07.05.2021 - 12:51 Uhr
PechbrunnOberpfalz

Gemeinde Pechbrunn will an Todesmarsch-Opfer erinnern

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Nahe Pechbrunn wurden im April 1945 zwölf Menschen verscharrt, die bei einem Todesmarsch ums Leben gekommen waren. Über den Antrag für die Schaffung eines Gedenksteins hat nun der Gemeinderat diskutiert.

Zweiter Bürgermeister Josef Hollmann deutet auf den Bereich nahe der Alten Mitterteicher Straße, wo im April 1945 zwölf Opfer eines Todesmarsches verscharrt worden waren.
von Josef RosnerProfil

Ute Döhler (Bündnis 90/Die Grünen) hatte bereits vor Monaten den Antrag gestellt, im Gedenken an die Opfer eines Todesmarsches vom April 1945 einen Gedenkstein oder eine Gedenktafel zu installieren. Damit solle an die Menschen erinnert werden, die nahe Pechbrunn den Tod fanden. Jetzt wurde das Thema im Gemeinderat wieder aufgegriffen.

Juden und Zwangsarbeiter

Bürgermeister Stephan Schübel berichtete, dass er recherchiert und auch Zeitzeugen befragt habe. Demnach seien damals an der Alten Mitterteicher Straße zwölf Opfer eines Todesmarsches notdürftig verscharrt worden. "Ob sie an dieser Stelle verstarben oder gar erschossen wurden, ist nicht klar", so der Bürgermeister. Fest stehe aber, dass der Todesmarsch, der das Konzentrationslager Flossenbürg zum Ziel hatte, durch das Gemeindegebiet führte. Nach seinen Recherchen handelte sich bei den Opfern um Juden und Zwangsarbeiter, so Schübel weiter.

Nach Kriegsende seien die Leichen ausgegraben und auf dem Friedhof in Pechbrunn in zwei Gräbern bestattet worden. Der Beisetzung hätten die Pechbrunner Bürger beiwohnen müssen, das sei ein angeordneter Plichttermin gewesen, wie Schübel ausführte. Mitte der 50er Jahre, so der Bürgermeister, seien die Opfer exhumiert worden, seitdem seien sie nicht mehr vor Ort bestattet. Schübel warf die Frage auf, wo ein Gedenkstein oder eine Tafel stehen sollte - am Friedhof oder in dem Waldstück an der Alten Mitterteicher Straße. Dabei verwies er darauf, dass es in der Gemeinde schon Denkmäler gebe, die an die Opfer der Weltkriege erinnern.

Gedenken am Volkstrauertag

Frieda Vogelhuber (CSU) fragte, ob nach so langer Zeit noch eine solche Maßnahme nötig sei, zumal jährlich am Volkstrauertag aller Weltkriegs-Opfer gedacht werde. Isgard Forschepiepe (SPD) sprach sich für ein spezielles Gedenken aus, es gehe schließlich um Opfer des Nazi-Regimes. Ein Gedenkstein oder eine Gedenktafel wären eine Mahnung gegen das Vergessen. Auch Zweiter Bürgermeister Josef Hollmann (CSU) erinnerte daran, dass am Volkstrauertags immer an die Opfer der damaligen Zeit erinnert werde. Zentrale Gedenkstätten seien in Pechbrunn und in Groschlattengrün schon vorhanden.

Ute Döhler sprach sich klar für eine eigene Gedenkstätte aus und gab zu bedenken, dass es nur noch wenige Zeitzeugen gebe. Es gehe um das Schicksal dieser zwölf Menschen, die auf Gemeindegebiet zu Tode kamen, so Döhler. Josef Hollmann wies darauf hin, dass es mehrere Todesmärsche in der Region gegeben habe: "Wir können doch nicht alle paar Kilometer einen Gedenkstein aufstellen." Thomas Dehmel (SPD) befürwortete ein gesondertes Gedenken an diese Opfer, auch um die Menschen heute und künftig zum Nachdenken zu bringen. "Es braucht ja nur ein Stein mit einer kurzen Inschrift zu sein", meinte Dehmel und sah darin auch einen Anstoß gegen das Vergessen.

"Die Leute sollen wissen, dass dies vor unserer Haustüre passiert ist."

Johannes Wolfrum (CSU)

Andreas Fuchs (CSU) hielt für einen Stein oder eine Tafel eine zentrale Stelle des Gedenkens wie den Friedhof für gut geeignet. Dies sahen auch Dominik Wolf und Johannes Wolfrum (beide CSU) so. "Die Leute sollen wissen, dass dies vor unserer Haustüre passiert ist", sagte Wolfrum in Bezug auf einen Stein oder eine Tafel. Bürgermeister Stephan Schübel warf ein, dass auf dem Friedhof auch ums Leben gekommene Zwangsarbeiter ruhten.

Weitere Gespräche angekündigt

Der Gemeinderat war sich am Ende einig, dass das Gedenken an die Opfer dieses Todesmarsches bewahrt werden soll. Bürgermeister Stephan Schübel kündigte dazu weitere Gespräche an, über die er den Gemeinderat informieren will. Anschließend soll über den Standort entschieden werden und auch darüber, ob ein Stein oder eine Tafel gestaltet wird.

In der April-Sitzung hat sich der Gemeinderat ebenfalls mit Anträgen befasst

Pechbrunn

 

 

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