonja Silberhorn: Wenn man ein Kind hat, beschränkt das unter diesen Bedingungen die Arbeitszeit. Es gab viele Verschiebungen und kaum Lesungen. Ich habe kein Problem damit, allein zu arbeiten, aber der Kontakt nach draußen fehlt. Mit diesem Umstand haben aber sicher viele Freiberufler zu kämpfen.

ONETZ: Taugt die Pandemie als Kulisse oder Stoff für einen Roman?

Sonja Silberhorn: Ehrlich gesagt glaube ich, dass da literarisch noch viel kommen wird. Allerdings muss man das erst verdauen und sacken lassen. Jetzt sind wir noch zu sehr mittendrin, um darüber zu schreiben.

Picknick mit Autorin Sonja Silberhorn

Pfreimd
Hintergrund:

Sonja Silberhorn

  • Werdegang: geboren 1979 in Regensburg, Kindheit und Jugend im Umland, Abi, BWL-Semester an der Uni Regensburg, nach Abbruch des Studiums Hinwendung zum Hotelfach mit Stationen in Oberfranken, Berlin und auf den Kanaren, Rückkehr nach Regensburg mit Jobs in der Gastronomie und im kaufmännischen Bereich, inzwischen selbstständig als Autorin, verheiratet, eine Tochter.
  • Veröffentlichungen: acht Oberpfalz-Krimis, ein Reiseführer "111 Lost Places in der Oberpfalz, die man gesehen haben muss" (alle im Emons Verlag erschienen).

 

 

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