01.07.2021 - 16:14 Uhr
OberviechtachOberpfalz

"Jackpot" für Oberviechtach: Neue Gewerbeflächen und "Sonnenfeld"

Freiflächen-Photovoltaik bleibt in Oberviechtach ein heiß diskutiertes Eisen. Das zeigt ein Diskussionsabend der Stadt am Mittwochabend. Bürgermeister Rudolf Teplitzky hat eine Überraschung im Gepäck.

Die erste Solaranlage im Raum Oberviechtach hatte eine Nennleistung von 1,3 Megawatt. Mittlerweile sind einige Flächen mit Photovoltaikanlagen dazu gekommen.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Weitere Freiflächen-Photovoltaik rund um Oberviechtach: Das wollen nicht alle. Das zerstörte Landschaftsbild führen die Gegner an, auch den Verlust an Fläche für die landwirtschaftliche Produktion. Die Zweifel mündeten in ein (unzulässiges) Bürgerbegehren. Bürgermeister Rudolf Teplitzky reagierte, bot am Mittwochabend in der Mehrzweckhalle eine Dialogrunde zu "Sonnenfeldern" an. Aber nicht nur die Energieversorgung war Thema vor den knapp 50 Bürgern, die das Angebot wahrnahmen.

Bürgerbegehren unzulässig

Oberviechtach

Denn: Der Stadtrat hatte Teplitzky ins "Hausaufgabenheft" geschrieben, sich auch um Gewerbeflächen zu kümmern. Damit sieht's aktuell mau aus in der Eisenbarth-Stadt. "Ich muss bei Nachfragen sagen, dass wir aktuell nichts haben", so Teplitzky, auch nicht für ansässige Betriebe, die erweitern wollen. Nun bietet sich eine Chance, die der Bürgermeister am Mittwoch erstmals öffentlich machte und einen "Jackpot" für die Stadt nannte: Eine Erweiterung des Gewerbegebiets "West" zur Teunzer Straße hin. Dort ließen sich rund 50000 Quadratmeter für Gewerbe erschließen, zusätzlich ein "Sonnenfeld" mit 10 Megawatt Leistung samt Speichermöglichkeit unterbringen. "Damit könnten wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen", sagte Teplitzky.

Auch ein Grüngürtel finde Platz, um die Fläche einzubinden. Gespräche mit dem Grundstückseigentümer seien geführt, so Teplitzky, nun müsse der Stadtrat das Thema vertiefen. Dem Stadtoberhaupt schwebt ein Modell vor, bei dem sich auch Bürger finanziell an der Anlage beteiligen können, Bildungsmöglichkeiten zum Thema regenerative Energie geschaffen werden.

Kein fester Prozentsatz

Für Teplitzky ist das Thema regenerative Energie positiv besetzt – weshalb er den Begriff "Sonnenfelder" nutzt und auch keinen Hehl daraus macht, dass er das "Wording" bewusst wählt. Das schmeckt nicht jedem in der Runde, wie aus Wortbeiträgen am Mittwoch klar wird. Ebenso deutlich wird aber auch: So weit liegen die "Fronten" beim Thema Solaranlagen nicht auseinander. Es geht weniger um generelle Ablehnung, als um das "wo" und "wie viel".

Von Begrenzungen auf einen gewissen Prozentsatz der Stadtfläche hält Teplitzky wenig - wenn, dann solle die bereitgestellte Leistung das Maß der Dinge sein. Er kommt auf etwa 0,5 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche, die derzeit von Photovoltaik genutzt wird. Weitere Anfragen lägen vor, so der Bürgermeister. Allerdings wurden die zurück gestellt: Der Stadtrat will in seiner anstehenden Klausur im Juli über das weitere Vorgehen beraten. Den bisherigen Aussagen im Gremium nach zu schließen, ist eine Beschränkung – in welcher Form auch immer – das Ziel.

"Druck im Kessel"

Den erwarteten Energieverbrauch der Stadt für das Jahr 2030 von rund 35 bis 40 Millionen Kilowattstunden (heute: 26 bis 30 Millionen kwh) zugrunde gelegt, sieht der Bürgermeister Oberviechtach noch lange nicht am Ziel – zumal der Wärmebedarf da noch nicht eingerechnet ist. Außerdem gibt Teplitzky zu bedenken: Jetzt könne die Stadt noch selbst entscheiden, wie sie mit dem Thema regenerative Energien umgehen will. "Wir haben die Planung in der Hand." Er geht davon aus, dass im Zuge der Energiewende Vorschriften kommen werden, die Kommunen zum Handeln zwingen. "Da ist Druck im Kessel," meinte Teplitzky, wie bei allen Themen der Ökologie.

