25.01.2019 - 14:40 Uhr
PfreimdOberpfalz

Gegen blinden Gehorsam

"Wenn Recht zu Unrecht wird, dann wird Widerstand zur Pflicht, Gehorsam aber Verbrechen": Dieses Motto hat das Pfreimder Bündnis gegen Rechts beim Gottesdienst zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus eindrucksvoll umgesetzt.

Das Gottesdienst-Team des Pfreimder "Bündnis gegen Rechts" gestaltete mit Pfarrer P. Georg von der katholischen Pfarrgemeinde und der evangelischen Pfarrerin Irene Friedrich (im Vordergrund) in der Pfarrkirche den ökumenischen Gottesdienst anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus. Eindrucksvoll wurden an einem Stacheldraht Rosen geheftet, um zu mahnen: "Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht".
von Redaktion ONETZProfil

Voller starker Gesten, eindrucksvoller Bilder und mahnender Worte war der Gedenkgottesdienst in der Pfarrkirche. Tänzerinnen und Tänzer unter der Leitung von Monika Strehl stimmten die besucher mit einem Kerzentanz meditativ ein. Auch Stacheldraht, der neben den Altar aufgespannt war, deutete darauf hin, dass ein etwas anderer Gottesdienst zu erwarten war.

Das Pfreimder Bündnis gegen Rechts, bestehend aus der katholischen Stadtpfarrei und der evangelischen Kirchengemeinde, der Stadt Pfreimd, DGB, Verdi, allen im Stadtrat vertretenen Parteien und Gruppierungen, dem Arbeitskreis Asyl, der Landgraf-Ulrich-Schule mit ihrem Elternbeirat und der Jugendfeuerwehr, stellte heuer ein Thema aus dem Römerbrief in den Mittelpunkt des Gottesdienstes. In Kapitel 13 wird dazu aufgerufen, dass jeder den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam leisten solle, da es keine staatliche Gewalt gebe, die nicht von Gott stamme. Wer sich der staatlichen Gewalt widersetze, stelle sich gegen die Ordnung Gottes.

Im Laufe der Geschichte ist diese Passage vielfach missbraucht worden, sowohl zur Rechtfertigung von diktatorischen und absolutistischen staatlichen Regimen, aber auch als Entschuldigung für blinden Gehorsam und Mitläufertum. In einer eindrücklichen Meditation zu diesem sperrigen Bibelwort versuchten Mitglieder des Bündnisses, unter ihnen Bürgermeister Richard Tischler und der stellvertretende Landrat Arnold Kimmerl, aufzuzeigen, dass dieser Text oft aus dem Kontext gerissen wurde und so für "viele Ausgrenzung, Schikane und Vernichtung" bedeutete. Wohin blinder Gehorsam und unreflektierendes Mitläufertum führen können, hat sich im Laufe der Geschichte auch im Holocaust gezeigt. Für Christen heute gelte es daher den Vorbild Dietrich Bonhoeffers zu folgen, der erkannt hat, dass dort, wo Recht zu Unrecht wird, jeder Christ die Pflicht zum Widerstand hat. Symbolisch wurden zu den Texten Rosen an den Stacheldraht geheftet.

Pfarrerin Irene Friedrich sah in ihrer Predigt in der jüngsten Zeit eine Rückkehr von rechten Gedankengut in Deutschland, was ihr Sorge bereite. Die Hemmschwelle für menschenverachtende Äußerungen und Handlungen werde immer niedriger und rechte Parteien würden sogar den Landtag für ihre wohl inszenierten Tabubrüche nutzen und sprächen ganzen Menschengruppen ihre fundamentalen Rechte ab. Zu den Fürbitten, in den denen allen Opfern des Nationalsozialismus, aber auch den Menschen, die heute unter Terror leiden, gedacht wurde, zündeten alle Gottesdienstteilnehmer eine Kerze an und ließen so den mit Blumen geschmückten Stacheldraht in warmen Licht erstrahlen.

Pfarrer Pater Georg dankte dem Team des Pfreimder "Bündnis gegen Rechts" mit Motor Kurt F. Stangl für die anspruchsvolle Gestaltung. Zum Abschluss brachte Alina Kraus in Begleitung ihres Bruders Adrian das Lied "Für die Liebe" beeindruckend zu Gehör. "Wir haben die Wahl" und "Ich entscheid´ mich für die Liebe und für die Menschlichkeit", das war gewissermaßen die Hausaufgabe für die Gottesdienstbesucher, die nachdenklich das Gotteshaus verließen.

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