12.11.2020 - 08:17 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Verbindungsbau fürs Oberviechtacher Museum "vorerst gestorben"

Seit fünf Jahren wünscht sich der Museumsverein eine Verbindung zwischen Museum und dem künftigen Stadtarchiv. Auch der neue Stadtrat lehnt die "eingeschossige Brücke" ab. Die Enttäuschung ist groß.

Die Pflasterarbeiten und auch der offene Schuppen im Archiv- und Museumshof wurden diese Woche fertiggestellt. Der Wunsch des Museumsvereins, auf einen eingeschossigen Zwischenbau vom Archiv (links) zur ersten Etage des Museums, liegt auf Eis. Der Stadtrat lehnte das Vorhaben in nichtöffentlicher Sitzung ab.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Seit 2016 diskutiert der Stadtrat Oberviechtach, ob das Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseum einen Verbindungsbau zum neuen Stadtarchiv erhalten soll. Im Juni 2016 wurde beschlossen, dass dieser beim Archivneubau nicht verwirklicht, aber als "Andock-Option" bei der Planung berücksichtigt wird. Der Museumsverein unter der Leitung von Altbürgermeister Wilfried Neuber ließ nicht locker und brachte das Thema immer wieder aufs Tableau. Auch ein Zuschuss des Vereins in Höhe von 75 000 Euro wurde angeboten. Doch mittlerweile ist das Archiv bezugsfertig und eine Verbindung der beiden Gebäude in sehr weite Ferne gerückt.

Der Museumsverein hält das Thema Verbindungsbau im Frühjahr 2019 in der Diskussion

Oberviechtach

Nachvollziehbar und machbar

Bei der Stadtratssitzung am Dienstag informierte Bürgermeister Rudolf J. Teplitzky die Öffentlichkeit über den nichtöffentlich gefassten Beschluss: "In Anbetracht der Gesamtkosten spricht sich der Stadtrat dafür aus, momentan von der Errichtung eines Zwischenbaus abzusehen." Daran habe auch die zugesagte hohe Spende nichts geändert. "Es gab seit Mai fünf bis sechs Besprechungen bezüglich des Zwischenbaus", betonte Teplitzky. Die Anforderungen des Museumsvereins für die eingeschossige Brücke seien nachvollziehbar und wie die erneute Bewertung durch den Architekten Peter Brückner ergeben habe, auch machbar. Doch zu den Baukosten von circa 200 000 Euro komme "noch ein riesiger Rattenschwanz nach". Der Bürgermeister sprach von notwendigen Zusatzarbeiten (wie Fundamente, Museums-Fassade) und den Herausforderungen, die beim Eingriff in bestehende Gebäude entstehen (Brandschutz, zwei verschiedene Nutzungskonzepte).

Teplitzky will den Verbindungsbau trotzdem noch nicht "begraben". Wie er bei der Stadtratssitzung betonte, könnte die Maßnahme "bei der Museumssanierung, die irgendwann ansteht, eventuell verwirklicht werden". PWG/JW-Fraktionssprecher Thomas Teich fügte noch an: "In Anbetracht, dass viele Tiefbaumaßnahmen anstehen, können wir uns den Zwischenbau derzeit einfach nicht leisten."

"Wir als Museumsleute müssen akzeptieren, was der Stadtrat für sein Haus entscheidet. Auch wenn wir die Entscheidung nicht verstehen."

Wilfried Neuber, Vorsitzender des Museumsvereins

Wilfried Neuber, Vorsitzender des Museumsvereins

2016 diskutierte der Stadtrat Oberviechtach den Verbindungsbau zwischen Museum und Archiv

Vorsitzender enttäuscht

Der Bürgermeister hat die Verantwortlichen des Museumsvereins bereits persönlich über den Beschluss informiert. Dort ist die Enttäuschung natürlich groß. Der Vereinsvorsitzende, Altbürgermeister Wilfried Neuber, hat den Zwischenbau in den letzten Jahren mit Nachdruck gefordert und immer wieder die Beweggründe dafür dargelegt. "Wir als Museumsleute müssen akzeptieren, was der Stadtrat für sein Haus entscheidet. Auch wenn wir die Entscheidung nicht verstehen", betonte er auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Und er fügt an: "Es ist traurig, dass Inklusion und Barrierefreiheit so einen geringen Stellenwert haben." Der Verein habe einen hohen Zuschuss angeboten, könne jetzt aber die negative Entscheidung nur bedauern und zur Kenntnis nehmen. Ludwig Schießl, der den Museumsverein 2004 gegründet hat und das Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseum nach dem Einzug in die Marktmühle im Jahr 2006 konzeptionell begleitete, ist nicht minder enttäuscht: "Die Stadträte erkennen nicht, was sie sich genommen haben. Dabei wird es nicht billiger in einigen Jahren." Seine für die Zukunft ausgearbeiteten Konzepte hinsichtlich Inklusion und der Arbeit mit Senioren seien mit dem Beschluss hinfällig: "Diese basieren auf dem Zwischenbau." In der Vergangenheit hat der Verein immer wieder auf die Synergieeffekte einer Anbindung, unter anderem mit Nutzung von Aufzug und Behindertentoilette im Archiv, hingewiesen. Vorteile ergäben sich auch beim Transport von Lasten aus dem neuen Depot und bei der Bewirtung bei Veranstaltungen.

Während der Corona-Pandemie fiel heuer nicht nur das Kulturprogramm aus, das Museum war auch das ganze Jahr über geschlossen. "Wir konnten im Mai nicht öffnen", erklärt Schießl. Anfragen gingen an die Stadtverwaltung, welche an die kommissarische Leiterin Rita Foißner weitergereicht wurden. "Unsere einzige Aktion in 2020 war der von Markus Ostermeier erstellte Museumsfilm mit Florian Waldherr in der Hauptrolle", fügt Ludwig Schießl abschließend noch an.

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