08.11.2020 - 17:39 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Oberviechtacher Wirt will Zwangspause kreativ nutzen

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Die Lokale sind geschlossen, aber 75 Prozent des Umsatzes vom November 2019 sollen erstattet werden. Kein Trost für Dominik Gradl, der das "MP 12" am Oberviechtacher Marktplatz erst Ende Juni 2020 eröffnete.

Hinsetzen verboten: So wie bei allen anderen Gastronomiebetrieben in Deutschland ist auch beim MP 12 am Oberviechtacher Marktplatz die Bestuhlung im Außenbereich abgebaut beziehungsweise mit Drahtseilen zusammengebunden. Drinnen im Lokal stehen die Stühle auf den Tischen. Erlaubt ist nur der Verkauf von Speisen zum Mitnehmen.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

"Ich hatte keinen guten Start und keinen guten Sommer, denn ich musste das Geschäft erst hochfahren", sagt Dominik Gradl im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Nach zwei Jahren Leerstand eröffnete er am 30. Juni das "MP 12" am Oberviechtacher Marktplatz. Zwecks der Coronakrise war dies relativ spät, denn eigentlich sollte es schon in der Woche vor Ostern losgehen. Der aktuelle Teil-Lockdown mit Zwangsschließung trifft den gelernten Restaurantfachmann und Koch aus Kümmersbruck hart: "Das Abholgeschäft läuft sehr verhalten. Da haben es alteingesessene Betriebe leichter." Trotzdem ist er von 17 bis 22 Uhr anwesend. Allein. Denn sein Personal hat er in Kurzarbeit geschickt.

Oktoberfest abgesagt

Die Tische und Stühle am Marktplatz sind mit Drahtseilen zusammengebunden. "Die Sachen werden am Freitag, 13. November, abgeholt", sagt er und verweist darauf, dass es im Innenraum ebenso wenig einladend ausschaut: "Die Stühle stehen auf den Tischen." Mit Wehmut denkt er an seine geplante und schließlich abgesagte Aktion zurück: Das Oktoberfest am 31. Oktober. "Ich hätte die Party vor dem Lockdown mit Live-Musik bis 21 Uhr im Freien machen dürfen, aber die Vernunft hat gesiegt."

Ich hatte keinen guten Start und keinen guten Sommer, denn ich musste das Geschäft erst hochfahren.

Gastronom Dominik Gradl eröffnete das MP 12 am 30. Juni 2020

Gastronom Dominik Gradl eröffnete das MP 12 am 30. Juni 2020

Schwieriger Start

Sein Start sei so schon mehr als schwierig gewesen: "Ich hatte ja nur den Juli und August. Danach stiegen die Corona-Fallzahlen schon wieder." Mit der Corona-Ampel und verregneten Tagen ging das Geschäft auch im Außenbereich zurück. "Ich werde auf jeden Fall einen Antrag stellen", sagt der junge Unternehmer. Auch wenn er weiß, dass der zugesagte Zuschuss der Bundesregierung für die Betriebe mit Zwangsschließung vom Umsatz im November 2019 berechnet wird - er aber hier nichts vorweisen könne. Doch man weiß ja nie. Wie bei einem Presseartikel des Bundesministeriums der Finanzen vom 6. November nachzulesen ist, gibt es eine Sonderregelung für junge Unternehmen: Firmen, die nach Oktober 2019 gegründet wurden, können als Vergleichsumsatz zwischen dem durchschnittlichen Wochenumsatz im Oktober 2020 oder dem durchschnittlichen Wochenumsatz seit Gründung wählen. "Die Stadt steht mir bezüglich der Pacht mit Rat und Tat zur Seite", sagt Gradl und berichtet von positiven Gesprächen mit Bürgermeister Rudolf J. Teplitzky. Die verordnete Zwangspause will der Gastronom nutzen, seine vielen kreativen Ideen - auch für ein neues Konzept - vorzubereiten, um sie nächstes Jahr umsetzen zu können. Schon für die Adventszeit hat er einen Plan, falls ihm die Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) "grünes Licht gibt": Er möchte vor dem "MP 12" ein "Wintergrillen" anbieten. Gradl hofft auch darauf, dass die Corona-Zwangsschließung nach vier Wochen vorbei ist und er das abgesagte Oktoberfest nachholen kann. Schließlich habe gerade er als junger Unternehmer auf die zwei stärksten Monate der Gastronomiebranche gesetzt: "Mir sind im November vier große Weihnachtsfeiern durch die Lappen gegangen. Das holt man nicht mehr auf."

Hintergrund:

Unterstützung im Teil-Lockdown

  • Novemberhilfe
    Die "Außerordentliche Wirtschaftshilfe November" können Unternehmen, Betriebe, Selbständige, Vereine und Einrichtungen beantragen, die von der angeordneten Schließung betroffen sind.
  • Zuschuss
    Es werden Zuschüsse pro Woche der Schließung in Höhe von 75 Prozent des durchschnittlichen wöchentlichen Umsatzes im November 2019 gewährt. Staatliche Leistungen im November 2020 werden angerechnet, wie Überbrückungshilfe oder Kurzarbeitergeld.
  • Junge Unternehmen
    Sonderregelung für junge Unternehmen: Firmen, die nach Oktober 2019 gegründet wurden, können als Vergleichsumsatz zwischen dem durchschnittlichen Wochenumsatz im Oktober 2020 oder dem durchschnittlichen Wochenumsatz seit der Gründung wählen.
  • Kredit
    Es gibt KfW-Schnellkredite zu günstigen Konditionen, deren Sicherheit vom Staat garantiert wird. Maximal 300 000 Euro sollen auch kleinen Firmen mit bis zu zehn Mitarbeitern offenstehen.
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