22.02.2021 - 18:08 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Schnüffel-Pädagogen im Dienst: Hunde am Gymnasium in Oberviechtach

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Am Ortenburg-Gymnasium in Oberviechtach gibt es zwei Schulhunde, Moses und Bayu. Silke Zettlmeißl hatte die Idee, ihre Vierbeiner in den Schulalltag zu integrieren. Sie erzählt von einem Konzept, das im Kommen ist und Schülern gut tut.

Viel passiert gerade nicht in Sachen Schule. Silke Zettlmeißl hat dem Bild ihrer Schulhunde Moses (links) und Bayu deshalb den Titel „Wir würden gern’ wieder in die Schule gehen...“ gegeben.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Die Oma würde wohl sagen oder hätte gesagt: "Wos? A Hund in da Schul? Uierlah!" Was erst mal abwegig klingt, ist Alltag am Ortenburg-Gymnasium in Oberviechtach. Dort gibt es gleich zwei Schulhunde. Moses und Bayu wirbeln das Schulleben aber keinesfalls auf. Im Gegenteil: Die Vierbeiner haben die Aufgabe, das Schulklima zu verbessern und jungen Menschen den Umgang mit Tieren beizubringen. Wo Lehrer oft nur laut werden kann, um für Ruhe im Klassenzimmer zu sorgen, schafft es Moses allein mit seiner Anwesenheit und Körpersprache, dass die Schüler die Lautstärke zurückfahren.

Silke Zettlmeißl ist Lehrerin für Deutsch, Religion und Informatik am Oberviechtacher Gymnasium. Moses und Bayu sind ihre Hunde. Sie sagt: "Im Grunde sind Schulhunde Begleiter des Lehrers. Sie sollen eine tiergestützte Pädagogik unterstützen. Ich versuche damit, die Lernatmosphäre positiv zu gestalten." Ihr zufolge bieten sich Hunde dafür besonders an, weil sie Tiere sind, die der Besitzer steuern, also abrufen kann. Zettlmeißl: "Andererseits geht es auch einfach darum, dass die Kinder den Kunde sehen und streicheln können. Es ist bekannt, dass das den Stress reduzieren kann."

Ruhepol durch bloße Anwesenheit

Die beiden Hunde, Moss und Bayu, haben sehr unterschiedliche Charaktere. Moses setzt Zettlmeißl bewusst dann ein, wenn es darum geht, die Lautstärke im Klassenzimmer zu regulieren. "Moses setze ich bewusst in lauten Klassen ein, weil er sehr lärmempfindlich ist", sagt die Lehrerin. Dabei geht es laut ihr nicht einmal darum, ob in der Klasse viel geschwätzt wird. Besondere Aktionen macht sie mit den Tieren ohnehin nicht, es reicht deren bloße Anwesenheit und Körpersprache. Zettlmeißl: "Das bringt mehr, als wenn ich als Lehrerin fünftausend Mal sagen muss, dass jetzt wieder ein bisschen Ruhe einkehren muss. Ich sehe auch, dass die Schüler das an der Reaktion von Moses eher merken und wir dadurch viel ruhiger arbeiten können."

Wirbelwind der Spaßbringer

Der Eurasier Bayu ist der Sausewind unter Zettlmeißls Hunden. Zettlmeißl: "Bayu ist eher der lustige Kamerad. Er lässt sich gerne streicheln, geht gerne zu den Leuten und will überall dabei sein." Zettlmeißl setzt Bayu deshalb in Situationen ein, in denen die Kinder und Schüler Stress abbauen müssen.

So ungewöhnlich das Konzept mit den Schulhunden auf den ersten Blick auch wirken mag, Zettlmeißl ist in Deutschland längst nicht die einzige, die Tiere zu pädagogischen Zwecken einsetzt. "Mittlerweile machen das viele Lehrer. Ich habe schon einige Schulen besucht, um das Konzept vorzustellen", sagt sie.

