13.11.2020 - 16:51 Uhr
PfreimdOberpfalz

"Bußgeldbescheid" trifft die Falsche

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Christina Dillig und ihr Ehemann Sebastian aus Stein bei Pfreimd lachen noch immer amüsiert über eine kuriose Verwechslung, die ihnen fast einen Bußgeldbescheid eingebracht hätte. Es geht um ihre Autonummer SAD-D 1225.

Christina Dillig und das vermeintliche "Corpus Delikti": Amüsiert erzählt die die Geschichte über ihren Zeugenfragebogen.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Etwa ein Jahr fahren Sebastian und Christina Dillig ihren weißen Ford Kuga. Nun flatterte Christina Dillig ein Zeugenfragebogen für eine Temposünde ins Haus - begangen in einem Ort, in dem sie nachweislich nie gewesen ist.

"Blitzt ham ses"

Ende Juli flatterte den Dilligs ein Zeugenfragebogen des Zweckverbandes zur kommunalen Verkehrsüberwachung Oberpfalz ins Haus. Oje, zu schnell gefahren? Sebastian Dillig öffnet das Kuvert. "Blitzt ham ses", stellt er kurz und bündig fest. Seine Mutter blickt ihm über die Schulter. "Das ist doch nicht die Christina", meint sie mit Blick auf das Foto.

Die Frau dürfte so zwischen 60 und 70 Jahre alt sein, schätzt Christina Dillig. Doch sie sitzt anscheinend in einem weißen Ford - wenn es auch kein Kuga ist. Und auf dem im Schreiben angegebenen Nummernschild steht doch tatsächlich das gleiche Kennzeichen wie es die Dilligs haben: SAD-D 1225.

Blick in die Arbeit des Zweckverbandes

Schwandorf

Ob das ein Fake ist? Ob sich jemand für die Bußgeldstelle ausgegeben hat, um Geld abzuzocken? Nein, der Brief ist echt. Christina Dilligs Bruder, in dessen Agentur das Auto versichert ist, rät zunächst zum klärenden Gespräch bei der Polizei. "Ich glaub, die haben sich etwas belustigt. Zu denen kommen bestimmt viele mit einem Bußgeldbescheid und behaupten, nicht gefahren zu sein", meint Christina Dillig. Außerdem war in diesem Fall die Polizei der falsche Adressat: Geblitzt hatte ja der Zweckverband.

Noch nie in Girnitz

Christina und Sebastian Dillig setzen sich nun mit dem Zweckverband für kommunale Verkehrsüberwachung Oberpfalz in Amberg in Verbindung, schildern den überprüfbaren Sachverhalt. "Ich konnte ja belegen, dass ich mich am 2. Juli um 14.09 Uhr an meinem Arbeitsplatz befunden habe. Flüchtig betrachtet gebe es eine gewisse Ähnlichkeit mit der Frau auf dem Foto, doch sie sei älter und trage auch den Haarscheitel anders. Was das Nummernschild anbelangt, war hier noch der kleine Aufdruck "Autohaus Bähnk" angebracht. "Und in Girnitz bei Schwarzhofen war ich in meinem ganzen Leben noch nicht", erzählt Christina Dillig lachend.

Dann lag ein Schreiben im Briefkasten: Darin wurde Christina Dillig um Entschuldigung für die Verwechslung im Zeugenfragebogen gebeten und erklärt, dass das Verfahren damit eingestellt sei. Christina Dillig überlegte schon, ob eventuell ihre Nummerkombination in der Zulassungsstelle als verfügbar gelistet war, obwohl sie schon vergeben war. "Vielleicht ist einfach vergessen worden, sie aus dem Verzeichnis zu streichen".

Ein Ablesefehler

Dem ist nicht so: Der Irrtum ist beim Zweckverband für kommunale Verkehrsüberwachung entstanden. "Es handelt sich um einen Ablesefehler des Kennzeichens bei der Bearbeitung, wobei wir uns bei Herrn und Frau Dillig wegen der entstandenen Unannehmlichkeiten ganz aufrichtig entschuldigen möchten", betont Julia Rösch, beim Zweckverband Leiterin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. "Wir haben nach der Kontaktaufnahme durch Herrn Dillig den Bescheid geprüft, schnell den Fehler gefunden und den Bußgeldbescheid eingestellt." Ein neuer Zeugenfragebogen ging anschließend an den Halter des korrekten Fahrzeugs. "Sprich, das Kennzeichen der Familie Dillig ist auch nicht doppelt belegt."

Rösch erklärt noch, dass bei der Sachbearbeitung jedes Kennzeichen manuell von einem der Mitarbeiter erfasst und geprüft wird. Leider sei hier trotz größter Sorgfalt ein Fehler passiert. Wie Julia Rösch erläutert, ist auch jede Menge abzuarbeiten: "2019 hatten wir knapp 164 000 Fälle im fließendem Verkehr, wovon jeder manuell von unserem Team erfasst wurde."

Über die Verwechslung wird jedenfalls immer noch in der Familie Dillig gelacht. "Wenn ich zu spät komme, heißt es 'warst wohl wieder in Girnitz'. erzählt Christina Dillig. "Jetzt weiß ich immerhin, wo das ist."

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