07.09.2020 - 17:53 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Mobilfunk-Lücke ärgert Patientin

Damit hat Juane Demleitner nicht gerechnet: Ausgerechnet im Oberviechtacher Krankenhaus nützt ihr das Handy nichts. Freunde machen sich Sorgen um die 73-Jährige, die dieses Manko im Jahr 2020 nicht verstehen kann.

Ein Handy-Verbotsschild klebt an der Glastür eines Krankenhauses. In den meisten Bereichen darf trotzdem telefoniert werden, doch Patienten müssen in ländlichen Regionen auch mal damit rechnen, dass sie kein Netz haben.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Ich hab' doch nicht im Traum daran gedacht, dass man vom Krankenhaus aus nicht mit dem Handy telefonieren kann", sagt Juane Demleitner, die sich Ende August in der Asklepios-Klinik Oberviechtach einem ambulanten Eingriff unterziehen wollte. Eine Freundin brachte die alleinstehende Frau morgens zum Termin und wollte sie auch wieder abholen. Allerdings musste die 73-Jährige dann vorsichtshalber doch über Nacht bleiben. "Aus der Narkose erwacht, wollte ich meiner Freundin Bescheid sagen", berichtet die Patienten, aber: "Nix da – kein Netz". Irgendwann habe die Freundin schließlich selbst besorgt im Krankenhaus angerufen. Und nicht nur sie war alarmiert.

"In unserem kleinen Ort mit 27 Einwohnern pflegen wir eine tolle Nachbarschaft", schildert die 73-Jährige aus Plechhammer den Hintergrund für ein paar unruhige Stunden in ihrem Umfeld. "Da abends bei mir kein Licht zu sehen war, am nächsten Morgen meine Zeitung nicht aus dem Behälter an der Straße entnommen wurde, kam einiges in Bewegung". Für die engagierte Senioren, die auch im Seniorencafé der Arbeiterwohlfahrt aktiv ist, ein Unding. "Sind Handys im Krankenhaus unerwünscht?", fragte sich Frau, da frage man sich schon , was das im Jahr 2020 soll.

Eine Nachfrage bei der Asklepios-Klinik wirft ein ganz anderes Licht auf den Sachverhalt: Generell ist das Telefonieren mit dem Handy für Patienten möglich und erlaubt. "Jedoch hat man in einer ländlichen Region und hier auch in Oberviechtach nicht immer ein Netz", schränkt der Ärztliche Direktor der Klink, Dr. Christian Glöckner, ein. "Unabhängig vom Netzanbieter gibt es immer wieder Funklöcher, manchmal nur temporär, manchmal auch dauerhaft." Lediglich in Eingriffs- und OP-Räumen sei das Telefonieren nicht gestattet, ansonsten dürften aber auch die Besucher im Krankenhaus ihr Handy benutzen. Außerdem gibt es Patienten-Telefone, mobile Telefone, die Patienten überall im Haus benutzen können. Die müssen laut Ärztlichem Direktor aber aktiv beantragt werden. Und selbstverständlich sei die Klinik auch mit Patienten-WLAN ausgestattet.

"Das ist schon ein Witz in der heutigen Zeit, dass man in einer Stadt wie Oberviechtach kein Netz hat", wundert sich die frühere Patientin nach wie vor darüber, dass ihr Handy damals nicht einmal draußen vor dem Krankenhaus funktioniert hat. In so einem kleinen Ort wie Plechhammer (Ortsteil von Oberviechtach) könne man sich das ja noch vorstellen, aber doch nicht in einer Stadt mit knapp 5000 Einwohnern. In der Asklepios-Klinik Lindenlohe und im St.Barbara-Krankenhaus in Schwandorf kennt man solche Sorgen nicht. "Keine Netzprobleme", meldet Pressepsrecher Bernhard Krebs für Lindenlohe. Außer in den relevanten Bereichen wie Radiologie, OP oder Aufwachraum gebe es auch kein Handy-Verbot.

Handy: Störfaktor oder Warnsignal in Corona-Zeiten

Schwandorf

"Telefonieren mit dem Handy – das ist bei uns uneingeschränkt möglich",bestätigt auch Gabriele Leichtl, Assistentin der Geschäftsführung. Diesbezügliche Verbote gehörten der Vergangenheit an, möglicherweise hätten die Gerät in den Anfangszeiten Funkverbindungen gestört. Außerdem kommt in Schwandorf inzwischen jedes Bett automatisch mit eigenem Telefon. Und der direkte Draht zu den Liebsten ist seit Dezember 2019 auch noch kostenlos – sofern er nicht bis ins Ausland reicht oder kostenpflichtige Sondernummern betrifft. Die Patienten müssen dafür lediglich eine Null vor die gewünschte Telefonnummer setzen, informierten der stellvertretende Geschäftsführer Michael Enzmann und Betriebstechniker Günter Edenhart bei der Umstellung.

Solange es in Oberviechtach keine verlässliche Mobilfunk-Verbindung gibt, rät der Ärztliche Direktor den Patienten, in solchen Fälle auf die Hilfe des Personals zu bauen: "Sollte das eigene Handy keinen Empfang haben und man hat selbst kein Telefon beantragt, weil es auch nur für eine Nacht ist, kann man jederzeit über die Schwester einen Anruf zu seinen Angehörigen tätigen." Juane Demleitner jedenfalls ist jetzt vorgewarnt und hofft, dass sich trotzdem irgendwann in naher Zukunft die Mobilfunk-Lücke schließen lässt. Der "Aufruhr" durch ihre Abwesenheit hat ihr auch die Vorteile eines ländlichen Umfelds aufgezeigt. "Ein Hoch und ein dickes Lob für meine Nachbarn", so die 73-Jährige, die jedem älteren alleinstehenden Mitbürgern Freunde mit so viel Verantwortungsgefühl wünscht.

Hintergrund:

Handy im Krankenhaus

Viele Patienten ziehen im Krankenhaus das eigene Handy vor, und mittlerweile lassen viele Kliniken die Nutzung privater Mobiltelefone zu, darunter auch die Häuser in Lindenlohe, Oberviechtach und Schwandorf. Die Verbraucherzentrale rät, sich diesbezüglich bei der Aufnahme zu erkundigen. Viele Kliniken überarbeiten derzeit ihre Hausordnung. Bis vor einiger Zeit war das Telefonieren mit Handy im Krankenhaus noch streng verboten. Grund dafür waren Bedenken bezüglich der von den Geräten ausgehenden Funkstrahlung. Inzwischen gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die vermuten lassen, dass die Funkstrahlen von Mobiltelefonen nur in sehr geringem Abstand zu technischen Apparaten Störungen hervorrufen können. Nach wie vor gibt es deshalb Bereiche im Krankenhaus, in denen die Handynutzung streng untersagt ist. Experten raten außerdem, vor allem die häufig genutzten Smartphones als Träger verschiedenster Bakterien häufig und gründlich zu reinigen und zu desinfizieren.

 

 

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