Wer mit Silke Zettlmeißl spricht, merkt sofort, dass Tiere in ihrem ganzen Leben eine große Rolle spielen. So erzählt sie, dass sie zum Beispiel auch ihre Pferde mitnimmt, wenn die Klasse auf einem Wandertag unterwegs ist. Zettlmeißl: "Ich sehe, dass das für die Kinder etwas Besonderes ist und dass sie es sehr schön finden, wenn uns Tiere begleiten." Schüler reagierten sehr positiv auf die Anwesenheit der Vierbeiner.

Hunde bleiben etwas Besonderes

Natürlich sind nicht jeden Tag Hunde im Schulhaus des Ortenburg-Gymnasiums unterwegs. Wenn Moses oder Bayu da sind, soll es etwas Besonderes für die Schüler sein. Auch sind niemals beide Hunde gleichzeitig in der Schule, sondern wechseln sich ab. Zettlmeißl: "Das ist auch für die Lehrkraft anstrengend, weil sie ständig die Schüler und den Hund im Auge behalten muss." Die Lehrerin wechselt von Stunde zu Stunde die Klasse. Dabei ist es egal, wie alt die Schüler sind, denn alle freuen sich, wenn sie die Vierbeiner zu Gesicht bekommen. "Das Lehrerzimmer freut sich zudem auch immer, wenn die Hunde mal vorbeischauen", sagt Zettlmeißl. Sie empfindet die Tiere im Unterricht als Bereicherung. Nichtsdestotrotz betont Zettlmeißl, dass es in erster Linie auch darum gehen muss, die Hunde zu schützen und zwar in dem Maße, dass der Stress für die Tiere nicht überhand nimmt.

Pause für Moses und Bayu

Gerade sind Moses und Bayu wegen der Coronapandemie und einer möglichen Übertragungsgefahr nicht im Dienst. "Wenn es wieder geht, dass viele Hände auf einmal ohne Bedenken ein Tier anfassen können, dann sind die beiden natürlich wieder am Start", erklärt Zettlmeißl.

Die Lehrerin hat ihre beiden Hunde bewusst wegen ihres Charakters für den Schuldienst ausgesucht. Es sei nämlich eine heiße Diskussion, ob sich jeder Hund für die Schule eigne. Zettlmeißl hat neben Bayu zwei Hunde aus dem Tierschutz. Einer davon ist Moses. Über den anderen sagt sie: "Er ist unglaublich süß, aber ich würde ihn nicht mit in die Schule nehmen. Als Lehrerin muss ich selbst einschätzen, ob er den Stress aushält."

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Einführungsstunden am Anfang

Damit ein Hund zum Schulhund werden kann, braucht es im Grunde nicht viel. Laut Zettlmeißl hängt es letztlich von der Einschätzung des Halters ab. Zettlmeißl erklärt: "Rein rechtlich reicht es, wenn der Hund ein Grundgehorsam besitzt." Selbstverständlich gibt es darüber hinaus auch Fortbildungen und externe Einschätzungen von Hunden. Momentan noch nicht vorgeschrieben, aber sinnvoll könnte auch eine Begleithundeprüfung sein.

Weil es eben auch Kinder gibt, die Hunden ängstlich gegenüber sind, ist es laut Zettlmeißl wichtig, dass der Hund nicht einfach mal so auf ein Kind zustürmt.

Bevor die Hunde in die Klasse kommen, gibt Zettlmeißl Einführungsstunden mit dem Tier. "Ziel war es ursprünglich, den Kindern beizubringen, wie man einen Hund liest, damit man nicht einfach auf ihn zurennt, wenn der Hund das vielleicht gar nicht möchte", erklärt die Pädagogin.

„Das bringt mehr, als wenn ich als Lehrerin fünftausend Mal sagen muss, dass jetzt wieder ein bisschen Ruhe einkehren muss. “

Silke Zettlmeißl, Lehrerin am Ortenburg-Gymnasium in Oberviechtach

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