24.08.2020 - 18:43 Uhr
ParksteinOberpfalz

Bewegte Zeiten für Reinhard Sollfrank

Seine Wahl war ein Paukenschlag: Reinhard Sollfrank ist seit 1. Mai Bürgermeister von Parkstein. Seitdem geht es bei dem 50-Jährigen so richtig turbulent zu, wie er im Gespräch am Fuß des Basaltkegels erzählt.

In dieser und in der nächsten Woche hat Bürgermeister Reinhard Sollfrank offiziell Urlaub. Deshalb radelt er im Freizeitlook durch den Markt Parkstein – mit dem Laptop im Korb natürlich, weil sich an die Rundtour doch noch ein Gespräch wegen eines Grundstückskaufes anschließt. Auf dem Bild im Hintergrund beobachtet Sohn Michael den "glühenden" Vulkan.
von Walter BeyerleinProfil

Bürgermeister Reinhard Sollfrank ist in Parkstein Nachfolger von Tanja Schiffmann, die bei der Wahl deutlich unterlag. Ehrenamtlich, aber in Vollzeit, heißt Sollfranks Motto. Seine bisherige Tätigkeit bei der Deutschen Post hat er aufgegeben. Das ist für die Bürger nur positiv: Die Rathaustür ist ständig offen, Sollfrank hat immer ein Ohr für alle Anliegen. Deshalb gibt es keine festen Sprechstunden, jeder Parksteiner sei mit seinem Anliegen bei ihm willkommen, betont der Bürgermeister.

Jetzt nach über 100 Tagen erinnert sich Reinhard Sollfrank an die Zeit ab seinem Amtsantritt am 1. Mai. Sein erster Weg ins Rathaus habe ihn mit Stolz erfüllt, gibt er freimütig zu, zugleich habe er großen Respekt vor der neuen Aufgabe gehabt. Zu diesem Zeitpunkt habe er nicht konkret abschätzen können, was auf ihn alles zukomme. So manche Äußerung von Bürgern lautete, was er sich "mit diesem Amt antue". Diese Einschätzung habe er aber nicht geteilt, sagt Sollfrank, obgleich viele Parksteiner mit Wünschen und Bitten unterschiedlicher Art auf ihn zukommen.

Reinhard Sollfrank tritt sein Amt an

Parkstein

Sollfrank liebt Kommunikation

Gerade die Gespräche sind für ihn kein Problem, weil er bei seiner bisherigen Tätigkeit als Briefträger, insgesamt 34 Jahre lang, täglichen Kontakt mit den Menschen hatte. "Diese Verbindung, diesen Kontakt zu den Bürgern zu haben, ist für mich das Schönste." Er sei bemüht, jedem in seinem Anliegen zu helfen, was allerdings nicht immer möglich ist, weil oftmals enge Vorschriften die Grenzen setzen.

Seine erste Marktratssitzung erforderte eine umfangreiche Vorbereitung. Aufgeregt sei er gewesen, räumt "Sole", wie er im Freundeskreis genannt wird, ein. Wegen der Coronakrise habe die konstituierende Sitzung im großen Festsaal stattfinden müssen, wo auch die Zuschauerzahl entsprechend hoch gewesen sei, erinnert sich Sollfrank. Ihm sei damals ständig durch die Kopf gegangen, ob die Technik mit der Power-Point-Präsentation funktioniere, vor allem hoffte er, nichts falsch zu machen. Geschäftsleiter Matthias Kneidl von der Verwaltungsgemeinschaft Neustadt/WN sei aber mit ihm zufrieden gewesen, erzählt Sollfrank lächelnd.

Das Bürgermeisteramt unterscheide sich aber vor allem in der Arbeitszeit von der vorherigen Briefträgertätigkeit. Damals habe er um 6.30 Uhr den Weg ins Postamt angetreten. Wenn alles zugestellt war, sei für ihn der Tag arbeitstechnisch beendet gewesen. Jetzt seien die Termine breit gestreut über den Tag verteilt.

Nur Lob findet der Bürgermeister für die Mitarbeiter im Rathaus, Bauhof und in der Verwaltungsgemeinschaft. Das Verhältnis sei sehr gut. "Privat habe ich jeden gekannt, als Chef ist das dann wieder anders." Seine Aufgabe als Teamleiter bei der Post könne nicht mit der Führung einer Gemeinde verglichen werden, betont er. Umgekehrt hätten ihn die Mitarbeiter zu seinem 100. Tag im Rathaus mit einem Geschenk überrascht. "Es läuft jetzt alles entspannter, aber wir machen unsere Arbeit, alles klappt wunderbar", ist das Fazit.

Rückhalt in der Familie

Für die Familie mit Frau Sandra und den beiden Kindern, auch wenn diese bereits im Erwachsenenalter sind, bedeutet die zeitliche Beanspruchung des Ehemanns und Vaters eine Umstellung. "Es ist eben kein Halbtagsjob." Seine Frau sei für ihn der große Rückhalt, sagt Sollfrank. Ihn freue es natürlich, dass diese im öffentlichen Teil bei jeder Marktratssitzung dabei sei. "Ohne die vorherige Zustimmung meiner Familie hätte ich mich nicht ums Bürgermeisteramt beworben." Und auf seine jetzige Tätigkeit dürfe deshalb die Familie auch stolz sein.

Im Fußball als größtem Hobby, habe er bereits vor zwei Jahren die Fußballschuhe an den bekannten Nagel hängen müssen. Dennoch wolle er weiterhin als Betreuer der Mannschaft tätig sein. Doch auch dies erschwere Corona derzeit.

Jetzt gelte es, in den Marktrat Transparenz zu bringen und das Miteinander zu verbessern. Als gemeindliches Großprojekt nennt der Bürgermeister die Sanierung der Kläranlage. Hier hat Sollfrank Verhandlungsgeschick bewiesen und ein angrenzendes Grundstück für den Markt erwerben können.

Wenn der Bürgermeister nicht im Rathaus sitzt, macht er mal einen Rundgang oder eine Rundfahrt mit dem Fahrrad durch den Ort - um Anregungen seiner Mitbürger entgegenzunehmen.

Wünsche, Vorstellungen, Sonstiges:

Vier kurze Fragen

Das habe ich mir anders vorgestellt: Als vorheriger Postzusteller habe ich den vorhandenen Berg Arbeit erledigt und war fertig für den Tag, als Bürgermeister bist du 24 Stunden im Einsatz.

Meine größte Aufgabe wird sein: Gut zu wirtschaften und den Bürgern eine wohnliche Gemeinde zu erhalten.

Viel Zeit investiere ich: In alle anstehenden Projekte, weil auch für kleine Projekte die gleiche Intensität notwendig ist. Selbst ein herausstehender Pflasterstein kann für einen älteren Menschen ein Problem bedeuten.

Im Marktrat würde ich mir manchmal wünschen: Dass die gute Kommunikation und das konstruktive Miteinander noch eine Verbesserung erfährt. Jeder soll seine Meinung sagen und nicht hinterm Berg halten. (bey)

Zur Person:

Reinhard Sollfrank

Bürgermeister von Parkstein im Ehrenamt, 50 Jahre alt, verheiratet, Vater von zwei erwachsenen Kindern, Mitglied der Freien Wählergemeinschaft Parkstein. Zusammensetzung des Marktgemeinderats: Freie Wählergemeinschaft 6 Sitze, CSU 4 Sitze, SPD 2 Sitze, Die Grünen 2 Sitze. (bey)

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