29.09.2020 - 15:55 Uhr
PfreimdOberpfalz

Hygienekonzept auch fürs Saftmachen

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Die ersten Äpfel sind reif und wollen verarbeitet sein. Doch nicht alle Gartenbauvereine öffnen ihre Mosterei. In Pfreimd und Oberviechtach läuft die Obstpresse mit Maske und Abstand gut. Stress haben meist nur die Anlieferer.

Die Mosterei des Obst- und Gartenbauvereins Oberviechtach läuft auch während der Corona-Pandemie. Im geräumigen Vereinsheim sind die geforderten Hygienevorschriften für Personal und Kunden leicht einzuhalten.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Die Hinweisschilder an der Einfahrt zum Gelände des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Oberviechtach weisen auf die Hygienevorschriften hin. Am Tor vor der Mosterei steht Desinfektionsmittel bereit. Personal und Kunden tragen Masken und halten Abstand. Es wuseln keine ganzen Familien über den Hof, und auch der gemütliche Plausch beim Warten fällt meist flach. "Ansonsten haben wir heuer wieder ein normales Obstjahr", sagt Vorsitzender Karl Ruhland im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Denn während es 2019 viel Laub und wenig Früchte gab, tragen die Bäume heuer gut.

Die Obstpresse des Gartenbauvereins Pfreimd bei der Apfelernte 2019

Pfreimd

Corona bremst aus

Der OGV Oberviechtach startete am 5. September mit der modernen Voran-Einbandpresse in die siebte Saison. Seit Mitte des Monats wird nun jeden Freitag und Samstag gepresst. Beim Gartenbauverein Dieterskirchen - trotz Obstlehrpfad rund ums Dorf - bleibt es still in der Mosterei.

"Unser Raum ist viel zu klein und beengt. Wir können die geforderten Hygienevorschriften nicht einhalten", erklärt Vorsitzender Manfred Schafbauer auf Nachfrage der NT-Redaktion. Es fehle nicht nur am Platz, sondern auch an einem separaten Ein- und Ausgang. Das Vorstandsteam habe deshalb einstimmig beschlossen, zur Sicherheit von Personal und Kunden auf das Saftpressen zu verzichten.

"Wir haben gute bauliche Voraussetzungen. Unsere Mosterei ist coronatauglich", erklärt dagegen Reinhold Kumeth, Vorsitzender des OGV Pfreimd. Denn das Vereinshaus in der Schrebergartenanlage verfügt über zwei große Tore, die für die Durchlüftung sorgen. "Außerdem muss man das Gebäude zur Anlieferung und Abholung nur auf circa einem Meter betreten." Kumeth berichtet, dass heuer mehr Kunden aus dem Weidener Raum kommen, da dort eine Mosterei ausfällt.

Jeder bekommt einen Termin. Wir pressen so lange, bis alle Äpfel weg sind.

Karl Ruhland, Vorsitzender des OGV Oberviechtach

Karl Ruhland, Vorsitzender des OGV Oberviechtach

Das fällt auch Karl Ruhland auf. Schon vormittags um 9 Uhr fährt ein Wohnmobil aus Neustadt/WN vor, vollgefüllt mit Kisten voller Weintrauben. "Die Mosterei des Gartenbauvereins Speinshart hat die Saison aufgrund der Covid-19-Pandemie abgesagt", erzählt der Kunde beim Ausladen.

Auch ein Herr aus Tännesberg freut sich, dass er sein Obst in Oberviechtach zu köstlichem Saft verwandeln lassen kann. "Jeder bekommt einen Termin. Wir pressen so lange, bis alle Äpfel weg sind", verspricht Ruhland. Bei der schlechten Ernte im Vorjahr waren dafür nur vier Tage notwendig; in anderen Jahren läuft die Anlage schon mal bis November. Die Leute müssten sich deshalb auch nicht stressen, denn "bei unreifen Äpfeln leidet die Saftqualität und überreifes Obst ist schlecht für die Maschine."

Das liegt auch Reinhold Kumeth am Herzen, der an ungeduldige Anrufer appelliert: "Bitte nicht überreif, aber auch nicht grün anliefern." Am braunen Kern erkenne man, wenn der Apfel reif ist, so der geprüfte Gartenpfleger.

Wir haben gute bauliche Voraussetzungen. Unsere Mosterei ist coronatauglich.

Reinhold Kumeth, Vorsitzender des OGV Pfreimd

Reinhold Kumeth, Vorsitzender des OGV Pfreimd

Die Sorten Jakob Fischer, Gravensteiner, James Grieve oder Rubinola gehören jedenfalls zu den Sorten, die bereits im September sterilisiert in Bag-in-Box oder Flaschen abgefüllt werden können. "Die Nachfrage nach Flaschen steigt wieder", sagt Kumeth. Aber die Abfüllanlage schaffe hier maximal 300 Liter pro Stunde, während bei den Beuteln schon 400 Liter möglich seien. "Aber nur bei einer größeren Anlieferungsmenge." Gerne werden Birnen oder Holunder mit dazugegeben.

Noch zu früh für Quitten

Quitten dagegen sollten erst am Ende der Saison in die Mosterei wandern. "Wenn sie richtig reif sind und nicht mehr so hart", bittet der Pfreimder OGV-Vorsitzende. Denn dann seien sie keine so große Belastung mehr für die Mühle.

In Oberviechtach musste diese Woche bereits der Monteur an die im Jahr 2014 angeschaffte moderne Einband-Presse. "Jetzt gehen halt langsam auch die Reparaturen an", sagt Karl Ruhland schmunzelnd. Doch der Betrieb am Wochenende sei gesichert. Maria Forster steht am "Zapfhahn" im Abfüllraum, der ebenfalls zwei Türen und ein Fenster aufweist.

Mit Maske

Hier geht es heuer nicht so stressig zu. "Fast zu gemütlich", meint die junge Frau lachend und probiert von den angelieferten blauen Weintrauben. "Wir vergeben die Termine mit größeren Zeitfenstern, um die Abstandsregel einhalten zu können", informiert der Vorsitzende. "Kommen Sie pünktlich, aber nicht überpünktlich", so der Wunsch. Ziel sei es, dass sich möglichst wenige Personen gleichzeitig auf dem Vereinsgelände aufhalten. "Wir pressen mit Maske. Das kann ganz schön anstrengend werden", betont Karl Ruhland.

Auch Reinhold Kumeth hat in Pfreimd die Sicherheit im Blick. Er stockte sein Team (Altersdurchschnitt liegt unter 65 Jahren) auf: "Wir arbeiten heuer zu fünft. Bei uns kommt nur eine Person mit den Leuten in Kontakt, alle anderen sind abgeschirmt."

Die neue Obstpresse des OGV Oberviechtach überzeugt

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