22.04.2021 - 16:56 Uhr
PfreimdOberpfalz

Aufräumen als Entdeckungsreise: Ehrenamt in der Bücherei Pfreimd macht's möglich

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Ein Leben ohne Bücher: unvorstellbar für Marion Demleitner. In der Pfreimder Stadtbücherei ist sie nicht nur als Leserin heimisch geworden – und experimentierfreudiger. Wieso, das verrät sie bei einem Anlass, der sie in den Fokus rückt.

Marion Demleitner arbeitet seit zehn Jahren ehrenamtlich in der Pfreimder Stadtbücherei und liebt dort das Aufräumen über alles, weil es so viele Entdeckungen mit sich bringt.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Wer Marion Demleitner nach ihrem Lieblingsbuch fragt, steht ganz schnell vor dem Regal mit den Biographien. Wo ist nur das Buch "Die Bertinis" von Ralph Giordano hingekommen? Etwa schon aussortiert? Mag schon sein, denn die Stadtbücherei Pfreimd ist kein Archiv, kein Antiquariat, sondern eine Leihbücherei. Was nicht nicht häufig entliehen wird, hat wenig Chancen auf einen Stammplatz. "Wer hier ein Buch mit nach Haus nimmt, sollte nicht das Gefühl haben, dass man erst den Staub wegblasen muss", sagt die Chefin Irmi Sittl, seit Januar die einzige bezahlte Kraft zwischen den Regalen. Doch funktionieren kann die Einrichtung nur mit vielen ehrenamtliche Tätigen, zu denen Marion Demleitner gehört. Seit zehn Jahren hält sie sie hier die Stellung.

Wegen der Corona-Pandemie fand ihre Ehrung als ehrenamtliche Helferin ohne großes Publikum statt. Dafür mit genügend Zeit, um einen ganz neuen Blick auf das Kapitel Aufräumen zu werfen. Von den drei Tätigkeitsfeldern Ausleihe, Rückgabe und Aufräumen, ist der 54-Jährigen letzteres am liebsten. "Immer wieder ergeben sich da kleine Gespräche über Bücher, im Vorbeigehen kann man neue Werke entdecken, und man stößt beim lesen der Klappentexte auf interessante Themen", erzählt der Bücherfan. "Ohne den Job in der Bücherei wären mit viele gute Bücher durch die Lappen gegangen."

Das Interesse an Gedrucktem hat Marion Demleitner aber schon mitgebracht, als sie vor zehn Jahren bei einer Lesung spontan zusagte, in der Bücherei auszuhelfen. "Ich habe eigentlich schon immer mit dieser Arbeit geliebäugelt", gesteht die Sozialversicherungs-Fachangestellte, "aber manchmal braucht es dazu erst noch einen Tritt." Freilich gehört es nicht erst seit der Corona-Pandemie zum Aufgabenfeld der Ehrenamtlichen, die Bücher grundsätzlich nach jeder Ausleihe abzuwischen. "Man glaubt gar nicht wie dreckig so ein Buch ist", wissen die Mitarbeiter, "besonders die Kinderbücher". Der Plastikeinband, mit dem grundsätzlich jedes Werk geschützt ist, scheine Schmutzpartikel regelrecht anzuziehen.

"Es ist ein gutes Gefühl, wenn man die Bände sauber aus dem Regal zieht", sagt die 54-Jährige. Das ist aber nicht der einzige Glücksmoment im Bibliotheksdienst. "ich genieße die Zusammenarbeit zwischen Alt und Jung", bekennt sie. Und erst recht die strahlenden Kinderaugen, wenn ein ganzer Stapel bunter Bilderbücher mit nach Hause darf. Wer einen Bücherwurm wie sie fragt, welches Lieblingsbuch sie mit auf eine einsame Insel nehmen würde, dem schwappt ratloses Entsetzen entgegen. "Nur ein Buch? Einen ganzen Container", wünscht sich Marion Demleitner. Angesichts begrenzter Lesezeit ist sie froh, dass sie sich bei der Wahl der Bücher auf das konzentrieren kann, was ihr wirklich gefällt. "Durch das Ausleihen bin ich experimentierfreudiger geworden", resümiert sie, "wenn ein Buch nichts taugt, dann bringe ich es einfach zurück".

Unter den über 700 ehrenamtlichen Arbeitsstunden in der Bücherei, die voraussichtlich auch 2021 wieder anfallen, werden etwa 70 sein, die auf Demleiters Konto gehen. Vielleicht auch mehr, wenn Norbert Auer Recht hat, der als Stellvertreter von Bürgermeister Richard Tischler zusammen mit Irmi Sittl das Engagement der Ehrenamtlichen würdigte, die auch in Pandemiezeiten durchhalten. "Anstecken geht leider nicht", bedauerte Auer mit Blick auf das Ehrenabzeichen des Sankt Michaelsbundes in silber, das er Marion Demleitner aushändigte. Abschlussessen, Lesungen, all das ist vorerst abgesagt. "Aber wenn wir alle verschobenen Veranstaltungen nachholen, dann werden wir ganz viele helfende Hände brauchen", verspricht die Chefin in der Bücherei.

Neue Struktur mit bewährtem Team

Pfreimd

"Durch das Ausleihen bin ich experimentierfreudiger geworden", resümiert sie, "wenn ein Buch nichts taugt, dann bringe ich es einfach zurück."

Marion Demleitner, seit zehn Jahren ehrenamtliche Mitarbeiterin der Bücherei

Marion Demleitner, seit zehn Jahren ehrenamtliche Mitarbeiterin der Bücherei

Die Leiterin der Pfreimder Stadtbücherei Irmi Sittl (links) und Norbert Auer als Stellvertreter des Bürgermeisters gratulierten Marion Demleitner zu ihrer zehnjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit in der Bücherei. Dafür gab es einen Blumenstrauß und das Ehrenabzeichen des sankt Michaelsbundes.
Hintergrund:

Stadtbücherei Pfreimd: Vom Einkauf bis zur Ausleihe

  • Öffnungszeiten: Sonntag 10 bis 12 Uhr, Mittwoch und Freitag von 16 bis 18 Uhr.
  • Kontakt: Über die Homepage der Stadt Pfreimd (Link zu Stadtbücherei unten) sind sämtliche verfügbaren Bücher über die Mediensuche "Findus" abzufragen, für registrierte Nutzer auch zu reservieren. E-Mail: buecherei[at]pfreimd[dot]de
  • Verbund: Die Pfreimder Bücherei ist Mitglied im Sankt Michaelsbund, einem Medienhaus in der Erzdiözese München und Freising. Als ältester bayerischer Büchereiverband betreuen und unterstützen die Landesfachstelle, die Diözesanstelle und die Münchner Büchereizentrale bayernweit mehr als 1100 kirchliche und kommunale Büchereien bei ihrer Bildungsarbeit.
  • Bücherei in Zahlen: 12.534 Medien (Stand zum Jahresende 2020), 366 aktive Leser (136 Kinder, 230 Jugendliche und Erwachsen), 32 Neuanmeldungen, 24 Mitarbeiter (2020 ausschließlich auf ehrenamtlicher Basis), 714 Arbeitsstunden .
  • Auszeichnung: Bücherei-Siegel in Silber des Sankt Michaelsbundes.

Die Stadtbücherei Pfreimd im Internet

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