06.06.2021 - 17:56 Uhr
ParksteinOberpfalz

Robert Beer erklärt: Was die Wahl für Anleger bedeutet

Natürlich schauen auch Anlagespezialisten gebannt auf die nahende Bundestagswahl. Fondsmanager Robert Beer macht sich Gedanken, was der grüne Hype für Aktien- und Rentenmärkte bedeuten könnte.

Annalena Baerbock sorgt bei Börsenleuten nur bedingt für Feierstimmung.
von Autor BEEProfil

Die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat für Wirbel in der politischen Landschaft gesorgt. Durch ihr frisches Auftreten ist sie zum Medienliebling aufgestiegen. Die aktuelle Regierung wirkt dagegen etwas verbraucht. Regierungserfahrung hat Baerbock nicht, ihren Mitbewerber Robert Habeck hat sie dennoch souverän in die Schranken gewiesen. Einen Dämpfer bekam der Höhenflug, als publik wurde, dass Baerbock "vergessen" hatte, Nebeneinkünfte zu melden. Angekündigte Steuererhöhungspläne, die Vorschläge einer deutlichen Spritpreiserhöhung und Verteuerung von Kurzstreckenflügen haben ebenfalls die Stimmung abgekühlt.

Wahrscheinlich wird Annalena Baerbock aktuell etwas über-, Armin Laschet von der Union etwas unterschätzt. Am Ende könnte sich der Abstand wieder vergrößern, mit dem wahrscheinlichsten Szenario eine schwarz-grünen Mehrheit. Möglicherweise wird eine aktuell aufstrebende FDP für eine stabile Mehrheit benötigt. Der ökologische Umbau der Wirtschaft wird vorangetrieben, aber auch die soziale Marktwirtschaft wird beibehalten. Es wird nötig sein, eine solide Finanz- und Ausgabepolitik zu gestalten, die Wirtschaft zu beleben und mit den sprudelnden Steuereinnahmen den Haushalt zu konsolidieren. Hier kann Armin Laschet sicher punkten, nachdem er mit Friedrich Merz einen ausgewiesenen Wirtschafts- und Finanzexperten in sein Team geholt hat.

Keine Lust auf Grün-Rot-Rot

Die Wirtschaft in Deutschland hat da wesentlich mehr Sorge vor einer grün-rot-roten Regierung. Hier würde vieles, was Deutschland stark gemacht und Wohlstand gebracht hat, infrage gestellt. Vor allem ausländisches Kapital würde sehr empfindlich auf eine entsprechende Entwicklung reagieren. Schließlich wird der deutsche Kapitalmarkt in erster Linie von ausländischen Investoren bestimmt. Abfluss von Geldern und Investitionen hätte gravierende Folgen und dürfte Renten- wie Aktienmarkt deutlich treffen.

Deutschland ist die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt. Diese Stellung basiert auf den Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft, einer starken Mittelstandsstruktur, einem guten System der Berufsausbildung und vielen fleißigen und strebsamen Menschen.

Was zeichnet sich für den Fall einer Baerbock-Regierung ab? Die Staatsausgaben sollen deutlich steigen, dazu soll die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse außer Kraft gesetzt werden. Außerdem sollen Steuern erhöht werden. Der Staat soll eine noch stärkere Funktion einnehmen. Staatliche Lenkung wird zunehmen.

Dass der Staat aber der schlechtere Unternehmer ist, kann man überall beobachten. Der fatale Einfluss der Politik beim Berliner Flughafen lässt grüßen. Auch in der Corona Krise war der Staat in vielen Bereichen überfordert. Mehr staatliche Investition können die Wirtschaft durchaus beleben. Wenn im Gegenzug jedoch Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Leistungsträger stärker besteuert werden, hat dies negative Effekte. Viel wichtiger wäre es, auf die stets mahnenden Worte des Bundesrechnungshofs zu hören und die Ausgabenseite unter die Lupe zu nehmen.

Wie sich Volkswirtschaften entwickeln, in denen der Staatseinfluss sehr groß ist und immer mehr Menschen in den Staatsdienst integriert werden, zeigt sich beispielsweise in Italien. Die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Landes nimmt stetig ab und die Staatsverschuldung steigt. Höhere Staatsverschuldung beglückt oft die Wähler, geht aber immer auf Kosten künftiger Generationen.

Aktuell wird im Zuge der Pandemie eine Ausgabenorgie gefeiert. Auf europäischer Ebene wird ein gigantischer Aufbaufonds aufgelegt, der es den aktuellen Politikern ermöglicht, ihre Haushaltslöcher zu stopfen und die Wähler noch mehr kurzfristig zu beglücken. Die künftigen Generationen dürfen es bezahlen. Entweder über höhere Steuern oder über Inflationierung des erarbeiteten Geldvermögens.

Neben den beiden Wirtschaftsgiganten USA und China spielt Europa eine immer kleinere Rolle. Dabei lebt Europa von der wirtschaftlichen Stärke Deutschlands. Wenn diese eingebüßt würde, hätte das auch für Europa sehr negative Auswirkungen. Das Thema Eurobonds ist ein zweischneidiges Schwert.

Befürworter von Eurobonds

Die Grünen sind starke Befürworter von Eurobonds, also gemeinsamen Schulden in Europa. Die Finanzmärkte würden das positiv sehen. Damit wäre garantiert, dass Deutschland für die Schulden anderer europäischer Staaten gemeinschaftlich mithaftet. Das bringt den Investoren Sicherheit. Außerdem könnten die Südländer noch ungehemmter Schulden aufnehmen. Die Finanzmärkte, die Südeuropäer und Frankreich würden das bejubeln. Für die Deutschen Steuerzahler wäre es keine gute Nachricht. Auch die Geldentwertung würde sich beschleunigen und der Kaufkraftverlust der Geldvermögen in Deutschland sich verstärken. Die steigenden Lebenshaltungskosten würden alle Bürger treffen.

Hinsichtlich der Altersvorsorge plädieren die Grünen für mehr staatliche Lenkung. Hier wäre eine grundsätzliche Richtungsänderung nötig, um einen Übergang zur kapitalgedeckten Altersvorsorge zu gestalten und das System zu stabilisieren. Ein riesiges Thema, bei dem die Politik das Problem immer mehr in die Zukunft verlagert und den künftigen Generationen aufbürdet.

Auszeichnung für Robert Beer

Parkstein

 

 

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