Ein Bauprojekt für die Zukunft Pertolzhofens

In Pertolzhofen nehmen die Dorfgemeinschaft und die Gemeinde ein ehrgeiziges Vorhaben in Angriff: Ein "Haus der Vereine" und ein Dorfgemeinschaftshaus sollen die Antwort auf das Wirtshaussterben geben.

Ein Planentwurf zeigt das mögliche Aussehen für das Zukunftsprojekt in Pertolzhofen. Auf dieser Ansicht aus Richtung der Dorfeinfahrt ist im Hintergrund der bereits bestehende Vereinsstadl zu sehen, daran anschießend das Dorfgemeinschaftshaus und vorne rechts das Haus der Vereine. Dort soll sich im Erdgeschoss das Musikerheim befinden, darüber das Schützenheim eingerichtet werden.
von Externer BeitragProfil

Das Interesse der Bevölkerung an dem Vorhaben ist offenbar enorm: Knapp 100 Interessierte kamen zur Bürgerversammlung ins Gasthaus Winderl, als der aktuelle Planungsstand für ein Haus der Vereine und ein Dorfgemeinschaftshaus vorgestellt wurde. Umgesetzt werden soll das Projekt im Zuge einer Einfachen Dorferneuerung. Das Interesse freute Bürgermeister Martin Prey, der die umfangreichen Vorarbeiten zu dieser Versammlung lobte.

Letztes Wirtshaus schließt

In einer ausführlichen Präsentation schilderte Gemeinderat Herbert Laubmann die Situation in Pertolzhofen. Diese zeichnete ein umfassendes Bild über das Leben im Dorf und in den Vereinen, nannte Bedürfnisse für die Zukunft und erläuterte das Wunschprojekt der Vereinsgemeinschaft. Auslöser für letzteres sei, dass in absehbarer Zeit das letzte von einstmals fünf Gasthäusern schließt. Das Feuerwehrhaus mit einem Unterrichtsraum für etwa 30 Personen sei für die meisten Veranstaltungen viel zu klein und ungeeignet. Das Jugendheim der Kirchenstiftung - zur Zeit noch in Benutzung durch die Blaskapelle - sei derart marode, dass die Diözese Regensburg bereits auf den Abbruch dränge.

Wenn das Wirtshaus schließt, verliere nicht nur der Schützenverein sein Domizil. Es seien auch fast alle Vereine betroffen, die dann keine Spielersitzungen, Christbaumversteigerungen, Weihnachtsfeiern, Mitgliederversammlungen, Vorträge oder Ehrenabende mehr abhalten könnten. Dies lasse auf lange Sicht den Tod der Vereine befürchten und damit einhergehend, einen Verlust von Lebensqualität. Auch der Pfarrgemeinde fehle dann eine Örtlichkeit, beispielsweise für Seniorennachmittage, Tauf- und Kommunionfeiern.

Florian Winderl, Vorsitzender des FC Pertolzhofen, umriss den Punkt "Zielsetzung". So soll das Projekt von der ganzen Bevölkerung getragen und nicht "von oben" aufgesetzt werden. Das Dorfgemeinschaftshaus soll Räumlichkeiten für breitgefächerte Interessen bieten, aber auch die Wirtshauskultur aufrecht erhalten. Ein Ort für alle Bürger und Vereine wird angestrebt. Um dem Bürgerhaus Leben einzuhauchen, möchte man viele verschiedene Interessenten ins Boot holen, um einen hohen Ausnutzungsgrad zu erreichen. Es müsse allerdings jedem klar sein, dass ein Vorhaben dieser Größe schwer zu realisieren ist. Unabhängig von Förderung und gemeindlichen Zuschüssen, müssten auch alle Einwohner hinter diesem Projekt stehen und einen Beitrag dazu leisten - egal ob mit finanzieller Hilfe oder durch handwerkliche Eigenleistung.

Wie Bürgermeister Martin Prey erläuterte, habe sich die Gemeinde im Vorfeld über mögliche Fördertöpfe erkundigt. Ziemlich schnell hatte das Amt für ländliche Entwicklung Gelder für das Vorhaben in Aussicht gestellt. Zur Auflage wurde gemacht, dass die Gemeinde Planungs- und Bauträger des Projekts ist. Baubeginn sollte noch heuer sein, die Fertigstellung ist für 2020 vorgesehen. Die Planungsleistungen wurden an Architekt Hermann Hösl aus Nabburg vergeben. Er war bereits in die Vorplanung involviert und habe als Schützenmitglied auch Sachwissen für Schießstände.

