06.07.2021 - 10:08 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Oberviechtacher Strategie gegen Bodenerosion: "Komplexe Probleme miteinander lösen"

Es passiert immer wieder: Starkregen schwemmt Felder aus und spült Nährstoffe in Bäche: Das Problem der Bodenerosion an der Murach und der Gewässereinträge wollen Landwirte, die Stadt Oberviechtach und die Behörden gemeinsam angehen.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf Böden und Gewässer im Murachtal der Langau (Bild) standen im Fokus eines Info-Abends für Landwirte. Ähnliche Veranstaltungen des Amts für Ländliche Entwicklung Oberpfalz sollen auch für andere Regionen folgen.
von Georg LangProfil

Bodenerosion auf Feldern und Einschwemmungen in Gewässer haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Daraus ergeben sich Probleme für die Landwirtschaft, aber auch für die Wasserqualität der Vorfluter und Bäche. Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig, dies wurde bei einer Informationsveranstaltung der Stadt Oberviechtach in der „Hammerschänke“ unter dem Leitwort „Boden:ständig“ deutlich.

Landwirte von Ober- und Mitterlangau, die Stadt Oberviechtach und zuständige Behörden wollen „die komplexen Probleme miteinander lösen“. Dies ist das Ergebnis des Info-Abends, bei dem auch Leitender Landwirtschaftsdirektor Georg Mayer vom Landwirtschaftsamt Regensburg-Schwandorf ein Statement abgab. Weitere Veranstaltungen sollen folgen.

Auf offene Ohren stießen die teilnehmenden Landwirte und Behördenvertreter auch bei Bürgermeister Rudolf Teplitzky, der sich mit den Rathaus-Mitarbeitern Andreas Mandl und Andrea Setzer für eine gemeinsame konstruktive Problemlösung von Landwirten, Kommune und Behörden stark machte.

Ein erster Schritt ist die Inanspruchnahme eines umfassenden Beratungskonzepts, das für die betroffenen Landwirte keine Kosten verursacht. Das erschien als wichtiger Punkt, denn bei früheren Initiativen stand ein unsicheres Aufkommen von Zahlungen im Raum, wie der für die Langau zuständige Obmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Andreas Reisinger, verlauten ließ. Bürgermeister Teplitzky, dem die Lösung dieses seit Jahren schwelenden Problemfeldes am Herzen liegt, versprach sogar einen „Ausgleich durch die Stadt“, wenn öffentliche Fördergelder nicht ausreichen.

Die Veranstaltung informierte die geladenen Landwirte aus der vorläufigen Projektgebietsabgrenzung über die Initiative "Boden:ständig". Unterfüttert wurde die Thematik durch informative Fachvorträge von Felix Reebs vom Landesfischereiverband Bayern (LFV) sowie von Andrea Gall vom Wasserwirtschaftsamt Weiden. Die Fachbereichsleiterin für Gewässeraufsicht legte in ihrer Präsentation die Wasserrahmenrichtlinien für Oberflächen- und Grundwasser vor. Im Landkreis Schwandorf gebe es 29 sogenannte „Flußwasserkörper“, einer davon ist die im Blickfeld stehende Murach mit ihren Nebengewässern. Bei der Bestimmung der Wasserqualität richtet sich der Fokus auf Wasserpflanzen, Kleinstlebewesen und Fische.

Felix Reebs vom Fischereiverband ging auf die „Sedimenteinträge“ in Gewässer ein, also die Einschwemmungen, die auf die Fischfauna erhebliche Auswirkungen hätten. Im Mittelpunkt seines Vortrages stand eine Langzeitanalyse an der Ascha mit Daten von 1963 und 2017. Die Zunahme der Ackerflächen steigere die Erosionsgefahr und die Zunahme der Sedimentzuführung zu den Gewässern, was bei Hanglagen besonders virulent sei. Grabennetze und Absetzungsbecken schlug der Referent als Lösungsansätze vor. Auf den heftigen Widerspruch von BBV-Obmann Andreas Reisinger stieß er, als er eine mögliche Vernachlässigung des Erosionsschutzes bei landwirtschaftlichen Pachtflächen ansprach.

Die gesamte Bandbreite von Schutzmaßnahmen rückte Stefan Haupt vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz ins Blickfeld. Auf den gestiegenen Starkregen, die Hanglagen und die Priorisierung des Maisanbaus müssten „situationsbedingt Maßnahmen ergriffen werden“. Die Anlage von Grünstreifen oder die Rückkehr zu Grünland, bewirtschaftbare Rückhaltebecken (Mönch, gepflasterter Überlauf) und der Anbau von Zwischenfrüchten wurden genannt. Landwirtschaftliche und baulich-technische Lösungsansätze werden in einer Projektgruppe gemeinsam mit den Bewirtschaftern entwickelt und das Ergebnis in einem Maßnahmenkonzept festgehalten und umgesetzt.

Landwirtschaftsdirektor Georg Mayer brach eine Lanze für die Landwirte, als er darauf verwies, dass nur 40 Prozent der Gesamtfläche landwirtschaftlich genutzt würden. Das heißt, dass auch Wege und versiegelte Flächen zu „Einträgen in Gewässer“ führten. Bezogen auf die gestiegenen Extremwetterlagen meinte er: „Die Landwirte haben das Wetter nicht in der Hand!“

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Stefan Haupt vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz in Tirschenreuth schaffte als Moderator der Veranstaltung einen ersten Lösungsansatz: Für die betroffenen Bewirtschafter und die Kommune bot er fachliche Beratung an. „Das kostet Sie nichts!“
Bürgermeister Rudolf Teplitzky (links) stand für eine offene Aussprache mit den Landwirten aus der Langau und versprach ihnen auch Hilfe. BBV-Obmann Andreas Reisinger (Zweiter von rechts) verwies auf bereits erfolgte Maßnahmen der Bauern.
Hintergrund:

Boden soll Ertrag und keinen Schaden bringen

  • Das Projekt: "Boden:ständig" ist eine bayernweite Initiative der Verwaltung für Ländliche Entwicklung in Zusammenarbeit mit den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Der Name ist Programm: Der Boden soll ständig dort bleiben, wo er dem Landwirt Ertrag und den Gewässern keinen Schaden bringt.
  • Der Weg dazu: Beim fachübergreifenden Vorgehen sollen folgende drei Handlungsfelder umgesetzt werden: Größtmöglicher Erosionsschutz auf landwirtschaftlichen Flächen; Hochwasserschutz durch Wasserrückhalt in der Fläche; Gewässerschutz durch Verringerung des Nährstoffeintrags in die Gewässer
  • Beteiligte: Die Aktion setzt auf eine intensive Partnerschaft zwischen der Kommune, den Landwirten vor Ort, den landwirtschaftlichen Beratern sowie den Fachplanern.

 

 

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