27.04.2021 - 16:19 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Ovigo-Theater in der Pandemie: Corona-Frust verfliegt auf neuen Bühnen

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Vor einem Jahr lässt das Coronavirus beim Ovigo-Theater die Lichter ausgehen. Doch die Spielpause ist nur kurz – schon im Sommer hat es ein Comeback gegeben. Der Vorsitzende erzählt, wie das Ensemble durch die Pandemie gekommen ist.

Mit den "Zeitreisen" auf der Burg Murach hat sich das Theater-Ensemble "Ovigo" eine darstellerische Nische in der Pandemie erschlossen. Heuer sollen diese Sagen- und Erlebniswanderungen auf zwei weitere Schauplätze ausgeweitet werden.
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

Ein "Schlag in die Magengrube": So hatte Florian Wein, Vorsitzender und künstlerischer Leiter des Ovigo-Theaters, im April 2020 gegenüber Oberpfalz-Medien seine Gefühlslage geschildert. Kurz zuvor hatte das Coronavirus den Darstellern eine Spielpause aufgezwungen und alle Planungen vorerst gestoppt. Unter anderem hatte das Kinder-Musical "Emil und die Detektive" einen Tag vor der Premiere abgesagt werden müssen.

Im Frühjahr 2020 mussten wegen Corona die Scheinwerfer ausgehen

Oberviechtach

Doch der Schmerz und die Enttäuschung seien "schneller als erwartet" verflogen, wie Wein nun auf Nachfrage erzählt. Mit den Eröffnungsperspektiven im Sommer sei es relativ kurzfristig möglich gewesen, das Konzept der "Zeitreise", einer Erlebnisführung auf der Burg "Haus Murach", umzusetzen. "Ensemble finden, Proben ansetzen, Vorverkauf starten und los geht's", so beschreibt es Florian Wein im Rückblick; es sei "tatsächlich alles recht fix gegangen".

In der Folge habe sich innerhalb des Ovigo-Teams "eine merkwürdige, aber einmalige Stimmung" entwickelt. "Wir waren sehr vorsichtig, teilweise unsicher, aber auch aufgeregt und unwahrscheinlich vorfreudig", schildert Wein. Und auch wenn bei jeder Zeitreise vorerst nur 15 Zuschauer möglich waren – eigentlich sind die Theaterleute rund 400 Menschen pro Aufführung gewohnt – "wir haben uns über jeden einzelnen gefreut". Dieser Neustart sei einfach etwas Besonderes gewesen.

"Zeitreisen" bleiben fest im Programm

Ursprünglich waren die Zeitreisen als "Nebenbei-Standbein" (Wein) für Ovigo gedacht. Das Konzept dazu sei bereits vor der Pandemie entstanden. Nun aber sei die Gunst der Stunde genutzt worden, um das Format auszubauen, auch weil "die Besucher es fantastisch angenommen haben". Für Florian Wein steht fest: "Die Zeitreisen werden ein festes Segment in unserem Programm bleiben." Mittlerweile lägen dafür unzählige Ideen auf dem Tisch.

Im Vorjahr hätten über 1000 Zuschauer die insgesamt 48 Zeitreisen zur Burg Murach mitgemacht. Das Ensemble dafür hatte sich aus 20 Schauspielern und Gästeführern zusammengesetzt. Heuer soll noch eine Schippe draufgelegt werden: Weitere Zeitreisen in Thanstein und Georgenberg (Kreis Neustadt/WN) sind geplant. Die Proben dafür laufen bereits, "die meisten allerdings noch online". Vor-Ort-Proben seien derzeit nur mit zwei Leuten möglich, verdeutlicht Florian Wein. Aber: "Wir kommen voran, wenn auch in kleinen Schritten." Für die Burg Murach seien Spezialtermine in den Segmenten "Grusel" und "Kinder" in Planung. Für die Spielzeit 2021 könne Ovigo auf einen Pool von 65 Darstellern und Gästeführern zurückgreifen.

Trotz der Widrigkeiten durch Corona, Florian Weins Bilanz über das vergangene Theaterjahr fällt doch positiv aus. "Hätte uns im April jemand erzählt, was wir 2020 noch alles anstellen können, hätte ich das nicht geglaubt." Die Zeitreise-Führungen mit über 1000 Besuchern und auch die zwei Aufführungen des Überraschungstheaters "Sir Price" in Regensburg seien "eine tolle Sache" gewesen. Dem Vorsitzenden und künstlerischen Leiter sind auch noch die Aufführungen von "Eine ganz heiße Nummer" und die Dinner-mit-Killer-Produktion "Mord im Hause Doubleface" im Januar und März in guter Erinnerung geblieben.