Bei der Aussprache kamen Fragen über Kosten, Finanzierungen und Förderhöhen auf. Allerdings könnten diese Punkte erst mit der endgültigen Planung bei der nächsten Infoveranstaltung genau erläutert werden. Diskutiert wurde über verschiedene Heizungen und die Ausrichtung des Pultdachs mit Blick auf eine Photovoltaiknutzung. Auch der Bau eines Dorfbackofens wurde angesprochen.

Noch viel zu erledigen

Gemeinderat Wunibald Zwack würdigte das generationsübergreifende Interesse an diesem Projekt. Sein Dank galt Florian Winderl, der eine Grundstücksfläche zum Bau des Hauses der Vereine zur Verfügung gestellt habe. Bürgermeister Martin Prey nannte als weitere Schritte Arbeitstreffen mit dem Architekten, Vorbereiten der Antragsunterlagen und Einreichung beim Landratsamt, ebenso der Zuschussanträge. Erst wenn der Gemeinde der Zuwendungsbescheid vorliege, stehe die endgültige Förderhöhe fest, könne das Projekt umgesetzt werden. Doch bis dahin müssten noch viele Hausaufgaben erledigt werden. In Bezug auf das Bibelgleichnis von den törichten Jungfrauen appellierte er dazu, "nicht zu warten, bis das letzte Licht im Dorf ausgeht, um dann plötzlich festzustellen, dass der Ort verwaist ist".

Die Planungen:

Den aktuellen Planungsstand erläuterte Thomas Bauer. Der erste gemeinsame Entwurf sei in enger Kooperation zwischen Vereinen und Planer entstanden. Dieser sehe zwei Gebäude vor, damit Sicherheitsvorschriften eingehalten und Vereinsvorgaben angepasst werden können. Es erfolge eine räumliche Trennung von Vereins-, Schützen- und Musikerheim mit barrierefreiem Zugang in alle drei Teilbereiche. Das Heizungssystem versorge alle Gebäudeteile. Bauer erklärte den Grundriss des Musikerheimes im Erdgeschoss, das einen kleinen und einen großen Proberaum, ein Archiv und einen Gemeinschaftsraum mit Teeküche und zwei WCs mit rund 150 Quadratmetern umfasst.

Schützenmeister Michael Fuchs erläuterte den Plan für den Schützenstand mit einem barrierefreiem Eingang aus Richtung Kirchensteig. Im ersten Obergeschoss sollen sechs Schießstände für Luftdruckwaffen, ein Aufenthaltsraum/Auswertungsraum, Umkleidekabinen und zwei Toiletten Platz finden. Für die Ausrichtung der Traditionsschießen biete sich das Dachgeschoss an, dort sieht die Planung drei Zimmerstutzen-Ständen mit 15 Metern Länge vor.

Den derzeitigen Grundriss für das Dorfgemeinschaftshaus erklärte Gemeinderat Wuni Zwack. Es werde direkt an den Vereinsstodl angebaut und umfasst einen großen Raum mit rund 100 Quadratmetern. Mit einer Trennwand möchte man für alle Veranstaltungsgrößen gerüstet sein. Eine Küche, Theke, Technikraum für Heizung und Toiletten schließen sich an. Das Dachgeschoss wird beim jetzigen Planungsstand nicht ausgebaut. Eine Feuertreppe würde als Notausgang von der Galerie des Vereinsstodls und als Zugang zum Dachgeschoss des Dorfheimes genutzt werden können. Thomas Fink ermöglichte per 3D-Video und einem Modell aus dem 3D-Drucker, dass sich die Anwesenden den aktuellen Planungsstand noch leichter vorstellen konnten. (exb)

Auf großes Interesse stieß die Bürgerversammlung im Gasthaus Winderl. Gemeinderat Herbert Laubmann (stehend) erläuterte die Situation in Pertolzhofen und verdeutlichte die Notwendigkeit zum Bau von Dorfgemeinschaftshaus/Haus der Vereine.
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