07.09.2020 - 17:04 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Pläne für ein Projekt auf der Waldwiese am Stangenberg

Die neue Försterin Christina Bösl und der neue Oberviechtacher Bürgermeister Rudolf Teplitzky haben die ersten Monate im Amt geschafft. Beide sind aufgeschlossen für ein Projekt im Staatswald am Stangenberg. Doch es gibt noch andere Themen.

Försterin Christina Bösl und Bürgermeister Rudolf Teplitzky wollen die fast 750 Meter hochgelegene Waldwiese beim ehemaligen Hofgut am Stangenberg als Blühfläche gestalten. Im Hintergrund die Tafeln des Goldlehrpfads der Stadt Oberviechtach.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Eigentlich sollte es nur ein Antrittsbesuch bei Bürgermeister Rudolf Teplitzky sein. Forstdirektor Stefan Bösl vom Forstbetrieb Flossenbürg der Bayerischen Staatsforsten schaute mit der neuen Försterin Christina Bösl (beide sind nicht verwandt) im Rathaus vorbei. Die 28-jährige Oberviechtacherin betreut seit Januar als Nachfolgerin von Walter Ostermayr das Forstrevier Pullenried mit rund 2000 Hektar Staatswald. Das Gebiet erstreckt sich von Schönsee bis Moosbach und von Oberviechtach bis kurz vor Tännesberg. „Mein Arbeitsplatz ist quasi ebenfalls vor der Haustür. Darüber bin ich sehr froh“, stellt sie fest.

Försterin Christina Bösl übernimmt im Januar 2020 das Forstrevier Pullenried

Oberviechtach

„Jeden Baum kennen“

Auch der Opa des Bürgermeisters war Förster in Pullenried: „Mein Vater hat als Kind im Forsthaus Pullenried gewohnt“, erzählt er den beiden Besuchern in seinem Amtszimmer. Christina Bösl hat ihr Büro im Elternhaus in der Kardinal-Bengsch-Straße 17 in Oberviechtach eingerichtet. Hier ist sie aber meist nicht anzutreffen, da sie viel in „ihrem Wald“, wie sie sich ausdrückt, unterwegs ist. Diesen möchte sie für den Klimawandel fit machen. Als Voraussetzung muss sie sich aber erst mit dem Bestand vertraut machen. „Mein Ziel ist es, dass ich jeden Baum kenne“, sagt sie lachend. Die ersten acht Monate sind vorbei und das Fazit fällt sehr positiv aus: „Es ist mein Traumjob. Ich genieße es, so viel draußen sein zu können.“ Es sei anstrengender einen Tag im Büro zu sein, ergänzt die naturverbundene junge Frau, die schon als Kind viel mit ihrem Vater auch im eigenen Wald unterwegs war. Für Brennholzwerber ist sie am besten an den Montagnachmittagen telefonisch erreichbar (0151/57945255).

Forstdirektor Stefan Bösl (beide sind nicht verwandt) ist voll des Lobes über seine neue Försterin: „Sie kommt bei Waldarbeitern und Waldbesitzern gut an.“ Im übrigen sei es schon lange kein reiner Männerberuf mehr: „Im Forstbetrieb Flossenbürg sind von den acht Förstern vier weiblich. Und das tut uns gut.“ So würden die Frauen die Teambesprechungen oft mit anderen Denkanstößen bereichern.

Ein Anliegen seines Besuches im Rathaus Oberviechtach ist es auch, dem neuen Bürgermeister die Aufgaben der Bayerischen Staatsforsten näher zu bringen. Bösl blickt auf die große Forstreform im Jahr 2005 zurück. Die 40 Forstbetriebe kümmern sich um 800 000 Hektar. Einer davon ist der Forstbetrieb Flossenbürg (16 000 Hektar Wald) mit seinen acht Revieren (jeweils 2000 Hektar).

