06.06.2021 - 08:02 Uhr
PechbrunnOberpfalz

Helfer vor Ort darf in der Gemeinde Pechbrunn nicht mehr ausrücken

Lorenz Jungnickl ist seit zwölf Jahren als Helfer vor Ort in der Gemeinde Pechbrunn im Einsatz. Wegen einer coronabedingten Regelung, eingeführt vom BRK-Kreisverband, darf er aber seit längerem schon nicht mehr ausrücken.

Seit zwölf Jahren engagiert sich Lorenz Jungnickl als Helfer vor Ort in der Gemeinde Pechbrunn. Nach den aktuellen BRK-Richtlinien darf er mit seinem Privat-Pkw aber nicht mehr zu Einsätzen ausrücken.
von Josef RosnerProfil

Zwischen 20 und 32 Einsätze pro Jahr bewältigte Lorenz Jungnickl seit 2009 als sogenannter Helfer vor Ort (HvO) in der Gemeinde Pechbrunn. 2020 waren es coronabedingt lediglich fünf Einsätze, seit elf Monaten darf er gar nicht mehr ausrücken. Der Grund ist eine Regelung, die der BRK-Kreisverband eingeführt hat.

Team aus Mitterteich übernimmt

Bürgermeister Stephan Schübel hatte dieses Thema nun auf die Tagesordnung der jüngsten Gemeinderatssitzung gesetzt. Dabei dankte er dem im Zuhörerbereich anwesenden Lorenz Jungnickl zunächst für dessen ehrenamtlichen Dienst in den vergangenen zwölf Jahren. Schübel berichtete von einer Anordnung des BRK-Kreisverbandes, wonach ein Helfer vor Ort nicht mehr mit dem Privatauto ausrücken dürfe. Seit diese Regelung gilt, übernehme das HvO-Team des BRK Mitterteich mit eigenem Dienstfahrzeug die Einsätze in der Gemeinde Pechbrunn mit. Schübel gab zum Hintergrund zu bedenken, dass der HvO auf Autobahnen ohnehin nicht zum Einsatz komme, sondern nur im örtlichen Bereich. Nach Ansicht des Bürgermeisters sei der Stopp der bisherigen Praxis schade, "allerdings können wir als Gemeinde da kaum etwas ändern".

Ganzer Landkreis betroffen

Thomas Dehmel (SPD) zeigte keinerlei Verständnis für diese Regelung und meinte: "Das kann doch alles nicht wahr sein." Laut Bürgermeister Stephan Schübel könnten HvO-Kräfte wegen dieser Regelung nur noch in 11 von bislang 17 Kommunen im Landkreis Tirschenreuth zu Einsätzen fahren. "Ich hoffe, da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen", sagte Schübel und ergänzte: "Wir haben einen erfahrenen Ehrenamtlichen vor Ort und der darf jetzt nicht mehr helfen - das ist nur schwer darstellbar." Zweiter Bürgermeister Josef Hollmann (CSU) machte deutlich, dass ein Helfer vor Ort die Rettungskräfte doch nur unterstützen wolle - und das dürfe man jetzt nicht mehr. Dem anwesenden Lorenz Jungnickl wurde kurz das Wort erteilt. In seinen Ausführungen bestätigte er die Angaben des Bürgermeisters. Bürgermeister Stephan Schübel versicherte abschließend, dass er das Gespräch mit dem BRK-Kreisverband suchen wolle, um eine Lösung herbeizuführen.

Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien erklärte stellvertretender BRK-Kreisgeschäftsführer und Pressesprecher Sven Lehner, dass die Hygienebestimmung, wonach mit Privatfahrzeugen keine HvO-Einsätze mehr gefahren werden dürfen, bereits seit Juli vergangenen Jahres existiere. Lehner machte deutlich, dass aufgrund der Corona-Pandemie Privatfahrzeuge und Dienstfahrzeuge strikt zu trennen seien. Ein Dienst-Pkw müsse nach der Nutzung immer wieder gründlich desinfiziert werden, bei Privatfahrzeugen sei dies nicht in gleicher Weise sichergestellt. Lehner betonte, dass es schwer hinnehmbar wäre, wenn es aufgrund eines HvO-Einsatzes zu einer Infektion komme. „Das wäre doch der Super-GAU, wenn sich die Familie eines Helfers ansteckt“, so Lehner.

Hervorragende Arbeit

Gleichwohl wisse Lehner um die Sorgen in den betroffenen Kommunen. "Ich weiß, wir haben viele engagierte Helfer vor Ort, die gerne helfen wollen, dies derzeit aber nicht können oder dürfen." Lehner bat aber um Verständnis für das Handeln des Kreisverbandes. "Wir hoffen alle, dass dies bald wieder möglich sein wird", so Lehner über die Einsätze mit Privat-Pkws. Lorenz Jungnickl bescheinigte er eine hervorragende Arbeit über viele Jahre hinweg.

"Das wäre doch der Super-GAU, wenn sich die Familie eines Helfers ansteckt."

Stellvertretender BRK-Kreisgeschäftsführer Sven Lehner über die HvO-Regelung

Im Gemeinderat ging es auch um eine neue Gedenkstätte

Pechbrunn

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.