26.10.2020 - 11:00 Uhr
ParksteinOberpfalz

Witron-Chef Walter Winkler über Corona, Mitarbeiterbeteiligung und Stiftungen

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Walter Winkler, Gründer der Witron Logistik + Informatik GmbH in Parkstein (Kreis Neustadt/WN), über sein prosperierendes Unternehmen, Lebensgrundsätze und warum Stiftungen für ihn ein Zukunftsmodell sind.

Walter Winkler vor dem Parksteiner Basaltkegel
von Reiner Wittmann Kontakt Profil

Der Parkstein ist ein längst erloschener Vulkan, keine zehn Kilometer nordwestlich von Weiden gelegen. Von weitem sichtbar dominiert er eine grüne, hügelige Landschaft. Wie geschaffen für Mountainbiker und Naturliebhaber scheint die Gegend.

Auf diese sanften Höhenzüge der nördlichen Oberpfalz schaut Walter Winkler, wenn er aus dem Fenster seines Wohnhauses blickt. Das liegt inmitten des Firmengeländes seines Lebenswerks, der Witron GmbH, am Fuße des Basaltkegels.

4200 Menschen arbeiten für das „Intralogistik“-Unternehmen, das in der nach dem Vulkan benannten Ortschaft zwar seinen Firmensitz hat, aber weltweit Niederlassungen unterhält. „In zwei Jahren werden es sechseinhalb Tausend Mitarbeiter sein“, sagt Winkler voraus. Vor knapp 50 Jahren hat der gebürtige Weidener und überzeugte Oberpfälzer zusammen mit seiner Frau Hildegard das Unternehmen gegründet. Damals waren sie zu zweit.

Witron-Kunden sind überwiegend Einzelhandelsfilialisten, „Retailer“ aus dem Lebensmittelsektor, wie REWE, Edeka, Intermarché (Frankreich), Mercadona (Spanien) oder die US-amerikanische Walmart-Kette. Branchenriesen. Witron plant, errichtet und betreibt für sie Logistik-Zentren, große Hallen, in denen ihre Waren zwischengelagert und für den Versand an die Filialen kommissioniert werden.

Internationale Präsenz

Der Automatisierungsgrad der Anlagen ist extrem hoch. Witron bietet daher auch deren Betreuung im laufenden Betrieb an. Eine Win-win-Situation: „Heute unterhalten wir fast 50 Servicestandorte und sind so in jedem Land, in dem wir aktiv sind, mit unseren Spezialisten präsent.“

Walter Winkler sitzt zufrieden an seinem Esstisch und plaudert drauf los. Er sehe sich in seinem Kurs bestätigt, sagt der 82-Jährige: „Corona konnte uns bislang nichts anhaben, da wir von langfristigen Aufträgen leben und unsere Kunden hauptsächlich Lebensmittelketten sind. Das ist krisensicher, denn gessn wiad imma“, erklärt Winkler in Dialekt und mit Oberpfälzer Charme. „Kurzarbeit war bei uns noch nie Thema.“

Daran hat auch Corona nichts geändert. Ganz im Gegenteil. Witron stellt im großen Stil ein, im September haben gut 100 junge Menschen eine Ausbildung begonnen. „Wir brauchen gute Leute, unser Geschäft brummt“: Auf dem Parksteiner Firmengelände sind Bagger und Handwerker unterwegs, ein 160-Millionen-Erweiterungsbau wird neue Produktionskapazitäten schaffen.

„Die Menschen sind das Wichtigste überhaupt. Sie brauchen optimale Arbeitsbedingungen. Das fängt schon beim Essen an“, sagt Winkler bei Makrele und Rotwein und verweist auf „die hervorragenden Köche und Kantinen, die wir auf dem Gelände haben. Früher hat meine Frau sogar selbst für unsere Leute gekocht.“ Die sitzt neben ihm und lächelt bestätigend. „Hildegard stand immer für das Soziale“, sagt er und richtet sich an die Frau an seiner Seite: „Ohne dich hätte ich in der schwierigen Anfangszeit wahrscheinlich aufgegeben.“

Doch nicht nur das Essen soll schmecken: Abhängig von der Betriebszugehörigkeit sind die Witron-Mitarbeiter heute am Unternehmensergebnis beteiligt, erhalten eine betriebliche Altersversorgung und andere Sozialleistungen, es gibt eine Vielzahl an Weiterbildungsmöglichkeiten, Betriebssport wird angeboten und, und, und. Man müsse den Menschen ganzheitlich sehen, insistiert Winkler, seine unterschiedlichen Bedürfnisse und Fähigkeiten: „Ich glaube an den Menschen, jeder hat seine Stärken. Er muss nur am richtigen Platz sein und sich entfalten können, sonst verschenkt er sein Potenzial.“

Philanthrop Winkler fordert im Gegenzug freilich Leistung: „Engagement ist immer Voraussetzung für den eigenen Erfolg.“ Daraus habe er für sich eine Lebensregel abgeleitet: „Man muss die Dinge verändern, um sie zu bewahren!“

Däumchen drehen kommt bei Winkler nicht gut an, er will Menschen in seinem Unternehmen, die anpacken. Das tut der Grandseigneur der Logistikbranche seinerseits - im übertragenden Sinn - sogar zu vorgerückter Stunde: „Oft gehe ich spät nachts noch in Gedanken Pläne von Anlagen durch, konzeptioniere Neues oder plane um.“ Zustatten kommt ihm dabei ein fotografisches Gedächtnis, das sich selbst an kleine Schaltkreise in großen Anlagen erinnert. „Am Computer habe ich noch nie gearbeitet, das ist bei mir alles im Kopf“, betont der Junggebliebene.