Musical als Open Air angedacht

Noch nicht ganz klar ist, wie es mit dem im Vorjahr abgesagten Kinder-Musical "Emil und die Detektive" weitergeht. "Wir sind zurück in den Online-Proben", sagt Florian Wein. Es gebe Pläne, das Stück im Sommer als Open-Air auf Oberpfälzer Bühnen zu präsentieren. Dafür werde im Hintergrund bereits einiges organisiert und geregelt. Und auch Näharbeiten hätten schon begonnen – "die Kinder sind schließlich allesamt größer geworden". Ob sich der Vorhang wirklich öffnen kann, wird auch mit der Coronalage zusammenhängen.

Während die Proben für Zeitreisen und Musical wieder aufgenommen wurden, muss das "Dinner mit Killer" weiter pausieren. Doch die Theatermacher sind zuversichtlich, dass auch damit im Sommer wieder zu rechnen sein wird.

Durch die Pandemie ausgebremst wurde vorerst die Suche des Ensembles nach einer festen Bleibe im Landkreis Schwandorf. "Aber womöglich gibt es auch hierzu im Jahresverlauf noch einen Hoffnungsschimmer", sagt Florian Wein. Es habe zwar "ein paar gute Gespräche und erstes Kennenlernen und erstes Sondieren" gegeben, doch habe Corona "gewissen Entwicklungen einen Riegel vorgeschoben".

Bericht über die Premiere der Sagenwanderung auf Burg Murach

Obermurach bei Oberviechtach

"Wir waren sehr vorsichtig, teilweise unsicher, aber auch aufgeregt und unwahrscheinlich vorfreudig"

Florian Wein, Vorsitzender des Ovigo-Theaters, über den Neustart

Florian Wein, Vorsitzender des Ovigo-Theaters, über den Neustart

Weitere Infos, Termine und Karten

Das Kinder-Musical „Emil und die Detektive“ hatte im Vorjahr einen Tag vor der Premiere abgesagt werden müssen. Das Bild entstand bei der Generalprobe. Angedacht ist, das Stück heuer auf Open-Air-Bühnen zu präsentieren.
Info:

Das Ovigo-Theater: Produktionen, Preise und Termine

  • Der Ursprung: 1979 gründete Wolfgang Pöhlmann, der damalige Kunstlehrer am Oberviechtacher Gymnasium, das "Ortenburg-Ensemble". Ziel war es, das Schultheater auf eine besonders anspruchsvolle Ebene zu hieven. Im Laufe der Jahre wurden zahlreiche Produktionen (Jedermann, Faust, Dreigroschenoper" umgesetzt.
  • Auf eigenem Weg: Im Jahr 2021 machte sich das Theater selbständig und gab sich den Namen "Ovigo". Die Wurzeln des Ensembles sind weiterhin im Namen enthalten: "Ovi" für Oberviechtach" und "OGO" als Abkürzung für das Ortenburg-Gymnasium.
  • Produktionen (Auszug): 2013 "Jakes Frauen"; 2014 "Dr. med. Hiob Prätorius"; 2015 "Der Gott des Gemetzels", "Diamond Lucy"; 2016 "Lucky Happines Golden Express"; 2017 "Männerhort"; 2018 "Peter Pan"; 2019 "A Clockwork Orange"; 2020: "Eine ganz heiße Nummer".
  • Auszeichnungen: Im Jahr 2016 wurde Ovigo mit dem Bayerischen Amateurtheater-Preis "Larifari" ausgezeichnet. Den Zukunftspreis des Landkreises Schwandorf bekam das Ovigo-Theater im Jahr 2018. Die Produktion "Mein Freund, der Schrank" war 2019 für den internationalen Papageno-Award nominiert.
  • Zuschauer-Zahl: Der 20 000. Besucher in der Vereinsgeschichte saß im Vorjahr im Publikum: Karin Hölzl aus Teublitz hatte eine Zeitreise zur Burg "Haus Murach" mitgemacht
  • Vorgesehener Spielplan für 2021: "Durch den Grenzwald zu den Granitriesen" (Wanderung zur Burgruine Schellenberg): zehn Termine, Mai bis September; "Von Raubrittern und Revolverhelden" (Erlebnisführung durch Thanstein): 15 Termine, Juni bis September; "Die spektakuläre Freakshow des Mister Gonzalez" (Schauspiel mit Dinner-Menü): sechs Termine, September 2021 bis Mai '22; "Schrazeln, Hoymänner und der wilde Hans" (Zeitreise zu Haus Murach): 18 Termine, Mai bis September; "Mord im Hause Doubleface" (Dinner mit Killer): zehn Termine, Juli bis September.

 

 

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