06.05.2021 - 17:00 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Oberviechtacherin will Maaßens Werte-Chefin werden

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Sie ist jung, weiblich, vierfache Mutter und bekennende Konservative. Juliane Ried aus Oberviechtach kandidiert für den Bundesvorsitz der Werteunion mit rund 4500 Mitgliedern. Und hat offenbar gute Chancen.

Netzwerkerin Juliane Ried mit dem konservativen Wirtschaftsjournalsiten Roland Tichy.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Eine Wahl-Oberpfälzerin will Bundesvorsitzende der Werteunion werden. Am 29. Mai stellt sich Juliane Ried der Wahl der Bundesversammlung. Laut Online-Magazin „Tichys Einblick“ hat die 38-jährige Oberviechtacherin gute Chancen, gewissermaßen Chefin des ehemaligen Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maaßen zu werden – auch ein Mitglied des Merkel-kritischen Vereins.

Die Werteunion im Auftrag von FJS: rechts von der Union ist nur noch die Wand

Oberviechtach

Die Werteunion verbindet man bisher vor allem mit drei Namen: Friedrich Merz ist der Säulenheilige der losen Vereinigung Konservativer in der Union, die anders als JU oder Frauen Union keinen offiziellen Status besitzt. „Merz steht für große Wirtschaftskompetenz“, lobt Juliane Ried, Mitglied des bayerischen Landesvorstands der Werteunion, der 2019 aus der CSU-Basisinitiative „Konservativer Aufbruch“ hervorging.

Reizfigur der Liberalen

Hans-Georg Maaßen, Reizfigur der liberalen CDU-Führung, ist Rieds Trumpf beim Thema Innere Sicherheit: „Als ehemaliger Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz ist er ein absoluter Fachmann beim diesem Thema“, sagt die 38-Jährige. „Er trifft den Nerv der Konservativen – ich kenne ihn persönlich als absolut integren Mann“, beschreibt die Betriebsprüferin den frisch gekürten Bundestagskandidaten in Thüringen. „Die beiden sind deshalb so beliebt, weil sie die Kernkompetenzen vertreten, die die Union einmal stark machten.“

Der dritte im Bunde ist Alexander Mitsch, der bei der Neuwahl am 29. Mai nicht wieder als Bundesvorsitzender kandidiert. Stattdessen will sich der Mitbegründer der Werteunion „für den Aufbau eines starken und dynamischen Netzwerks für eine freiheitliche Politikwende“ engagieren. Was bedeutet das für die Union? „Da müssen Sie Mitsch selbst fragen“, sagt Ried. Sie jedenfalls beabsichtigt keine Abspaltung oder gar Gründung einer neuen Partei. „Das ist schon laut Satzung nicht möglich.“

Merz als Kanzler der Basis-Herzen

Der Zusammenschluss aller konservativen und wirtschaftsliberalen Mitglieder in der Union, den der CDU-Europa-Abgeordnete Elmar Brok schon einmal als Krebsgeschwür bezeichnete, erwartet von der Mutterpartei einen Schritt auf sich zu: „Vor ein paar Jahren war man noch offen für Gespräche.“ In Bayern verfolge man das Ziel einer christlich-konservativen und bürgerlich-liberalen CSU, die an die alten Erfolge eines Franz Josef Strauß anknüpfe – eine Position, die CSU-Chef und Ministerpräsident Markus Söder für überholt hält.

In der Kanzlerfrage konnte sich die Werteunion für keinen der Kandidaten erwärmen: Söder wurde massiv kritisiert, weil er vor der Aufstellung Maaßens als Abgeordneter gewarnt hatte. „Friedrich Merz war klar der Kandidat der Basis“, nennt Ried ihren Favoriten. „Und dann wundert man sich, dass Laschet so schlecht dasteht.“ Früher sei die CSU Stammtischpartei gewesen, mit der eine Mehrheit zufrieden gewesen sei. Auch wenn sich die gesellschaftliche und politische Landschaft ändere: „Wir sind der Auffassung, unsere Werte gelten immer“, sagt sie. Auch die Bewahrung der Schöpfung sei urchristlich, für das Thema Umwelt brauche man die Grünen nicht, im Gegenteil: „Wir brauchen eine klare Abgrenzung zu grünem Öko-Sozialismus.“

Möglicher Gegenkandidat: Max Otte

Das Profil stärken, ist der Auftrag, den Ried erfüllen möchte, wenn sie zur obersten Wertebewahrerin gewählt wird. „Wenn man in der Ära Stoiber um 2 Uhr geweckt wurde, konnte man aus dem Effeff sagen, wofür die CSU steht – heute muss man lange überlegen.“ Wer wäre ihr Wunschkandidat als CSU-Vorsitzender, der die Christsozialen zurück zu den Wurzeln führen könne? „Vielleicht Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber“, sinniert Ried, „der Abgeordnete Alex Dorow oder auch Karlheinz Roth, Bürgermeister von Spiegelau.“

Bisher hat sich für den 29. Mai ein Gegenkandidat aus der Deckung gewagt: Bernd Pfeiffer, Chef der Berliner Wereteunion. „Max Otte hat sich noch nicht abschließend entschlossen“, sagt Juliane Ried über den Wirtschaftsprofessor, der sich für Koalitionen mit der AfD ausspricht. Eine Position, die Ried ablehnt: „Wir haben in unserer Frankfurter Erklärung den klaren Beschluss gefasst, dass es mit uns keine Zusammenarbeit mit Links- und Rechtsextremen gibt.“

CSU fordert in der K-Frage die Einbeziehung der Basis

Wiesau
Zur Person:
  • Juliane Ried ist in Weimar geboren.
  • Mit ihrer Familie kam sie noch vor der Wende 1989 in die Oberpfalz.
  • Sie ist verheiratet, Mutter von vier Kindern und ehrenamtliche Schöffin am Landgericht Amberg.
  • Die gelernte Betriebsprüferin trat vor 18 Jahren in die Junge Union (JU)
  • und vor elf Jahren in die CSU ein.
  • Sie ist im Landesvorstand der bayerischen Werteunion
  • und bundesweit bekannt durch die Moderation großer Videokonferenzen.
  • Derzeit befindet sie sich in Elternzeit
  • und hilft in der Praxis ihres Mannes aus.

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