Winkler, der Sportler

Als Jungbrunnen erweist sich wohl nicht nur die Leidenschaft für sein Metier, sondern ebenso sein Bewegungsdrang: „Ich schwimme jeden Tag eine dreiviertel Stunde, am Wochenende auch länger, spiele Fußball, fahre Ski, unternehme Touren mit dem E-Mountain-Bike und gehe wandern.“

Das hält fit. Doch ewig währt kein Leben. Winkler hat daher vorgesorgt: „Ich sehe ein Unternehmen als soziale Einrichtung. Das heißt für mich: Die Menschen, die hier beschäftigt sind, sollen die Ernte ihrer Arbeit einfahren. Das gilt jetzt und soll auch so sein, wenn ich einmal nicht mehr bin.“

Winkler hat deshalb bereits vor Jahren eine Stiftung ins Leben gerufen, die Gesellschafterin der Witron GmbH ist. „Alles ist so geregelt, dass das Unternehmen unverkäuflich sein wird und künftige Geschäftsführer den Stiftungsgedanken mittragen müssen“, sagt er, ohne ins Detail zu gehen.

Visionär ist Winkler so selbst im fortgeschrittenen Alter geblieben. Mit der Stiftung schütze er die Firma auf Dauer vor Heuschrecken und Zerschlagung und sorge dafür, dass das erwirtschaftete Geld im Unternehmen verbleibe: „Ich will, dass die Menschen, die hier arbeiten, diese Sicherheit haben.“ Seine eigenen Kinder hätten zu Gunsten dieser Lösung auf ihr Erbe verzichtet. „Die sind alle bestens versorgt und leben, so wie meine Frau und ich, von Immobilien.“

Das Erwirtschaftete im Unternehmen zu belassen und so in den Dienst der Beschäftigten zu stellen, sei man den Menschen schuldig. Stiftungen sind in Winklers Augen daher ähnlich wie Genossenschaften ein gesellschaftlich tragfähiges Zukunftsmodell: „Das machen auch immer mehr.“

Weitere Stiftungen

Außer der zentralen Familienstiftung, die Fortbestand und Unabhängigkeit des Unternehmens sichern soll, hat Winkler noch drei gemeinnützige Stiftungen ins Leben gerufen. Damit unterstütze er unter anderem Menschen in Entwicklungsländern. Es gebe soviel Elend auf der Welt. „Da muss man was tun“, sagt Winkler, der Philanthrop, zieht eine Trachtenjacke über und macht sich wieder an die Arbeit.

Die Witron Logistik + Informatik GmbH baut derzeit in Parkstein (Kreis Neustadt/WN) für rund 160 Millionen Euro neue Produktionsanlagen.

Gespräch mit einer anderen Unternehmerin aus Region: Maria Rupprecht, Gesellschafterin beim Filialisten Buchhandlung Rupprecht GmbH.

Vohenstrauß
Nachgefragt:

Herr Winkler, was fällt Ihnen spontan zu folgenden Stichworten ein?

Menschen: Sie stehen im Mittelpunkt, man muss sie achten. Und als Mensch bist du da am authentischsten, wo du zu Hause bist, sage ich mal so als überzeugter Oberpfälzer.

Künstliche Intelligenz: Wir beschäftigen uns im Unternehmen intensiv damit. Es geht aber genauso gut auch ohne sie, weil du ein menschliches Gehirn nicht füttern musst wie einen Computer. Ich rechne alles im Kopf.

1. Dezember: Mein Geburtstag. Für mich steht der Tag für ein erfülltes Leben. Ich bin wunschlos glücklich.

Querköpfe: Man braucht sie im Unternehmen.

Die Welt im Jahr 2100: Macht mir angesichts der politischen Entwicklungen große Sorgen.

Oligarchie: Ich mag keine Leute, die nur auf sich schauen.

Europa: Könnte wegen des Brexits zerfallen.

Gemeinwohl: Geht vor Eigennutz. Daher die Stiftung.

Lebensmittel: Meine Frau und ich essen gerne gut. Geschäftlich haben viele unserer Kunden mit Lebensmitteln zu tun. Die Qualität ist gut, aber es gibt zu viel Plastikverpackung.

Parkstein: Dem ehemaligen Bürgermeister Karl Lukas hat der Ort viel zu verdanken.

Blick in ein von Witron errichtetes Logistikzentrum.

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