Das Forstrevier Pullenried erstreckt sich über drei Landkreise, wobei es im Stadtgebiet Oberviechtach nur zwei größere Staatswaldgebiete gibt: am Buchberg bei Lind und am Stangenberg zwischen Pirk und Oberlangau. Hier hat jetzt Försterin Christina Bösl das Sagen. Der Bürgermeister fragt interessiert nach und bekräftigt: „Natur und Umwelt ist für uns ein wichtiges Thema. Es wird bestimmt mehrere Berührungspunkte geben.“ Schnell ist ein interessantes Projekt gefunden: Das Hofgut am Stangenberg mit einer Blühfläche aufpeppen. „Wir haben dafür ein Förderinstrument“, informiert Chef Stefan Bösl über die „besonderen Gemeinwohl-Leistungen“. 90 Prozent der Kosten zahlt der Freistaat Bayern, 10 Prozent die Bayerischen Staatsforsten. „Auch der Bauhof könnte sich an den Arbeiten beteiligten“, macht Rudolf J. Teplitzky ein Angebot. Schließlich läuft am Hofgut der städtische Goldlehrpfad mit Infotafeln vorbei.

Ortstermin am Hofgut

Schon ein paar Tage später treffen sich Rudolf Teplitzky und Christina Bösl – die Försterin mit Rauhaardackel Benny als ständigen Begleiter – im Staatswald „Silbergrube“. Hier ist mit 750 Metern auch der höchste Punkt im Stadtgebiet Oberviechtach. Das ehemalige Hofgut liegt nur wenig tiefer und war bis 1903 von der Familie Dobmeier bewohnt. Davon ist nichts mehr zu sehen. Nur Linde, Bergahorn und Esche fallen statt Fichten ins Blickfeld. Ab 2022 könnte hier die Waldwiese im Staatsforst erblühen. „Wir müssen erst eine passende Blühmischung finden und das Projekt anmelden“, gab Christina Bösl den Zeitplan vor. Wald-Ziest wächst dort jedenfalls schon.

Zurück zum Antrittsbesuch im Rathaus: Die Försterin muss sich auch um Windwurf und Borkenkäferschäden kümmern und die Waldfacharbeiter informieren. „Wir haben derzeit eine Urlaubssperre“, berichtet der Forstdirektor. Er spricht auch die Erholungsfunktion des Waldes an, und die Tatsache, dass während der Coronakrise der Druck auf den Wald stärker wird. „Ja, das hat deutlich zugenommen. Das ist schon sehr auffällig“, stimmt die Försterin zu. Es habe auch schon Beschwerden gegeben, nachdem Wege für die Holzabfuhr gesperrt werden mussten. Ein Thema sind auch die sinkenden Holzpreise. Mehrjährige Verträge würden für etwas Sicherheit sorgen, doch der Staatshaushalt müsse laut Bösl heuer ohne die üblichen Erträge aus der Forstwirtschaft auskommen. „Wir haben Verlust gemacht.“ Der Forstdirektor spricht noch den „Klimawald 2.0“ an und betont: „Die Douglasie könnte eventuell die Fichte ersetzen.“ Auch die Libanon-Zeder werde ausprobiert. „Der Wald wächst 100 Jahre. Da ist die Planung sehr wichtig“, bekräftigt Stefan Bösl und überreicht zum Ende des Besuchs zwei Bücher an den Bürgermeister.

Forstdirektor Stefan Bösl (von rechts) und Försterin Christina Bösl zu Besuch bei Bürgermeister Rudolf Teplitzky.
Hintergrund:

Christina Bösl hat nach dem Abitur am Ortenburg-Gymnasium ein Forstwirtschaftsstudium in Weihenstephan/Triesdorf absolviert und wechselte nach der Anwärterprüfung für den Staatsdienst an die Forstschule in Lohr am Main. Seit 1. Januar 2020 ist sie Försterin im Revier Pullenried des Forstbetriebs Flossenbürg. Telefonisch erreichbar ist sie am besten Montagnachmittag unter 0151/57945255.

 

 

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