In die Klausur kann der Bürgermeister jedenfalls eine ganze Reihe Diskussionsbeiträge. Das sind einerseits die Sorgen, dass das Umfeld der Stadt mit Freiflächen-Photovoltaik zugebaut wird und das auch dem Tourismus schaden könne. Oder die Bedenken, dass landwirtschaftliche Flächen nicht mehr für die Lebensmittel-Erzeugung genutzt werde und unter den Solarplatten kaum mehr etwas wachse. Und: Die Anlagen sollten mehr auf die Dächer, nicht in die Landschaft. Andererseits sind da die Stimmen aus der Runde, die es für nötig halten, dass Oberviechtach seinen Beitrag zur Energiewende leistet – und es positiv sehen, wenn Böden aus der intensiven Landwirtschaft genommen werden und um Geduld bitten, bis die Wiesen unter den Photovoltaik-Platten sprießen. Applaus gab's für die Argumente beider Seiten.

Auch ganz praktische Fragen begrenzen die Flächen, auf denen Solaranlagen gebaut werden können. Gerhard Rauch, der mit seiner Familie den Solarpark 2 baut, nennt die nähe zum vorhandenen Stromnetz. Kilometerlange Leitungen zum nächsten Einspeisepunkt machten Anlagen unwirtschaftlich. Und: Ein Großteil des Stadtbereichs von Oberviechtach liege im Landschaftsschutzgebiet, wie Stadträtin Barbara Ruhland anführte. Dazu kommt das Gebot der Regionalplanung, das darauf setzt, Freiflächen-Photovoltaik an bestehende Infrastruktur wie Bebauung oder Straßen anzubinden.

Das weitere Konzept für "Sonnenfelder" ist nun also Sache des Stadtrats. Die Dialogrunde dürfte nicht die letzte gewesen sein: Bürgermeister Teplitzky setzt darauf, die Anliegen der Bürger anzuhören. Deshalb warb er dafür, sowohl bei ihm als auch bei den Fraktionen im Stadtrat das Gespräch zu suchen, wenn es um wichtige Themen geht.

Familie Rauch setzt auf die Sonne

Oberviechtach

Unterschriften für Bürgerbegehren

Oberviechtach

Baurecht für Solarpark

Oberviechtach
Bürgermeister Rudolf Teplitzky stellte vor, wie er sich die Entwicklung Oberviechtachs bis 2030 vorstellt - nicht nur in Sachen Energie.
Genau 50 Plätze waren nach den Corona-Regeln in der Mehrzweckhalle für die Dialogrunde zum Thema „Sonnenfelder“ vorbereitet. Nicht alle waren am Mittwochabend besetzt. Die Meinungen zum Thema Solarenergie lagen gar nicht so weit auseinander: Streitpunkt ist eher das „wo“, nicht das „ob“.
Hintergrund:

Chronik: vom Beschluss zur Dialogrunde

  • April 2021: Stadtrat billigt Pläne und Vertrag für Solarpark 2.
  • Mai 2021: Hildegard Bücherl startet mit Unterstützung Bürgerbegehren: "Sind Sie gegen weiteren Flächenfraß durch Solaranlagen auf landwirtschaftlichen Flächen in ortsnahen Randgebieten von Oberviechtach?" Das Begehren richtet sich nicht explizit gegen den Solarpark 2.
  • 21. Mai 2021: Bücherl gibt Listen mit 678 Unterschriften ab; 630 sind gültig; 402 sind zur Zulassung des Begehrens nötig.
  • Mai/Juni 2021: Verwaltung prüft das Begehren.
  • 15. Juni 2021: Stadtrat stellt Unzulässigkeit des Begehrens aus rechtlichen Gründen fest. Die Fragestellung ist zu wenig konkret. Bürgermeister Rudolf Teplitzky bietet Dialogrunde an.
  • Juni 2021: Die Initiatoren wollen die Fragestellung konkretisieren. Die Verwaltung prüft.
  • 30. Juni: Dialogrunde in der Mehrzweckhalle.

 

 

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