24.10.2021 - 13:30 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Großübung an der Ölpipeline im Landkreis Schwandorf

Hoffentlich wird das nie zum Ernstfall: Am Samstagmorgen meldete die Leitstelle der Ölpipeline, die von Ingolstadt nach Prag führt, ein Leck im Landkreis Schwandorf. 25 Feuerwehren rückten aus.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Der Notruf, der die Übung auslöste, ging am Samstag um 9.30 Uhr ein: Die Leitstelle der Mitteleuropäischen Rohölleitung (Mero) in Vohburg bei Ingolstadt meldete der Integrierten Rettungsleitstelle in Amberg ein Leck im Abschnitt B 21. Dieses Teilstück der rund 344 Kilometer langen Pipeline verläuft durch den östlichen Landkreis Schwandorf. Unverzüglich informierte die ILS die zuständigen Feuerwehren in dem Gebiet und setzte einen akribisch vorbereiteten Notfallplan in Kraft.

"Im Feuerwehrgerätehaus Oberviechtach wurde daraufhin eine Befehls- und Sammelstelle eingerichtet", erklärt Hans-Jürgen Schlosser, der Sprecher der Kreisbrandinspektion Schwandorf. Sofort hätten die Feuerwehren aus der betroffenen Gegend mit der Suche nach dem Leck in der Pipeline begonnen. Jede Feuerwehr hat dafür einen fest zugeteilten Abschnitt. "Nach etwa 20 Minuten hie es: Leck gefunden in Höhe der Ortschaft Kulz", berichtet Schlosser.

Dekontamination beim "Stonehenge"

Die Betreibergesellschaft der Ölleitung hat den Feuerwehren schon vor vielen Jahren verschiedene Geräte zum Auffangen und Filtern des ausgetretenen Öls zur Verfügung gestellt. "Diese Gerätschaften werden von den örtlichen Feuerwehren betreut und müssen ehrenamtlich ständig beprobt werden", erklärt der Feuerwehr-Fachmann. Bei Kulz seien in den Gewässern Ölsperren eingerichtet worden. Am Aussichtspunkt „Stonehenge“ herrschte hektisches Treiben. Hier bauten die Einsatzkräfte des ABC-Zugs des Landkreises eine Dekontaminationsstelle auf. Auch der Verkehr war betroffen. Im Umfeld des Einsatzortes wurden etliche Straßensperren eingerichtet.

Insgesamt waren 25 Feuerwehren aus dem Landkreis Schwandorf sowie dem angrenzenden Gebiet des Landkreises Cham an der Übung beteiligt, darüber hinaus mehrere Feuerwehr-Einheiten auf Kreisebene - unter anderem die Einsatzdrohne der Feuerwehr Bruck. Beteiligt waren auch die Organisationen des Rettungsdienstes sowie der Fachberater der Technischen Hilfswerks.

Insgesamt 99 Ölsperren

Beim Betrieb der Mero sind nach Auskunft von Schlosser im rechnergestützten Leitsystem mehrere Verfahren zur Leckerkennung und -ortung gleichzeitig aktiv. Dazu würden zwischen den Pump- und Empfangsstationen ständig die Tankstände und die Durchflüsse gemessen und verglichen. "Außerdem werden Messwerte der Drücke und Temperaturen in der Rohrleitung, die in den Schieberstationen entlang der Trasse ermittelt werden, in Echtzeit ausgewertet." Die Leitzentralen seien rund um die Uhr besetzt. Damit die Katastrophenschutzkräfte ihre Aufgaben wahrnehmen können, hat das Unternehmen Mero entlang der Leitungstrasse insgesamt 99 Ölsperren (davon je zwölf im Landkreis Schwandorf) in allen Fließgewässern, die von der Fernleitung gequert werden, eingerichtet.

Übungen wie die am Samstag finden regelmäßig in den verschiedenen Schieberabschnitten statt. Die Mitteleuropäische Rohölleitung von Ingolstadt über Waidhaus nach Nelahozeves bei Prag dient der Versorgung der Tschechischen Republik mit Rohöl. Sie hat eine Gesamtlänge von 344 Kilometern, davon 179 Kilometer im Freistaat Bayern. Der Durchmesser der Rohrleitung beträgt 70 Zentimeter. Die Mero geht von einer Pumpstation in Vohburg bei Ingolstadt aus. Sie ist durch 54 Schieberstationen (davon 28 im Freistaat Bayern) in verschließbare Abschnitte eingeteilt. Die Streckenlänge der Mero im Landkreis Schwandorf beträgt rund 21 Kilometer, teilbar in drei Schieberabschnitte.

Die Leitung tritt südlich von Kulz in den Landkreis Schwandorf ein. Sie verläuft an Winklarn und Oberviechtach vorbei und verlässt den Landkreis bei Oberlangau Richtung Eslarn. Laut Hans-Jürgen Schlosser hat die Leitung eine Erdüberdeckung von mindestens einem Meter. Ein Steuerkabel ist längs der Leitung mitverlegt. Die Leitung liegt in einem Schutzstreifen von fünf Metern beidseits der Rohrachse. Im Schutzstreifen sind grundsätzlich alle Bauarbeiten verboten.

Ausbildung bei der Feuerwehr

Neunburg vorm Wald
Info:

Die Mero-Pipeline

Mero ist die Abkürzung für Mitteleuropäische Rohölleitung. Die Mero versorgt seit 1996 Tschechien über Bayern mit Rohöl aus aller Welt. Die Mero wird in Bayern über die Transalpine Ölleitung (TAL) aus dem Hafen Triest an der Adria beliefert. Mero beliefert das zentrale tschechische Rohöl-Tanklager Nelahozeves bei Prag.

  • Rohöl-Fernleitung von Ingolstadt nach Prag
  • Länge: 344 Kilometer, davon 179 Kilometer in Bayern
  • Durchmesser: 70 Zentimeter
  • Kapazität: 10 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr
  • Bauwerke: Pumpstation bei Vohburg, 54 Schieberstationen, 28 davon in Bayern.
  • Eigentümer: Aktiengesellschaft MERO ČR, a. s, deren Eigentümer das Finanzministerium der Tschechischen Republik ist.

 

 

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